#12 Ich schaffe das nicht. Eine Folge über meine eigene Überforderung und die Instagram-Pause

Es gibt einige Veränderungen bei mir und darüber möchte ich gerne mit dir sprechen.

Eigentlich hatte ich heute eine andere Folge geplant, aber ich habe vor Kurzem eine Entscheidung für mich getroffen, die ich gerne erklären möchte. In dieser Podcastfolge geht es um Überforderung. Und zwar meine eigene. Und vielleicht hilft dir diese Folge mit meinen Gedanken auch deine persönliche Überforderung besser zu lösen. Egal womit du gerade überfordert bist.

Wie waren die ersten Wochen in deinem neuen Jahr? Eher entspannt? Oder stressig? Fühlst du dich aktuell überfordert? Vielleicht geht es dir ein bisschen wie mir.

Ich bin in Moment gefühlt überall und nirgendwo. Quasi zerstreut. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich lasse mein Laptop im Auto liegen, um dann das ganze Wochenende zu vergessen, dass es da liegt. Ich steige in die falsche Bahn, ohne es zu merken. Verfahre mich. Verlege mein Portemonnaie, um es im Anschluss stundenlang zu suchen.

Ich bin genau da wo ich letztes Jahr aufgehört habe. Springe zwischen Arbeit, Podcast, Hochzeitsplanung, Haushalt und meinem Privatleben hin und her. Kennst du dieses Gefühl, wenn du konstant am Anschlag bist und aber dann trotzdem alles irgendwie hinkriegst? Und deswegen keinen Grund siehst es zu ändern. Es klappt ja alles. Irgendwie.

Vielleicht ist es mir einfach nicht aufgefallen, aber so geht es mir seit fast einem halben Jahr. Mein Alltag ist so voll, dass ich nicht weiß, wo oben und unten ist. Und ich sage das nicht, weil ich dir erzählen möchte, dass es mir schlecht geht. Sondern einfach, damit du besser verstehst, warum ich die Entscheidungen treffe, die ich treffe.

Mein Kopf ist voll. Ich habe neulich einen Post auf Instagram dazu gemacht. In den Monaten habe ich oft darüber geschrieben, dass ich überfordert bin. Dass ich das Gefühl habe zu wenig Zeit zu haben, das Gefühl habe nicht genug zu tun. Dass ich nicht im Gleichgewicht bin. Aber scheinbar habe ich nicht gesehen, diese ganzen Gefühle wirklich sind. Ich dachte, dass ich irgendwann weniger Stress haben werde. Ich dachte, ich kriege das mit Yoga wieder hin. Auch wenn mir oft die Zeit dafür gefehlt hat und ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich dafür andere Sachen nicht erledigen konnte.

Fakt ist: Dieser Stress wird sich nicht einfach so lösen. Ich kriege das so nicht hin. Ich brauche eine Pause.

Darüber möchte ich gerne heute mit dir sprechen. Über Pausen. Darüber, wie man es schafft, etwas abzubrechen oder sich neu zu orientieren. Woher man den Mut nimmt zu sagen: Ich lasse das jetzt und schaffe mir Raum für mich.

Wir leben in einer Gesellschaft in der es, als bewundernswert gilt superbusy zu sein. Von einem Termin zum nächsten zu hetzen. Ständig auf Achse zu sein und 24 Projekte gleichzeitig zu managen. Ich bin selber in einer Familie aufgewachsen, die quasi nur am Machen war. Wir haben früher scherzhaft gesagt, dass wir uns ein T-Shirt drucken lassen auf dem steht: Ich habe noch so viel auf dem Zettel. Klingt witzig, aber genauso ist es. Ich habe noch so viel auf dem Zettel. Und seit der Grundschule schreibe ich To-Dos, hake Listen ab, plane meine Tage fast auf die Minute durch. Das schaffe ich auch noch.

Es kostet mich unglaublich Überwindung diese Podcastfolge zu machen. Aber ich glaube, dass wir alle (manche vielleicht mehr, andere weniger) irgendwann an diesen Punkt kommen. Uns überfordert fühlen. Uns unter Druck setzen von unseren eigenen Erwartungen. Dinge durchziehen, die wir eigentlich lieber abbrechen würden. Unsere eigenen Bedürfnisse ignorieren, weil wir Angst haben als faul oder nicht belastbar gesehen zu werden. Es braucht verdammt viel Mut und Selbstliebe um in so einer Situation zu sagen: Stop. Ich schaffe das nicht.

Und ich habe einfach in den letzten Wochen mehr und mehr gemerkt, wie abhängig ich von Instagram geworden bin. Dass ich das Gefühl habe, ständig präsent sein zu müssen, Stories zu machen, in der Masse nicht unterzugehen. Und ich habe auch gemerkt, dass ich immer mehr die Lust verliere. Nicht weil es mir keinen Spaß mehr macht, sondern weil es mir einfach zu viel ist.

