#02 Wie ich negative Glaubenssätze für mich aufgelöst habe und warum Selbstwert so wichtig für die Heilung der Essstörung ist

In dem heutigen Blogbeitrag geht es um negative Glaubenssätze, weil es eins der wichtigsten Themen in meinem Heilungsprozess war, meine negativen Glaubenssätze zu erkennen und aufzulösen.

Die Tatsache, dass ich diese Überzeugung von mir selbst geheilt habe, hat mir sehr dabei geholfen einen guten Selbstwert zu entwickeln.
Und Selbstwert ist auch im Zusammenhang mit Essstörungen so wichtig, weil ich damit dadurch auch einen Teil der Essstörung loslassen konnte.

Bei mir waren diese Glaubenssätze so tief in mir verankert, dass ich sie erstmal bewusst an die Oberfläche holen musste, um sie im nächsten Schritt für mich zu transformieren.

„Du bist nicht gut genug. Warum solltest du das schaffen? Du bist schlechter als die anderen. Du kannst das nicht. Du bist nicht liebenswert. Du bist nicht schön genug."

Ich glaube, dass wir alle mindestens einen negativen Glaubenssatz haben.
Einen inneren Kritiker der unsere Handlungen kommentiert und das durchgehend negativ.

Eigentlich ist es kein innerer Kritiker (weil Kritik ja auch konstruktiv sein kann), sondern ein Mobber im klassischen Sinne, der dir den ganzen Tag lang sagt, dass du nicht gut genug bist, dass du das nicht kannst, dass du nicht schön bist, dass du an allem schuld bist, dass du nicht liebenswert bist.

Negative Glaubenssätze sind lange ein Thema für mich gewesen und sind es auch immer noch ist – deswegen würde ich gerne darüber sprechen, weil es unglaublich heilsam sein kann, wenn man es schafft sie aufzulösen.

Sie können manchmal so überwältigend sein, dass wir Panik kriegen, wenn wir eine Präsentation halten müssen, weil wir das Gefühl haben, dass wir schlechter sind als die anderen. Dass wir Beziehungen kaputt machen, weil wir uns nicht geliebt fühlen und denken, dass wir auch nicht liebenswert sind.

Das Interessante und gleichzeitig Erschreckende ist, dass diese negativen Glaubenssätze Non-stop als leiser Störfaktor in unserem Kopf laufen und wir sie gar nicht mehr wirklich wahrnehmen. Auch ich habe sie lange nicht wahrgenommen und angefangen, diese Dinge über mich selbst zu glauben. Denn weil wir sie nicht aktiv wahrnehmen, manifestieren sie sich unbemerkt in unserem Bewusstsein und senken unseren Selbstwert.

Ich hatte schon als Kind oft Selbstzweifel: Ich schaffe das nicht, Andere lachen über mich. Und diese Selbstzweifel sind im Laufe meines Lebens immer mal wieder aufgetaucht. Mal waren sie stärker, mal schwächer.
Aber ich glaube, dass sie damals kurz vor der Rückkehr aus meinem Auslandsjahr das erste Mal richtig laut geworden sind.

Neben den Glaubenssätzen, die ich grade genannt habe, kamen noch Sätze wie „Ich bin nicht gut genug. Ich bin nicht schlank genug. Ich werde wegen meines Körpers ausgelacht, wenn ich zurückkomme, ich bin zu dick“ dazu. Und weil diese Sätze so unglaublich laut waren, versuchte ich das erste Mal eine Diät zu machen. Um diese Überzeugungen von mir selbst irgendwie in den Griff zu kriegen, statt mir anzuschauen, woher sie kommen und wie ich sie für mich positiv ändern kann.

Essen war mein emotionales Ventil, dass mich diese Szenarien in meinem Kopf vergessen ließ. Meine Diät scheiterte, ich hatte mich nicht unter Kontrolle – und fing an mich heimlich zu erbrechen. Die Bulimie machte meinen Kopf frei. Frei von abwärts strudelnden Gedankenkreisen und negativen Bewertungen.

Verborgen unter dem Gefühl nicht schlank genug zu sein, steckte die unglaubliche Angst vor der Rückkehr nach Deutschland. Dem Gefühl in mein altes Leben zurückzugehen und nicht dazuzugehören. Nicht mehr reinzupassen, nach einem Jahr im Ausland. Festzustellen, dass sich die Welt während meiner Abwesenheit weitergedreht hat, dass sich Freundschaften ohne mich weiterentwickelt haben und ich ganz alleine bin.

Mich plagten Versagensängste, da ich in dem einem Jahr in Mexiko in einem anderen Schulsystem unglaublich viel Lernstoff verpasst habe und mein Ehrgeiz mich antrieb, die verpasste Klasse nicht mehr zu wiederholen, sondern direkt mit der 11. Klasse weiterzumachen.

