#08 Interview Part 2 - Gefühle und Bedürfnisse: Warum der Blick nach Innen der Schlüssel auf deinem Heilungsweg ist

Heute wartet hier auf dich der zweite Teil des wunderbaren Interviews mit Yvonne. Wenn du den ersten Teil noch nicht gehört hast, dann empfehle ich dir das jetzt zu machen.

 

Nicht nur, weil die beiden Teile auf einander aufbauen, sondern auch, weil die erste Hälfte des Interviews einfach so viele gute Gedankenanstöße und Erkenntnisse liefert, die du auf keinen Fall verpassen solltest.

 

Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir darüber, welche Rolle Yoga im Heilungsprozess spielt. Wie du vielleicht weißt mache ich selber schon seit einiger Zeit Yoga, deswegen freue ich mich umso mehr, dass wir heute darüber reden, wie Yoga dich dabei unterstützen kann deine Essstörung zu heilen.

 

Außerdem erfährst du, wie du es schaffst besser mit einem negativen Körpergefühl umzugehen und welche Tipps wirklich helfen, wenn du dich in deinem Körper unwohl fühlst.

 

Heute geht es um Emotionen. Und vor allem darum, wie man auch mit schlechten Gefühlen wie Wut, Angst oder Trauer wieder in Kontakt kommen kann. Weil Emotionen einfach eine so große Rolle auf deinem Heilungsweg spielen und es unglaublich wichtig ist sich mit diesem Anteil in dir selbst auseinanderzusetzen.

 

Und last but not least sprechen wir über Persönlichkeitsentwicklung und wie dir der Blick nach Innen dabei helfen kann, deine Essstörung loszulassen. Der Schritt sich mit mir selber und vor allem meinem inneren Kind und meinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen hat bei mir einfach so unglaublich viel verändert.

 

Wie bist du zum Yoga gekommen?

 

Yvonne erzählt mir, dass ihre Geschichte mit Yoga quasi durch einen Zufall begann. Auch, wenn Sie nicht an Zufälle glaubt. Zunächst hat sie sich über den Yogakurs in ihrem Sportstudio lustig gemacht.

 

Bis sie sich dazu entschied, selber eine Stunde zu besuchen, um zumindest eine Grundlage zu haben über die sie sich lustig machen kann.

Zu Beginn war Yoga einfach nur eine andere Art von Sport. In erster Linie ein Ausgleich zum Fitnessstudio um Beweglichkeit und Gelenkigkeit zu fördern. Yvonne sagt mir, dass sie zu diesem Zeitpunkt den Yogagedanken noch nicht wirklich verstanden hat und es ihr schwergefallen ist einen Zugang zur Philosophie des Yoga zu bekommen.

 

Auch wenn Yoga zu diesem Zeitpunkt nur ein körperlicher Aspekt war, hat es ihr gutgetan, ohne, dass sie genau wusste warum. Sie erzählt mir, dass Yoga ihr immer mal wieder auf ihrem Lebensweg begegnet ist, während ihrer Sportsucht, in der Klinik und auch in der sehr schlimmen Zeit der Essstörung.

 

Allerdings, erzählt Yvonne mir, hat sie Yoga damals stark instrumentalisiert. Die Yogastunden mussten möglichst anstrengend und intensiv sein. Mit Atmen oder Entspannung hatte Yoga für sie in dieser Phase ihres Lebens nicht viel zu tun.

Trotzdem ist sie immer wieder hingegangen, weil sie gemerkt hat, dass es ihrem Geist guttut, und dass ihr Kopf zur Ruhe kommt.

 

„Im Shavasana (Schlussentspannung) musste ich auf einmal so weinen und ich wusste gar nicht warum, da habe ich das erste Mal gespürt, dass es doch um mehr geht.“

 

Yvonne sagt mir, dass sie erkannt hat, dass es nicht nur darum geht sich körperlich auszupowern. Sondern, dass Yoga sie vor allem darin unterstützt hat ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen.

 

Dass höher, schneller, weiter nicht immer das Ziel sein kann, sondern, dass es auch darum seine eigenen Grenzen wahrzunehmen. Es ist wichtig, dass man ab und zu allen Mut zusammen nimmt und über seinen Schatten springt, aber noch viel wichtiger ist es wahrzunehmen, wo man sich eine Pause gönnen sollte.

