#10 Die Angst vor Kohlenhydraten, Zucker und Fett - Warum du deine Verbote auflösen darfst

Heute wartet hier eine Podcastfolge auf dich, für die über 60%  auf Instagram abgestimmt haben. Und zwar geht es heute darum, die wie man es schaffen kann,  die Angst vor bestimmten Lebensmitteln oder Nährstoffen zu verlieren.

 

Zum Beispiel die Angst vor Pasta und Kohlenhydraten oder Fett. Ich möchte dir heute einfach ein paar Gedankenanstöße mit auf den Weg geben und dir erzählen, wie ich es geschafft habe, diese irrationale Angst loszulassen, sodass ich mittlerweile alle Lebensmittel essen kann, ohne dass ich darüber nachdenke, ob ich vielleicht deswegen zunehme.

Ich bin zwar hier in Spanien noch nicht wirklich in Weihnachtsstimmung, aber ich glaube, dass das heutige Thema auch zu dieser Jahreszeit ziemlich gut passt. Weil es besonders vor und an Weihnachten so viele Lebensmittel gibt, die ich mir lange Zeit verboten habe.

Ich dachte irgendwann das bleibt jetzt so. Das bin jetzt ich. Oona die keine Nudeln isst. Oona die keine Pizza isst. Für immer.

Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich diese Angst irgendwann nicht mehr habe. Dass ich aufhöre mich bei diesen Lebensmitteln zu überfressen. Dass ich ganz normal eine Portion Pasta bestellen kann ohne, dass sich meine Essstörung meldet.

Wie ist das eigentlich, wenn man einfach das bestellt worauf man Lust hat? Wie ist das eigentlich, wenn man sich nach dem Essen keine Gedanken macht?

So jetzt kommt der große Spoiler vorweg: Es geht! Und es ist gut. Es fühlt sich gut an. Kein Hochgefühl, weil es sich normal anfühlt. Weil diese Lebensmittel die Bedeutung verlieren, die du ihnen mal gegeben hast. Es ist einfach nur ein schönes Essen. Ein Lebensmittel.

Für mich bestand die Angst vor bestimmten Lebensmitteln während meiner Essstörung aus zwei Kernängsten:

  • Die Angst durch diese Lebensmittel nur bei einem Bissen extrem zuzunehmen
  • Die Angst die Kontrolle zu verlieren, wenn ich diese angstbesetzten Lebensmittel esse und unglaublich dick zu werden.

Diese Ängste sind miteinander verknüpft. Wenn ich so unfassbare Angst habe, zuzunehmen, dann versuche ich mit aller Kraft diese Lebensmittel zu vermeiden. Und wenn ich sie mit aller Kraft versuche zu vermeiden, kann es sein, dass ich so unfassbaren Heißhunger danach bekomme, dass ich wenn ich sie mal esse, einen Essanfall habe und nicht mehr aufhören kann. Und dadurch wächst die Angst.

Ich habe damals Kohlenhydrate in Form von Nudeln, Brot oder Pizza komplett gestrichen. Selbst Bananen wegen dem Zucker und den KH.


Ich hatte so Angst vor Brot und von Brot dick zu werden, dass ich es immer bewusst vermieden habe. Nudeln, genauso. Ich habe mir beim Essen im Restaurant nicht mal ansatzweise die Hauptgerichte angeschaut, sondern aus Prinzip immer nur einen Salat gegessen.

Wenn ich dann mal doch nachgegeben habe, um mir etwas zu gönnen, oder weil ich einfach keine Kraft mehr hatte mir die Kohlenhydrate zu verbieten, habe ich mich immer überfressen. Ich habe fast immer zu viel gegessen und mich anschließend einfach so unfassbar schlecht gefühlt. Weil mein Körper und meine Seele diese Kohlenhydrate gebraucht haben und deswegen konnte ich auch nicht aufhören. Und dann kam die Essstörung wieder und hat gesagt: Siehst du, hättest du das besser mal weggelassen.

Und das Erschreckende ist, dass ich diese Angst vor Kohlenhydraten auch nach der schlimmen Phase meiner Essstörung sehr lange mit mir herumgetragen habe.