In der Psychologie bedeutet Selbstwert nichts anderes als die Bewertung, die man sich selber gibt – früher hat man Eigenwert gesagt.
Ich finde Eigenwert eigentlich ganz schön. Weil es dabei auch um den eigenen Wert geht, den man sich selber gibt und nicht nur um die Bewertung.

Eigenwert = mein eigener Wert, sich selbst etwas wert sein.

Wenn ich mir selbst etwas wert bin, dann will ich nicht länger, Dinge und Verhaltensweisen in meinem Leben die mir schaden.
Das ist auch der Grund, warum es mir so geholfen hat, meine Bewertung über mich zu ändern, um die Essstörung loszulassen.

Wenn du dich bewusst mit deinen negativen Glaubenssätzen konfrontierst, sie wahrnimmst, auch anerkennst, dann brauchst du keine Strategie, die dich von Ihnen abschirmt.

Bei mir hat die Essstörung bestimmte Glaubenssätze zwar besonders stark werden lassen, gleichzeitig aber so viel Raum eingenommen, dass ich gar keine Zeit hatte um uns mit meinen größeren, viel tief liegenden Glaubenssätzen zu beschäftigen.

Ich bin nicht schlank genug, ich wiege zu viel, ich bin nicht perfekt.

Bei diesen Glaubenssätzen, sind wir der Meinung, dass wir etwas gegen sie machen können. Dass wir sie kontrollieren können. Das war im Endeffekt das, was mir passiert ist.
Meine Essstörung war eine Art Verdrängung. Sie hat das Gewicht in den Mittelpunkt gerückt. Sie war auch ein Weg mir zu beweisen, dass ich etwas wirklich gut kann. Dass ich die Beste darin bin, Nichts zu essen.

Und obwohl ich meine Essstörung für mich geheilt habe, bin durch diesen Podcast mit vielen meiner alten negativen Glaubenssätzen konfrontiert worden: „Warum sollte mir jemand zuhören? Ich bin nicht gut genug, es muss perfekt sein.“

Wie gesagt, es ist nicht so, dass negative Glaubenssätze von dem einen auf den anderen Tag verschwinden, aber du kannst die Art verändern, wie du ihnen begegnest, wie viel Aufmerksamkeit du ihnen gibst und wie viel Gewicht du ihnen schenkst.

Deswegen möchte ich jetzt gerne einmal meine persönliche Step-by-Step Anleitung mit dir teilen und hoffe, dass du aus diesem Blogbeitrag etwas Wertvolles für dich mitnehmen kannst.

Im ersten Schritt geht es darum herauszufinden, welches deine meist gedachten negativen Glaubenssätze sind. Was denkst du über dich selber? Welchen Wert gibst du dir? Hast du das Gefühl, dass du immer Schuld bist, hast du das Gefühl, dass du nicht gemocht wirst?

Also schreib sie einfach einmal auf. Deine 3 stärksten negativen Glaubenssätze.

Es ist wichtig, dass du sie erstmal an die Oberfläche holst und wahr nimmst, dass du das über dich denkst. Was nicht automatisch bedeutet, dass das stimmt. Es denkt. Was dein Kopf denkt. Ich habe Gedanken. Ich bin nicht meine Gedanken.

Weil es darum geht, dass du dir immer bewusster wirst was in dir passiert. Mir hat Meditation in diesem Prozess unglaublich geholfen, weil meditieren einfach so ein kraftvolles Tool ist, um zu heilen.

Im zweiten Schritt habe ich versucht diese Gedanken bewusst im Alltag wahrzunehmen. In welchen Situationen denke ich so über mich? Wann kommt der innere Mobber und sagt mir, dass ich etwas Bestimmtes nicht kann?

Regelmäßiges Journaling hat bei mir am besten funktioniert. Sich abends fünf Minuten hinzusetzen, kurz noch einmal den Tag durchzugehen und gucken in welchen Momenten ich heute etwas Negatives über mich selbst gedacht habe. Warum habe ich das gedacht?

So kann man den Kreislauf des automatischen Denkens stoppen. Und natürlich geht nicht von heute auf morgen. Aber mit der Zeit erkennt man auch schon kurz nach der Situation: Aha, da war der negative Gedanke über mich selbst. Aha, jetzt habe ich schon wieder das gedacht. Es braucht einfach Zeit, mach dir bitte keinen Stress.

Im dritten Schritt, als ich meine Glaubenssätze für mich erkannt habe, habe ich überlegt, wie ich jeden einzelnen positiv umkehren kann.

Es gibt zahlreiche Methoden, um negative Glaubenssätze umzukehren. Wenn dich das interessiert, dann höre auf jeden Fall mal in den Podcast von Laura Malina Seiler. Sie hat damals das ganze Thema Persönlichkeitsentwicklung bei mir angestoßen und ich finde es einfach unglaublich toll was sie macht und bewegt.