 

Beim Yoga kann man viel von der Matte mit ins Leben mitnehmen. Denn Yoga ist so viel mehr als die 90 Minuten auf deiner Matte. Es geht darum wirklich in dich hinein zu spüren und dich zu fragen: Was braucht mein Körper wirklich?

Nicht jeder Tag ist gleich. Es geht nicht darum besser zu sein als jemand anders, sondern es geht darum, dass es dir und deinem Körper gut geht.

 

Yoga ist Atmen und Bewegung in Verbindung zu bringen. Du musst nicht gelenkig sein, um Yoga zu machen. Denn Yoga ist Atmen. Wer atmen kann, kann auch Yoga.

 

Wie bist du mit Vergleichen beim Yoga umgegangen?

 

Yvonne sagt, dass Yoga ihr geholfen hat, sich weniger mit anderen zu vergleichen. Es ist allerdings so, dass wenn du dich im Alltag viel mit anderen vergleichst, wahrscheinlich auch beim Yoga nach links und rechts gucken wirst. Dann geht es in erster Linie darum sich immer wieder zu erinnern, was dir eigentlich guttut und wahrzunehmen, ob man vielleicht grade eine Pause braucht.

 

Wenn du das Gefühl hast von deinem Körper getrennt zu sein, ist Yoga ein super Weg um sich wieder zu verbinden.

Yoga holt den ganzen Bullshit, den man in sich verschlossen hat, wieder an die Oberfläche, erzählt Yvonne. Sie sagt, dass es für sie wichtig war durch diesen Prozess durchzugehen, denn dann kann Yoga dich reinigen und voranbringen.

 

Es geht darum vom Kopf zurück ins Herz zu kommen und deine Stimme wahrzunehmen, die in jedem von uns wohnt. Ihr zuzuhören und entsprechend zu handeln, auch wenn das vielleicht bedeutet sich einfach zu entspannen und nichts zu tun.

 

Es gibt Yogaformen, wie zum Beispiel Yin Yoga, bei denen man sehr lange in einer bestimmten Haltung bleibt. Wenn Loslassen ein Problem ist, dann kann Yin Yoga zunächst dafür sorgen, dass du vielleicht unruhig oder aggressiv wirst. Und das ist völlig okay, denn wenn du nicht loslassen kannst, wenn du dich nicht auf etwas einlassen kannst, dann macht es sich aggressiv. Aber je mehr man sich im Loslassen übt, desto einfacher wird es.

 

Wie hat Yoga die Beziehung zu deinem Körper verändert?

 

Yvonne erzählt mir, dass Yoga ihr geholfen hat ihren Körper, als Geschenk zu sehen und mehr Wertschätzung für ihn zu empfinden. Auf einer spirituellen Ebene sind wir alle Seelen, die hier auf der Erde eine menschliche Erfahrung machen. Und diese Erfahrung machen wir in erster Linie durch unseren Körper. Dieser Körper ist das Instrument, welches uns erlaubt hier zu sein. Wie kontraproduktiv ist es, diesen Körper schlecht zu behandeln?

 

Er ist das einzige was wir haben, er ist das, was es uns jeden Tag erleben lässt. Daher sollte es die oberste Priorität sein, sich selbst Gutes zu tun.

Unser Körper arbeitet jeden Tag 24 Stunden für uns. Dafür, dass wir am Leben bleiben. Unser Herz schlägt. Unsere Lunge atmet ein und aus. Unsere Finger bewegen sich, wenn wir schreiben. All das ist für uns selbstverständlich.

 

Yoga hilft dabei, die Stille im Kopf wahrzunehmen und auch mal auszuhalten. Diesen Moment auf der Matte zu nutzen, um dieses Wunder wahrzunehmen. Um all das wahrzunehmen, was unser Körper tut.

 

Beim Yoga geht es darum mit dem Körper zu arbeiten und nicht gegen ihn. Yoga bedeutet in den Körper spüren. Dein Körper ist dein Freund.

 

Wie gehst du mit einem schlechten Körpergefühl im Alltag um?

 

Bevor man sich traut, den ersten Schritt Richtung Heilung zu gehen, hat man die Vorstellung, dass es ab dem Zeitpunkt der Heilung keine Tage mehr gibt, an denen man sich in seinem Körper unwohl fühlt. Das stimmt nur bedingt. Denn auch Frauen, wie Yvonne und ich, die unsere Essstörung geheilt haben, fühlen uns manchmal dick oder schwammig.