Instagram gehört seit sieben Jahren zu meinem Alltag, obwohl ich kein Geld dafür bekomme. Das muss man sich mal reinziehen. Seit sieben Jahren tippe ich jeden Tag mehrmals auf diesem Gerät rum. Versuche Mehrwert zu bieten. Versuche zum Nachdenken anzuregen. Versuche mich ehrlich und verletzlich zu zeigen. Instagram ist für mich etwas Selbstverständliches geworden. Früher war es für mich reine Unterhaltung Stories zu machen oder Bilder hochzuladen.

Aber seit meinem Wechsel von fitmelonie zu oonamasté, seit dem Start des Podcasts habe ich plötzlich Verantwortung. Werde als Vorbild gesehen, auch wenn ich mich selber nicht gerne so bezeichne. Kriege Nachrichten in denen ich um Rat gefragt werde.

Ich habe plötzlich verdammt viel Verantwortung. Verantwortung präsent zu sein. Aktiv zu sein.

Nicht weil ich besonders viele Likes haben möchte oder super bekannt sein will, sondern weil Instagram die Plattform ist, mit der ich Leute erreichen kann, die Unterstützung brauchen. Die den Oonamasté Podcast noch nicht kennen. Die sich alleine fühlen und keine Hoffnung mehr haben, jemals ein Leben ohne Essstörung zu leben. Denen ich helfen will.

Auf der anderen Seite merke ich, dass mich diese Verantwortung schon seit längerem überfordert. Ich kriege jeden Tag Nachrichten, die sich nicht zwischen Tür und Angel beantworten lassen.

Jede Geschichte hat persönliche Hintergründe, Familiensysteme und ich nehme mir wirklich Zeit, um darauf zu antworten. Ich kann nicht einfach ein Outfit verlinken, sondern lasse mich auf emotionaler Ebene auf jede einzelne Person ein.

Nehme mir Zeit, um zu antworten, was nicht immer ganz leicht ist. Weil meine eigene Geschichte kein Allheilmittel ist. Meine Geschichte ist nicht der richtige Weg für jeden. Und auch ich habe Fehler gemacht, hätte bestimmte Dinge anders machen müssen.

Oft wirken diese Nachrichten sehr lange in mir nach. Ich frage mich, ob ich genug geholfen habe. Frage mich, ob ich vielleicht anders hätte antworten sollen.

Diese Verantwortung setzt mich unter Druck. Oft öffne ich die Instagram-App, sehe die ganzen Nachrichten, die ich noch nicht beantwortet habe und bin so überfordert, dass ich sie wieder schließe.

Fast immer habe ich dann ein schlechtes Gewissen. Weil ich das Gefühl habe, dass ich dich hängen lasse, wenn ich nicht sofort antworte. Dass du mich vielleicht für arrogant hältst, weil ich nicht antworte.

Ich habe es schon so oft gesagt und sage es auch jetzt noch einmal: Ich bin absolut überwältigt von dem Feedback zum Oonamasté Podcast. Überwältigt ist vielleicht sogar das richtige Wort. Unglaublich glücklich und dankbar.

Aber Instagram nimmt sehr viel Raum in meinem Leben ein. Ständig daran zu denken, wann ich Zeit finde die Nachrichten zu beantworten, welche Texte ich dir mitgeben kann. Das Gefühl ständig etwas zu vergessen. Und dabei habe ich nicht gemerkt, dass ich etwas ganz Wesentliches vergesse: nämlich mich.

In den letzten Wochen habe ich viel darüber nachgedacht wie ich mir mehr Raum geben kann. Wie ich es schaffe, innerlich ruhiger zu werden, auch in der Zeit in der ich kein Yoga mache. Wie ich meine Akkus wieder aufladen kann. Wie ich es schaffe mich zu resetten, um wieder mehr Energie zu sammeln.

Und jetzt weiß ich es. Ich mache Pause. Bei Instagram. Warum? Weil ich sie brauche. Ich weiß noch nicht wie lange. Vielleicht komme ich morgen schon wieder (eher nicht). Vielleicht erst in 3 Wochen. Aber ich muss mich mal abstöpseln von diesem Gerät. Von dieser virtuellen Welt. Instagram ist für mich Arbeit. Zum Glück nicht die, mit der ich meine Brötchen verdiene, denn sonst könnte ich mich wahrscheinlich nicht einfach so verabschieden. Aber das ist der Punkt. Ich habe quasi 2 Jobs parallel plus den Podcast und werde nur für einen Job bezahlt.