Aber zurück zu meiner Step-by-Step-Anleitung, wie ich meine negativen Glaubenssätze umgekehre.
Dazu habe ich mir meine 3 stärksten Glaubenssätze auf einen Zettel geschrieben und mir für jeden Satz einen positiven Gegensatz gesucht.

  • Ich bin nicht gut genug – ich bin wundervoll
  • Ich muss perfekt sein – ich bin einzigartig
  • Ich kann das nicht – ich habe so viele Fähigkeiten und Talente


Und es kann sein, dass du am Anfang denkst: „Meinen negativen Glaubenssatz kann man nicht umdrehen" Das dachte ich am Anfang auch, aber diese Einstellung zeigt einfach, wie tief dieser Glaubenssatz in dir verankert ist. Du kannst JEDEN Glaubenssatz umdrehen. Wirklich. Oder vielleicht denkst du auch: „Ich bin wundervoll? Das ist zu extrem"
1. Nein ist es nicht, weil das bist du. 2. Braucht es starke positive Umkehrungen um diese tief verankerten Gedanken über und selbst aufzulösen.

Und es geht auch gar nicht darum jetzt krampfhaft und möglichst schnell nach einer Auflösung zu suchen. Gib dir Zeit. Ich habe wirklich ein Spiel daraus gemacht, versucht den Druck herauszunehmen. Ich habe überlegt, was ich einem Kind sagen würde, oder einer Person die ich liebe, wenn sie das über sich selber denkt. Schmeiß den Computer an, suche nach positiven Glaubenssätzen und mache Liste an mit den Sätzen, bei dem du spürst, dass sie etwas in dir bewegen. Und fang an diese Sätze für dich umzukehren.

Etwas unglaublich wichtiges, dass ich gelernt habe ist folgendes: Wenn du diese Sätze umdrehst, dann ist es wichtig, dass du das negativste Wort wirklich streichst. Ein Beispiel, das wir alle kennen: Denke nicht an einen rosa Elefanten. Und Zack, haben wir einen rosa Elefanten im Kopf. Das Wort »NICHT« ist einfach nicht stark genug.

Bei den Glaubenssätzen wäre das zum Beispiel: Ich bin zu dick -> ich bin nicht zu dick. Dann steckt dieses »dick« trotzdem noch im neuen, positiven Glaubenssatz. Daher wäre dann sowas besser wie: Ich bin genau richtig.

Und um diese positiven neuen Glaubenssätze zu verinnerlichen und sie den ganzen Tag bei mir zu haben, habe ich angefangen mich auf unterschiedlichen Wegen daran zu erinnern.

Ich habe eine Erinnerung im Handy gestellt, mit Benachrichtigung auf Bildschirm und jedes Mal wenn ich, auf mein Handy gucke, sehe ich: Ich bin wertvoll. Ich bin liebenswert. Ich bin gut so wie ich bin. Das hat für mich einfach so viel verändert.

Oder aber du kannst auch deine Passwörter zu deinem positiven Glaubenssatz ändern, das habe ich eine Zeit lang gemacht. Jedes Mal, wenn ich meinen Computer angemacht habe, habe ich eingetippt: Ich bin wertvoll. Oder du machst dir Post-Its und klebst sie im Bad oder an den Kühlschrank (die habe ich übrigens auch bei mir an der Arbeit an meinem Computer kleben): Ich bin voller Energie, Ich bin genug.

Last but not least: Es braucht einfach Zeit. Wie lange waren diese negativen Glaubenssätze in dir verankert? Die Positiven werden nicht von heute auf morgen kommen.

Wie gesagt, es ist nicht so, dass negative Glaubenssätze von einem auf den anderen Tag verschwinden, aber du kannst die Art verändern, wie du ihnen begegnest, wie viel Aufmerksamkeit und Gewicht du ihnen gibst. Weil du einfach erkennst, dass da ein negativer Glaubenssatz ist und du ihn dann mit deinem positiven Satz außer Kraft setzen kannst.

Ich habe gemerkt, dass das einfach so viel mit dem Selbstwert macht, dem Eigenwert, wenn du anfängst, diesem inneren Kritiker den Saft abzudrehen und deinen Alltag mit positiven Gedanken flutest.

Und wenn du dich mit deinen negativen Glaubenssätzen auseinandersetzt und sie step by step für dich auflöst, dann kannst du auch ein Stück der Essstörung loslassen, weil du sie nicht mehr brauchst um diesen inneren Kritiker irgendwie unter Kontrolle zu bringen.

Ich hoffe, dass dieser Beitrag dir gefallen hat und du vielleicht schon jetzt erkannt hast, wo der eine oder andere Glaubenssatz steckt.

Ich freue mich natürlich sehr, wenn du diesen Blogbeitrag mit anderen Menschen teilst und du mir auf Instagram oder hier auf meiner Website über das Kontaktformular deine Erkenntnisse schreibst.

Bis dahin: Du bist auf dem richtigen Weg.
Alles Liebe deine Oona

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