 

Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nicht geheilt sind. Man kann die Essstörung heilen und trotzdem ab und zu ein schlechtes Körpergefühl haben.

 

Und das ist okay. Denn in erster Linie geht es nicht darum alle negativen Gefühle für immer zu verbannen, sondern vielmehr auch diese Tage anzunehmen. Dieses schlechte Körpergefühl zu akzeptieren und zu gucken: "Was kann ich tun, damit es mir besser geht?

Ein schlechter Tag bedeutet nicht, dass man wieder in der Essstörung ist.

 

Auch ein schlechter Tag geht wieder vorbei. Yvonne sagt mir, dass es für sie ganz wichtig ist, sich an diesen Tagen Zeit für sich selbst zu nehmen. Ein Buch zu lesen, einen Spaziergang zu machen oder zu einer trashigen 90-iger Playlist verrückt zu tanzen. Oft hilft Yoga ihr sich wieder mit ihrem Körper zu verbinden und den Fokus von Außen nach Innen zu richten.

 

„Was brauche ich eigentlich wirklich? Womit geht es mir gut?  I googled my symptoms turns out i just need to go to yoga."

 

Es geht nicht darum, dass wir alle Yoga machen müssen. Sondern, dass wir in erster Linie herausfinden, welche Dinge oder Aktivitäten uns guttun. Das bedeutet auch auszuprobieren und neugierig zu sein.

 

Hast du einen ultimativen Tipp um sich selbst mit seinem Körper besser zu fühlen?

 

Ich glaube, es ist wichtig sich die Tipps zu überlegen, bevor es einem schlecht geht, sagt Yvonne. Zum Beispiel in Form einer Notfallliste. Also eine Sammlung von Aktivitäten oder Dingen, die einem selbst guttun.

Denn besonders in Situationen, in denen es einem nicht gut geht, fällt es oftmals umso schwerer auf eine schnelle Lösung zu kommen, die hilft.

 

Dinge, die du auf eine Notfallliste schreiben kannst (Beispiele)

  • Yoga machen
  • Einen guten Freund / eine gute Freundin anrufen
  • spazieren gehen
  • Lesen oder im Journal schreiben
  • In die Badewanne gehen
  • Ein Hörbuch im Bett hören
  • Musik aufdrehen und tanzen
  • Zeit mit Tieren (z.B. deinem Haustier) verbringen
  • Sich selbst eine Massage geben
  • Den Lieblingstee trinken
  • Einfach in der Natur sein

Yvonne erzählt, dass besonders Bewegung (nicht exzessiv) ihr geholfen hat von ihrem Kopf und ihren Gedanken zurück in den Körper zu kommen.

 

Damit die Notfallliste auch wirklich funktioniert ist es wichtig, nicht lange nachzudenken, sondern einfach anzufangen. Je schneller man anfängt, desto schneller schafft man den ersten Schritt aus dem emotionalen Tief.

 

Wie würdest du Persönlichkeitsentwicklung beschreiben? Wie stehen die Heilung deiner Essstörung und Persönlichkeitsentwicklung im Zusammenhang?

 

Persönlichkeitsentwicklung, sagt Yvonne, bedeutet für sie, sich mit sich selbst zu beschäftigen und nicht immer nur nach Antworten im Außen zu suchen. Die eigene Persönlichkeit zu entwickeln, bedeutet sich selber kennenzulernen. Sich zu fragen: „Was möchte ich vom Leben? Aber vor allem was möchte ich von mir?“

Persönlichkeitsentwicklung ist der Schritt nach innen zu horchen und dann aktiv loszugehen und etwas zu verändern. Oder die Sachen zu erschaffen, die man im Leben haben möchte.

 

Yvonne erzählt mir, dass sie einen großen Unterschied zwischen Therapie und Persönlichkeitsentwicklung wahrgenommen hat. Denn Persönlichkeitsentwicklung bedeutet die Opferhaltung zu verlassen. Die negativen Gedanken im eigenen Kopf wahrzunehmen, anzuerkennen und sich selbst mit positiven Gedanken zu stärken.