 

Als ich in meiner Fitnessphase war, habe ich mich streng low-carb ernährt. Alles, was Kohlenhydrate enthalten hat, war für mich absolut tabu.

Die Angst vor der Banane kommt übrigens aus dieser Zeit. Und ich habe mir eingeredet, dass das okay ist. Dass ich mich gesund ernähre und einfach keine Pasta essen will. Das ist natürlich Bullshit. Aber ich habe mir das selber so lange erzählt, dass ich irgendwann dachte, dass es stimmt. Dass diese Oona einfach keine Pasta isst und ihr Leben lang auf Kohlenhydrate und Zucker verzichtet.

Um die Angst vor etwas zu verlieren, müssen wir zuerst verstehen, woher sie kommt.
Woher kommt also diese irrationale Angst vor einem bestimmten Lebensmittel? Oder vor einem bestimmten Nährstoff.

Und irrational deswegen, weil es einige Lebensmittel gab, die für mich vollkommen okay waren. Milch zum Beispiel. Ich habe mich kurz vor dem Wendepunkt meiner Essstörung fast ausschließlich von Milch ernährt. Mehrere Liter am Tag. Und danach hatte ich kein schlechtes Gewissen. Weil das für mich aus welchem tiefenpsychologischen Grund auch immer, ein sicheres Lebensmittel war.

Ich glaube, dass ich die Angst vor Kohlenhydraten irgendwie unbewusst über einen längeren Zeitraum entwickelt habe. Vielleicht durch die Medien, vielleicht durch irgendwelche Diätregeln, die vorschreiben, dass KH böse sind. Und die ich unbewusst aufgeschnappt habe. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht ganz genau.

Aber um zu erkennen, wie irrational diese Angst ist, kann es helfen sich an einen Moment zu erinnern, als dieses Lebensmittel einfach nur ein Lebensmittel war. Keine Angabe von Kalorien, Zucker oder Fett.

  • Erinnere dich wie du vor der Essstörung mit diesem Lebensmittel umgegangen bist? Gibt es einen Moment oder eine Situation, an die du dich erinnerst, wo du ein neutrales Verhältnis zu diesem Lebensmittel hattest?

Ich habe einige solche Momente. Vor meinem Auslandsjahr in Mexico habe ich null auf Kalorien oder Nährwertangaben geachtet. Ich habe immer relativ ausgewogen gegessen, aber nicht mit Absicht. Aber ich habe regelmäßig Kohlenhydrate gegessen, ich habe Pasta geliebt. Wenn es bei mir nach der Schule Pasta gab, war mein Tag einfach immer so viel besser.

Ich erinnere mich an eine Situation in der ich mir in der Mittagspause bei Penny eine ganze Packung CINI MINIS gekauft habe und sie aus der Packung komplett aufgegessen habe. Nicht auf einmal und es steht auch außer Frage, dass das langfristig gesund ist, aber ich habe mir danach keine Gedanken gemacht.

 

Ich habe nicht überlegt, wie viel Zucker oder Kohlenhydrate da drin sind. Ich hatte einfach nur Bock auf CINI MINIS. Und das ist ja der Punkt wo ich hinwollte. Wo du wahrscheinlich auch hinwillst.

Dass du Pasta bestellst oder eine Pizza, weil du Bock darauf hast. Weil du einfach Lust darauf hast und nicht überlegst, welches jetzt die kalorienärmere Variante ist. So wie früher.

Und das beweist einfach, dass diese Angst irrational ist. Weil es eine Zeit gab vor dieser Angst. Auch, wenn du dich vielleicht jetzt nicht daran erinnerst. Aber es gab definitiv einen Zeitpunkt wo diese Angst oder diese Ablehnung nicht da war.

Und es muss nicht gleich das Doppelt belegte Käsebrot oder Wurstbrot mit Butter sein. Oder die Pasta mit Sahnesoße.

Ich bin ehrlich gesagt kein Fan von dieser Hau-Ruck Methode. Alles oder gar nichts. Ich habe das zweimal ausprobiert und es hat mich in meinem Heilungsprozess unglaublich zurückgeworfen, weil da so viele unterschiedliche Lebensmittel waren, vor denen ich Angst hatte, dass ich am Ende einfach aufgegeben habe.

Wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung. Ich möchte hier niemandem sagen, du musst das oder das machen. Das kann ich auch nicht. Ich erzähle hier ausschließlich von mir und meinen Erfahrungen.

Und die Erfahrung, die ich gemacht habe, war, dass es mir geholfen hat mich Schritt für Schritt an die Lebensmittel heranzutasten. Um die Angst vor diesen Lebensmitteln zu verlieren ist es wichtig, dass du dir einen Plan machst.

Für mich waren große Schritte teilweise unglaublich überwältigend. Ich habe mit kleinen Steps angefangen der Angst Stück für Stück zu begegnen. Es geht nicht darum wie schnell du ankommst. Nur darum, dass du irgendwann ankommst.

Bei mir haben belegte Brötchen vom Bäcker immer eine wahnsinnige Angst ausgelöst. Genauso wie Nudeln.

Also habe ich mich langsam herangetastet. Ich erinnere mich wie ich damals zum Bäcker gegangen bin und mein erstes Vollkornbrötchen gekauft habe. Blanco, einfach so ohne nichts. Und mein Gott. Dieses Vollkornbrötchen war so verdammt gut.

Jemand der keine Essstörung hat oder hatte, kann sich das gar nicht vorstellen. Ein trockenes Brötchen. Aber ich habe das so unfassbar gefeiert. Gleichzeitig konnte ich mit den Gewissensbissen besser umgehen, weil es ja keine Laugenstange mit Butter und Schinken war, sondern ein Vollkornbrötchen.

Ich habe es mir wirklich zur Aufgabe gemacht. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich gesagt habe: Okay, ich gehe drei Mal die Woche zum Bäcker und kaufe mir da was. Aber Fakt war, dass ich versucht habe 3 Mal die Woche zum Bäcker zu gehen und mir was zu kaufen. Das war mein Plan.

Und die Gefahr dabei ist, dass man sich daran gewöhnt. Dass man dann nur noch dieses Vollkornbrötchen essen kann. Dass man nur noch zu diesem Bäcker gehen kann. Dass man sich ein neues sicheres Lebensmittel schafft, dass man essen kann. Und sich darauf ausruht.

Und ich habe die Kurve erst gekriegt, als ich angefangen habe mir unterschiedliche Brötchen und Bäcker auszusuchen. Weil ich gemerkt habe, dass dieses trockene Brötchen mein neues Safe Food wurde. Und ich musste mich wirklich überwinden ein anderes Brötchen zu nehmen. Dann habe ich angefangen verschiedene unbelegte Brötchen zu essen. Mit Mohn oder Sesam, irgendwann mal eine Laugenstange. Die Brötchen waren sozusagen immer aus einer Kategorie.

Und damit man nicht auf diesem ersten Schritt hängen bleibt, ist es wichtig, sich einen Plan zu machen. Wie lange bleibe ich auf dieser ersten Stufe? Wie lange esse ich nur die Pasta bis ich die Soße dazu nehmen kann? Wie lange esse ich dieses Brötchen bis ich bereit dazu bin eins mit Frischkäse oder Butter zu essen?

Ich glaube, es ist hierbei unheimlich wichtig auf sein Gefühl zu hören. Zu gucken, wie sich deine Beziehung zu diesem Lebensmittel verändert. Und das ist gar nicht so leicht. Weil da zum einen die Gedanken der Essstörung sind, die schreien: Stop. Wir bleiben hier. Wir können das Brötchen nur schwer akzeptieren, aber wenn wir hier bleiben ist es sicher.

 

Und dann dagegen zu pushen. Diese eigene Motivation weiterzugehen, immer wieder neu zu suchen. Sich immer wieder zu motivieren jetzt nicht stehenzubleiben.

Und auch hier: Wenn es mal einen Tag nicht klappt, setz dich bitte nicht unter Druck. Es ist okay, dass das passiert ist. Es ist okay, wenn du es nicht geschafft hast, weil deine Essstörung so laut war. Es ist okay, wenn du dich danach schlecht fühlst und bereust es gemacht zu haben. Es ist auch okay, wenn du deiner Meinung nach zu viel gegessen hast.

