#11 Motivationsfolge für deine Heilung der Essstörung in 2020 (if you're waiting for a sign, this is it)

Herzlich willkommen zu der ersten Podcastfolge im neuen Jahr. Ich hoffe, du hattest ein wunderbares Weihnachtsfest.

Und ich dachte, dass ich dir zum Jahresanfang eine kleine Motivationsfolge mit auf den Weg gebe. Eine Motivationsfolge für die Heilung deiner Essstörung.

Weil 2020 das Jahr ist, in dem du anfangen kannst. Dieses Jahr, dieser Tag, heute ist der Tag, an dem du neu anfangen kannst.

Du bist nicht gefangen in dieser Situation. Du bist nicht gefangen in dieser Essstörung, auch wenn es sich vielleicht gerade so anfühlt.

Es gibt ein Leben nach der Essstörung und Heilung ist möglich. Und ich kann gut verstehen, wenn du das Gefühl hast, dass du das nicht schaffst. Ich habe vor sieben Jahren auch nicht geglaubt, dass ich es schaffen kann. Dass es vielleicht einige Menschen gibt, die ihre Essstörung heilen können, aber das ich definitiv nicht dazugehöre. Dass ich mein ganzes Leben essgestört sein werde. Dass ich nie frei von diesen Gedanken sein werde.

Auch wenn ich eigentlich kein Fan von guten Vorsätzen bin, hat ein neues Jahr etwas Magisches. Du kannst dir dieses neue Jahr wie ein leeres Blatt vorstellen. Alles ist möglich. Du kannst heute neu entscheiden. Du kannst heute neu wählen, wie dein Leben aussehen soll.

Auch wenn das jetzt vielleicht wehtut: Möchtest du noch ein Jahr so weiterleben wie du es letztes Jahr gemacht hast? Mit Essanfällen, mit negativen Gedanken zu dir und deinem Körper? Mit dem Drang ständig weniger zu essen?

Frag dich selber: Möchte ich das? Möchte ich ein weiteres Jahr nur Überleben, statt anzufangen der Mensch zu sein und das Leben zu leben, dass ich verdient habe?

Und wir neigen oft dazu zu sagen: Das mache ich später. Das mache ich morgen. Oder irgendwann, aber nicht heute. Und schlussendlich machen wir es dann nie. Weil die Umstände nicht passen, weil wir uns nicht bereit fühlen, weil irgendetwas anderes kommt, das dringender ist, als das was wir uns eigentlich vorgenommen haben.

Und deswegen habe ich eine Bitte an dich: Dass du im Anschluss an diesen Podcast drei Fragen stellst.

Dir ein Blatt Papier nimmst oder dein Tagebuch und dir ein paar Minuten Zeit gibst, um wirklich ehrlich auf diese Fragen zu antworten. Sie wirklich aufzuschreiben.

Was kann ich jetzt sofort dafür tun, um die Entscheidung für Heilung zu treffen?
Und es ist okay, wenn du dich noch nicht bereit fühlst. Egal, was wir machen, neu ausprobieren, oder lernen wollen. Wir fühlen uns fast nie zu 100% bereit.


Aber die Entscheidung für die Heilung der Essstörung ist eine Entscheidung, die nur aus dir kommen kann. Niemand im Außen kann dich zwingen langfristig gesund zu werden. Nur du kannst diese Entscheidung treffen. Wenn du merkst, dass du mental noch nicht an dem Punkt bist, dass du dich für Heilung entschieden hast, dann hör dir die Podcastfolge zu der Entscheidung für Heilung an.  In dieser Folge erzähle ich, wie es bei mir Klick gemacht hat. Also wenn du das Gefühl hast, dass du diese Entscheidung noch nicht getroffen hast, dann hör dir diese Podcastfolge unbedingt an.

Und es ist okay, wenn du weinen musst, weil sich diese Entscheidung so endgültig anfühlt. Weil du vielleicht das Gefühl hast einen Teil von dir zu verlieren. Es ist okay, wenn dich die Vorstellung traurig macht, nicht mehr essgestört zu sein. Weil du vielleicht Angst hast nicht mehr gesehen zu werden. Weil du vielleicht denkst, dass du dann nicht mehr wichtig bist.

Vielleicht hast du Angst vor diesem Leben ohne Essstörung. Weil diese Krankheit dich jahrelang definiert hat und du eigentlich gar nicht weißt, wer du ohne sie bist. Weil du denkst, dass du deine Struktur verlierst. Deine Sicherheit. Weil sich bis jetzt alles in deinem Leben um die Essstörung gedreht hat und du eigentlich gar nicht weißt, was du gut kannst, oder was du vom Leben möchtest.

Und ich kann das so gut nachvollziehen. Weil ich diese Angst auch hatte. Ich habe es schon oft im Podcast gesagt und sage es jetzt auch wieder: Es ist okay, dass diese ganzen Ängste da sind. Versuch nicht sie zu ignorieren oder sie wegzudrücken. Weil sie sich dann unbewusst zu riesigen Schluchten entwickeln können. Es ist wichtig diese Angst wirklich wahrzunehmen. Weil Angst zwar ein Schutzmechanismus ist, aber uns gleichzeitig auch ein Indikator dafür, dass da etwas Essenzielles ist, wo wir hingucken müssen.

Du darfst Angst haben.
Ich habe vor 2 Jahren meinen ersten Paragliding Flug gemacht und als ich oben auf dem Berg war, kurz vor dem Moment wo ich losfliegen sollte, hatte ich eine unfassbare Angst. Und ich habe diese Angst wirklich bewusst wahrgenommen, die Augen geschlossen und gesagt: Es ist okay, dass ich Angst habe, aber ich mache es trotzdem.