 

Seine eigene Persönlichkeit kennenzulernen heißt auch Verantwortung zu übernehmen. Eigenverantwortung für das, was in deinem Leben passiert. Und dazu zählt auch die Essstörung.

„Ich habe die Verantwortung für meine Gesundheit und meinen Heilungsweg“, sagt Yvonne. Die Entscheidung für die Heilung der Essstörung kann nur aus dir kommen.

 

Durch Persönlichkeitsentwicklung kannst du erkennen, dass du zwar nicht Schuld bist, aber Verantwortung für dein Leben und deinen Körper hast. Und wenn du Verantwortung hast, dann kannst du diese Situation beeinflussen.

 

Besonders mit einer Essstörung fühlt man sich der Krankheit oft ausgeliefert und hat das Gefühl machtlos zu sein.

 

„Persönlichkeitsentwicklung nimmt dir diese Hilflosigkeit und gibt dir Gestaltungs- und Entscheidungskraft.“

 

Der Weg sich mit sich selber zu beschäftigen lässt dich erkennen, dass das nur dein Leben ist. Und, dass du die Möglichkeit hast für deine Träume loszugehen und etwas zu verändern.

 

Yvonne erzählt, dass Persönlichkeitsentwicklung ihr gezeigt hat, dass sie an sich glauben und sich vor allem vertrauen kann.

„Ich glaube an mich. Wenn du nicht an dich selber glaubst, wer denn dann?“

 

Gedanken erschaffen unsere Realität. Du kannst dir dein zweites Leben ohne die Essstörung vorstellen. Einer der stärksten positiven Glaubenssätze dass es wichtig ist, sich dieses zweite Leben vorzustellen. Sich selbst zu fragen: „Wie soll mein Leben aussehen? Was möchte ich erschaffen?“

„Das Leben ist für dich.“

 

Dieser Satz, war einer der stärksten positiven Glaubenssätze auf dem Heilungsweg. Weil man mit dieser Einstellung das Gefühl hat, dass das Leben nicht gegen einen, sondern mit einem arbeitet. Dieser Satz ermöglicht es sich selbst zu vertrauen und mit diesem Vertrauen auch in die Zukunft zu gehen. Dem Leben wieder mehr zu vertrauen.

 

„Es geht nicht darum immer alles zu verstehen. Denn manchmal brauchen wir diese tiefen Täler, damit etwas Neues wachsen kann.“

 

Yvonne erzählt, dass alle ihre Krisen und Tiefpunkte rückblickend zu den besten Dingen zählen, die ihr passiert sind, weil sie dadurch wachsen konnte und gestärkt daraus hervorgegangen ist.

 

Weil solche Ereignisse uns prägen und dafür sorgen, dass wir uns mit dem auseinandersetzen, was wir sind. Wie wir sind oder wie wir glauben zu sein. Dass wir uns neu kennenlernen und uns mit unseren Werten und Erwartungen beschäftigen.

„Ohne meine Essstörung wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin“, sagt Yvonne.

 

Was ist das innere Kind und warum ist es so wichtig, sich auf seinem Heilungsweg damit zu beschäftigen?

 

Das innere Kind ist der Persönlichkeitsanteil in uns, der alles aufgenommen hat, als wir klein waren. Dieses Kind in uns, das nie erwachsen wird und alle Erfahrungen und Verletzungen aus unserer Vergangenheit gespeichert hat.

 

Auch wenn wir es vielleicht nicht glauben, steckt dieses innere Kind voller Wissen darüber, wer wir sind und warum wir so ticken wie wir ticken.

Yvonne erzählt, dass die Arbeit mit dem inneren Kind ihr dabei geholfen hat, die Verbindung zu sich selbst aufzubauen. Negative Glaubenssätze, Ängste, all das kommt zu einem gewissen Teil aus unserem inneren Kind.

 

Kinder sagen relativ deutlich und fast immer die Wahrheit. In erster Linie geht es bei der Arbeit mit dem inneren Kind nicht darum, etwas Bestimmtes zu tun. Sondern sich einfach erst einmal zuzuhören.

 

„Was brauche ich eigentlich gerade? Tut mir das gerade gut?“ Unser inneres Kind hat oft eine ziemlich klare Meinung über das was wir tun oder tun sollten. Wir müssen nur anfangen ihm zuzuhören.