Aber es ist so wichtig, dass du danach weitermachst. Dass du sagst: Ich vergebe mir dass, das jetzt passiert ist. Ich vergebe mir, dass ich heute versucht habe insgesamt weniger zu essen, weil ich wusste, dass ich am Nachmittag noch ein Brötchen essen werde. Ich vergebe mir, dass ich es nicht geschafft habe.

Weil du diese Situation dann loslassen kannst.

Und es geht bei diesem ,Step-by-Step Plan auch gar nicht darum, dir genau aufzuschreiben, wann du was wo essen wirst. Sondern darum, dass du dir selber dreimal pro Woche diese Aufgabe gibst. Dich dieser Herausforderung stellst. Nicht siebenmal, sondern einfach nur dreimal.

Einfach dranbleiben. Und irgendwann merkst du, dass es leichter wird. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann ich das erste Mal Nudeln gegessen habe, ohne darüber nachzudenken, dass das ja Kohlenhydrate sind. Und, dass ich ja sonst immer einen Salat gegessen habe.

Warum? Weil es die Bedeutung verliert. Auch wenn du jetzt so unglaublichen Heißhunger auf Pasta, Brot oder Fett hast und dich gleichzeitig davor fürchtest. Es verliert irgendwann die Bedeutung. Wenn du dir erlaubst diesen Weg zu gehen. Wenn du dich selber fragst: Vor welchen Lebensmitteln habe ich immer noch Angst? Welche Lebensmittel kann ich immer noch nicht erlauben, ohne danach ein schlechtes Gewissen zu haben?

Und um die Angst vor einem Lebensmittel oder Nährstoff zu verlieren, war es für mich ganz wichtig, sich auf einer neutralen Ebene damit auseinander zu setzen.

Wie arbeitet mein Körper eigentlich?
Unser Körper ist keine Maschine. Es gibt Tage da brauchen wir weniger, es gibt Tage da brauchen wir mehr. An einigen Tagen habe ich ein unfassbares Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln. Nach Pizza, nach Pasta. Vielleicht nach Süßigkeiten. Und das ist okay. Ich bin absolut kein Fan davon sich täglich eine bestimmte Kalorienanzahl festzusetzen, die man erreichen muss.  Es geht darum die Verbindung zu deiner Intuition wieder herzustellen. Wahrzunehmen: Was brauche ich heute? Worauf habe ich gerade Heißhunger? Habe ich wirklich ein Hungergefühl oder nur Appetit? Und auch das ist völlig okay. Wirklich zu spüren und wieder in den Kontakt mit sich selber zu kommen.

Und es geht nicht darum irgendetwas nach Außen zu beweisen. Sondern um dich. Dass du diese Ängste loslassen kannst. Dass du diese Blockade in deinem Kopf lösen kannst.

Und ich kann dir noch so oft sagen, dass du nicht zunimmst, wenn du einen Teller Pasta isst. Aber diese irrationale Angst wird das nicht verstehen. Deswegen ist es so wichtig, dass du sagst: Ich habe diese Angst, aber ich mache es trotzdem. Ich versuche es einfach. Und wenn ich es heute nicht schaffe, dann vielleicht morgen. Nimm den Druck raus. Nimm die Erwartungen raus.

Du hast es verdient, alles essen zu können. Und das kannst du dir auch immer wieder selber sagen. Du hast es verdammt nochmal verdient ein Leben, ohne Verbote zu führen. Also geh' los und iss dieses Brötchen, diesen Teller Pasta, diese Pizza oder Schokolade.

Ich hoffe, dass dir diese Podcastfolge gefallen hat, dass sie dir vielleicht den einen oder anderen Gedankenanstoß gegeben hat. Und ich wünsche dir jetzt auf jeden Fall wundervolle Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr.

Du kannst so stolz auf dich sein was du in den letzten 12 Monaten alles geschafft hast.
Wir hören uns wieder am 05. Januar 2020 – bis dahin sage ich dir:

Du bist auf dem richtigen Weg!

Alles Liebe, deine Oona

Kommentar schreiben

Kommentare: 0