Manchmal ist es wichtig die Reißleine zu ziehen. Ich habe vorhin schon gesagt, dass es unglaublich schwer sein kann in einer Macher-Gesellschaft einfach mal etwas abzubrechen oder aufzugeben. Klar ist es wichtig, dass man bei bestimmten Sachen die Pobacken zusammenkneift und durchhält.

Aber ich kenne so viele Menschen, die Dinge machen, weil sie das Gefühl haben sie können nicht anders. Sie müssen das jetzt durchziehen. Egal ob es eine Ausbildung, ein Studium, ein Job, eine Beziehung oder sonst was ist.

Ich erinnere mich noch, dass meine Mutter vor meinem Auslandsjahr in Mexico zu mir gesagt hat: Oona, du kannst das auch abbrechen, wenn du merkst, dass es nicht geht.

Vielleicht wäre es damals besser für mich gewesen, einfach zu sagen: Ich kann das nicht. Aber zu dem Zeitpunkt, hätte ich mir damit die Blöße gegeben schwach zu sein. Es eben NICHT durchzuziehen.

Überlege mal für dich selbst welche Dinge du gemacht hast, obwohl du sie eigentlich nicht wolltest? Weil du Angst davor hattest, dass andere Menschen mit Ablehnung reagieren, wenn du sagst, dass du nicht mehr kannst. Oder es einfach nicht schaffst.

Heute habe ich genügend Respekt vor mir selber, um zu sagen: Ich schaffe das aktuell nicht.

Ich werde die App auf meinem Handy temporär löschen. Eure Nachrichten könnt ihr in der Zwischenzeit auf meine hello@oonamaste.de E-Mail-Adresse schicken. Einmal die Woche werde ich mir Zeit nehmen, um eine halbe Stunde Nachrichten zu beantworten.

Vielleicht fragst du dich: Wie geht es mit dem Podcast weiter?

Das habe ich mich auch gefragt. Viel darüber nachgedacht, wie viel Arbeit ich in diesen Podcast stecke. Wie viel Zeit und Herzblut. Und mich deswegen dazu entschieden hier keine Pause zu machen. Der oonamasté Podcast wird weiterhin alle 2 Wochen erscheinen. Keine Angst. Damit höre ich nicht auf. Aber das Format wird sich verändern.

Vor 9 Monaten habe ich zum ersten Mal die Idee gehabt einen Podcast zu machen. 9 Monate habe ich das Podcastbaby in meinem Bauch getragen. Es ist gewachsen, hat sich entwickelt. Wie ein richtiges Baby. Und jetzt ist es an der Zeit, dass es sich schlüpft. Das Podcastbaby. Um die Fragenflut über Instagram zu managen und dir gleichzeitig einen größeren Mehrwert zu bieten, werde ich den Podcast ein bisschen umstrukturieren.

Wie gesagt bekomme ich jeden Tag Nachrichten mit unzähligen Fragen zur Heilung der Essstörung, Rückfällen, Umgang mit Sport und meinem persönlichen Weg. Obwohl diese Fragen sehr individuell sind, kriege ich die gleiche Frage oft von 5 oder 6 unterschiedlichen Leuten gestellt.

Leider fehlt mir meist die Zeit wirklich ausführlich jedem einzelnen darauf zu antworten. Deswegen habe ich mir überlegt, dass ich anfangen werde die Fragen im Podcast für alle zu beantworten.

Das ist dann vielleicht nicht mehr ganz so persönlich, aber ich hoffe einfach, dass ich auf diesem Weg mehr Menschen mit meiner Antwort erreichen kann. Und vielleicht hast du eine Frage, die du bislang noch nicht gestellt hast, die aber von mir im Podcast beantwortet wird und die Antwort dir damit weiterhilft.

Ich bitte dich also in Zukunft deine Fragen über mein Kontaktformular auf meiner Website zu schicken und ein Häkchen bei dem Thema: „Persönliche Frage oder Hilfe“ zu setzen. Alle Fragen sind absolut anonym. Du musst keinen Namen und auch keine E-Mail-Adresse angeben.

Und dann bekommst du quasi eine Podcastfolge nur für dich. Nur für deine Frage.

Ich freue mich schon sehr darauf, den oonamasté Podcast in diesem neuen Format umzusetzen und hoffe, dass dir diese Folge vielleicht auch dabei geholfen hat zu erkennen, was du gegen deine eigene Überforderung tun kannst.

Bei Instagram bin ich jetzt erst einmal offline. Und wenn ich zurückkomme, freue ich mich, wenn du immer noch da bist und mir weiterhin folgst. Wir hören uns wieder in zwei Wochen mit der ersten Frage-Folge im Oonamasté Podcast.

Bis dahin sage ich dir: Du bist auf dem richtigen Weg. Mach eine Pause, wenn du merkst, dass es nicht mehr geht.

Alles Liebe,
deine Oona

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