 

So wie jedes reale Kind hat auch unser inneres Kind ein starkes Schutzbedürfnis. Oft will es einfach nur auf den Arm genommen werden. Denn es ist der verletzliche Anteil in uns.

Der Anteil, der einfach lieb gehabt werden möchte. Denn wir alle haben das. Dieses Bedürfnis von Liebe und Sicherheit.

Und um diesen Anteil zu heilen, ist es wichtig hinzuhören.

 

Geliebt werden fängt immer bei dir selber an. Wer ist der Mensch, der immer bei dir ist und der dich am ehesten in den Arm nehmen kann? Das bist du selber. Und auch wenn es vielleicht komisch klingt, aber sich selbst zu umarmen und sich diesen Schutz und diese Zuneigung zu geben verändert einfach sehr viel.

 

„Du kannst dein Glück nicht von anderen abhängig machen.“

 

Dieses Bedürfnis nach Geborgenheit und Schutz kann dir niemand im Außen geben. Nur du selbst hast die Möglichkeit dazu.

Dafür müssen wir anfangen den Blick nach innen zu richten und sich zu fragen: „Was ist da eigentlich los?“

 

Yvonne sagt, dass es bei dem inneren Kind auch darum geht, sich selbst zu erlauben auch mal schwach zu sein und Hilfe anzunehmen. Wieder in Kontakt zu treten mit seinen eigenen Emotionen.

 

Wie bist du wieder mit deinen Emotionen in Kontakt gekommen?

 

Yvonne erzählt, dass sie sich ganz bewusst mit den schwierigen Emotionen auseinandergesetzt hat. Sich immer wieder selbst gefragt hat: „Wie fühlt sich denn das Gefühl an? Wie fühlt sich Wut an?

Und sich im Alltag immer stärker bewusst zu werden, wenn sich eine dieser Emotionen seinen Weg an die Oberfläche bahnt. Wut wahrzunehmen. „Welches Gefühl hast du jetzt in dieser Situation?

 

Am wichtigsten ist es, sagt Yvonne, Gefühle nicht zu bewerten. Es ist okay, dass ich wütend bin. Ich darf das fühlen. Denn angestaute Emotionen machen krank. Aber in dem Moment, wo wir uns erlauben sie zuzulassen, sind sie plötzlich gar nicht mehr so groß und überwältigend.

 

Das kann besonders, wenn man lange mit einer Essstörung gelebt hat, sehr schwierig sein. Denn die Essstörung legt auf die meisten Gefühle einen schweren Schleier, sodass man sie nicht spürt. Denn dieses Nicht Spüren ist ja auch eine Art Zweck der Essstörung.

Am Anfang macht es vielleicht Angst mit diesen unbekannten und überwiegend unangenehmen Gefühlen in Kontakt zu treten aber auch diese Gefühle dürfen da sein.

 

Nur wenn wir die komplette Bandbreite an Gefühlen abspielen, können wir auch die Positiven als solche wahrnehmen. „Wie fühlt sich glücklich sein an?

 

Was würdest du deinem jüngeren Ich, das damals in der Essstörung gesteckt hat, mitgeben?

 

„Hol dir Hilfe. Ich würde ihr sagen, dass sie es nicht alleine schaffen muss. Es ist okay Hilfe anzunehmen. Und dass sie trotzdem liebenswert ist, dass es gar nicht mit ihrem Wert zu tun hat. Ich bin nicht meine Essstörung oder mein Körper. Ich bin ja so viel mehr.“

 

Ich hoffe sehr, dass dir der zweite Teil des Interviews genauso gut gefallen hat wie mir. Ich bin der Meinung, dass besonders dieser Schritt sich mit den eigenen Gefühlen und dieser inneren Welt in uns auseinanderzusetzen einfach so, so wichtig ist, wenn es um die Heilung der Essstörung geht. Und dieses Interview zeigt auch: Du bist nicht alleine. Heilung ist möglich! Ich freue mich, wenn du deine Erkenntnisse aus der heutigen Podcastfolge mit mir teilst. Entweder auf meinem Instagramprofil @oonamaste unter dem heutigen Post, oder in einer Nachricht über meine Website.

 

Und jetzt schicke ich dir eine große Umarmung und sage dir: Du bist auf dem richtigen Weg.

 

Alles Liebe,

deine Oona

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