Manchmal brauchen wir diesen kleinen Schubser, diesen Punkt, wo wir einfach die Augen schließen und loslaufen. Oder springen. Ins Unbekannte. In das was uns Angst macht. Ich habe Angst und es ist okay, dass diese Angst da ist, aber ich probiere es trotzdem.

Yvonne hat in unserem Interview gesagt: Aufgeben kann ich später. Und das ist genau der Punkt. Konzentriere dich einfach nur auf heute. Auf den Moment der jetzt ist. Aufgeben kannst du später. Aber nicht heute. Und wenn du dir das jeden Tag sagst, dann guckst du irgendwann auf diesen Moment zurück und denkst: Krass, dabei wollte ich doch immer nur den nächsten Tag schaffen. Und plötzlich bin ich hier und habe immer noch nicht aufgegeben.

Vielleicht kennst du das Buch MOMO von Michael Ende. Die Geschichte von Momo war eins meiner liebsten Kinderbücher. Und es gibt eine Stelle die mich bis heute noch sehr beeindruckt.


„Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: „Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“
Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“
Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: „Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie und man ist nicht außer Puste.“

Die Heilung der Essstörung ist nichts was von heute auf morgen passiert. Und genauso wie Beppo Straßenkehrer immer nur an den nächsten Besenstrich denkt, genauso musst du dich nur auf den nächsten Tag konzentrieren. Aber auch, wenn du nur an den nächsten Tag denkst, ist es wichtig, dass du einen Plan hast. Damit meine ich nicht unbedingt einen Ernährungsplan, sondern eine Strategie, die dich in schweren Zeiten auffängt.

Und das ist die zweite Sache, um die ich dich bitten möchte, wenn du diesen Podcast fertig gehört hast, ist, dass du dir eine Liste machst und dir die folgenden Fragen beantwortest.

Was hilft mir, wenn es mir schlecht geht?
Was hilft mir, wenn die Gedanken der Essstörung kommen?
Was hilft mir, wenn ich kurz vor einem Essanfall stehe?
Welche Sachen kann ich tun, um bei der Essstörung den Pauseknopf zu drücken?
Wen kann ich anrufen, wenn es mir wirklich schlecht geht?
Was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, dass ich zu viel gegessen habe?
Was hilft mir, wenn ich ein schlechtes Körpergefühl habe?


Nimm dir Zeit, da rein zu spüren. Nimm dir Zeit, um dir diese Fragen ehrlich zu beantworten. Nimm dir Zeit, um deine Antworten aufzuschreiben. Mir hat es extrem geholfen, dass ich eine Freundin hatte, die ich kurz vor einem Essanfall anrufen konnte, ich habe dann einfach gesagt: Ich brauche dich jetzt – und sie wusste direkt was los ist.

Bei einem schlechten Körpergefühl hat es mir geholfen zu tanzen. Einfach die Musik richtig laut aufzudrehen.

Das ist die Notfallliste, über die ich schon einmal gesprochen habe. Du kannst sie dir irgendwo in deiner Wohnung aufhängen, du kannst sie ganz klein falten und in dein Portemonnaie tun, damit du sie immer bei dir hast. Vielleicht hilft es dir in kritischen Situationen eher zu reflektieren und deine Gefühle aufzuschreiben, vielleicht musst du einfach nur rausgehen und in der Natur sein. Es ist egal, was es ist. Hauptsache es hilft dir.

Und wenn du dann spürst, dass die Essstörung wieder laut wird, dann denk nicht lange nach. Sondern einfach machen. Das kostet am Anfang wahrscheinlich Überwindung, aber es ist so wichtig, dass du nicht lange nachdenkst, sondern einfach machst. Um diesen Kreislauf zu unterbrechen. Diesen Automatismus, bei dem sich das Denken ausschaltet und die Essstörung auf einmal wieder so unfassbar laut und groß ist.

Und die dritte und letzte Sache, um die ich dich bitten möchte, ist, dass du dir die Frage stellst: Was kann ich heute tun, um den ersten oder vielleicht den nächsten Schritt auf meinem Heilungsweg machen? Was kann ich im Anschluss an diesen Podcast tun, um wirklich loszugehen?

Vielleicht eine Beratungsstelle anrufen und einen Termin vereinbaren. Vielleicht einfach anonym eine E-Mail an eine Onlineberatung schreiben. Vielleicht deinen Eltern von der Essstörung erzählen oder einer Freundin.

Vielleicht machst du als symbolischen Akt deine Waage mit einem Hammer kaputt oder sortierst einen Teil deiner Kleidung aus, die dir das Gefühl gibt zu dick zu sein.

Es ist wie gesagt, völlig egal, was es ist. Aber überleg dir, welchen Schritt du heute machen kannst. Weil der erste Schritt der schwierigste ist. Weil der erste Schritt der ist, der Angst macht. Weil er Überwindung kostet.

Aber du kriegst das hin. Ich weiß, dass du das hinkriegst. Ich glaube an dich. Und es ist so wichtig, dass du auch an dich selber glaubst. Heilung ist möglich. Und 2020 ist das Jahr, in dem du damit anfangen kannst zu heilen. Indem du anfangen kannst, die Essstörung loszulassen. Indem du dich selber neu entdecken kannst. Du kriegst das hin. Und du hast es verdient ein Leben, ohne die Essstörung zu führen. 2020 ist dein Jahr.

Und ich schicke dir eine riesengroße Umarmung. Durch das Mikro zu dir, wo immer du gerade diesen Podcast hörst.
Du bist auf dem richtigen Weg.

Alles liebe,
deine Oona

 

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