#18 Q&A: Die Top 5 der meistgestellten Fragen zur Heilung der Essstörung

Es ist meine Herzensangelegenheit dich mit diesem Podcast zu motivieren, dich zu inspirieren, dir Gründe zu geben, weiter durchzuhalten und dranzubleiben und dir immer wieder zu sagen: Es ist möglich die Esstörung zu heilen und es gibt ein Leben danach. Bleib' einfach dran, es lohnt sich.

Und in diesem Sinne habe ich mir überlegt, dass ich heute an diesem Ostersonntag ein kleines Q&A mache. Ich habe die Top Fünf der meist gestellten Fragen gesammelt um sie hier im Podcast zu beantworten.

Ich bekomme immer noch jeden Tag viele Nachrichten, weshalb ich es nicht schaffe immer alle Nachrichten direkt zu beantworten. Wenn du schon eine Antwort von mir bekommen hast, wirst du gemerkt haben, dass ich mir sehr viel Zeit dafür nehme, so ausführlich wie möglich zu antworten, was natürlich im Umkehrschluss bedeutet, dass ich nur wenige Nachrichten beantworten kann.

Deswegen habe ich mir überlegt, dass es vielleicht gar nicht so schlecht ist, Fragen, die mir immer wieder gestellt werden, zu bestimmten Themen die mit der Heilung der ES zusammenhängen, hier im Podcast zu beantworten.

Dann ist das zwar nicht ganz so persönlich aber du hast zumindest eine Guideline oder eine Teilantwort, auch wenn sie sich vielleicht nicht spezifisch auf deine Situation bezieht.

Ich hoffe, dass du aus dieser Folge ganz viel mitnehmen kannst, ich hoffe, dass du Antworten findest, auf Fragen die du dir gestellt hast oder auf Fragen, die du dich noch gar nicht getraut hast zu stellen.

Ich hoffe, dass du neue Hoffnung schöpfen kannst und vielleicht bist du aktuell an einem Punkt, wo du das Gefühl hast: Ich komme da nicht raus und es geht nicht weiter und eigentlich hat das sowieso alles keinen Sinn.

Dann wünsche ich mir, dass du dir diese Podcastfolge in Ruhe anhörst und dann hoffentlich ein bisschen anders darüber denkst. Dass du siehst, dass diese Situation irgendwann vorbei sein wird.

1. Thema Bewegungsdrang und Sport: Wie komme ich vom täglichen und stundenlangen Spazierengehen weg?

Ich kann deine Frage zum Bewegungsdrang gut verstehen – in der Essstörung hat man das Gefühl, als würde das nie aufhören. Ich glaube, dass der Bewegungsdrang sich aus zwei Hintergründen zusammensetzt: Zum einen die Gewohnheit. Die Tatsache jeden Tag spazieren oder joggen zu gehen, gibt dir eine gewisse Sicherheit. Einen Tagesablauf.

Auf der anderen Seite gehört die Bewegung zum Krankheitsbild. Um innere Spannungen abzubauen und loszuwerden. Dennoch glaube ich, dass es wichtig ist, dass man die Bewegung nicht von einem auf den anderen Tag abschaltet. Sondern, dass man versucht sie stückweise zu reduzieren. Das ist vielleicht besonders am Anfang schwierig, aber mit der Zeit gewöhnst du dich an das geringe Sportpensum.

Oder du versuchst, statt dem Joggen einen Spaziergang zu machen. Versuche dem Sport einen größeren Sinn zu geben, als einfach nur Kalorien zu verbrennen.

Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass dieser Zwang, je weiter du auf deinem Heilungsweg gehst, weniger wird.

2. Wie schaffe ich es mich nicht mit anderen zu vergleichen?

Um dich weniger mit anderen zu vergleichen, kann ich dir empfehlen, den Blick mehr nach Innen zu richten. Dich mit deinen inneren Glaubenssätzen auseinanderzusetzen. Hast du das Gefühl, dass du schlechter bist, als die anderen? Hast du das Gefühl, dass du nicht genug tust? Oder dass das, was du tust eigentlich noch besser geht?
Versuch dir die Zeit zu nehmen, um dich damit auseinanderzusetzen. Was denke ich eigentlich über mich selber? Das Thema Glaubenssätze kann unglaublich viel lösen, wenn man den Mut hat, sich damit auseinanderzusetzen.

Wenn du dich mit deinen Glaubenssätzen auseinandersetzen willst, kann es hilfreich sein, wenn du dir jemanden suchst, der dich unterstützt. Der dir einen Rückhalt gibt, der die eine Richtung weist, der dir Tools gibt. Der mit dir versucht herauszufinden, woher diese negativen Glaubenssätze kommen und wann sie das erste Mal aufgetaucht sind.

Hier findest du meine Podcastfolge zum Thema: Negative Glaubenssätze

Es hat einfach sehr viel verändert mich mit diesem Teil von mir selbst auseinanderzusetzen und kann es dir deswegen nur empfehlen, den Mut zusammenzunehmen um diese verschlossene Tür in dir zu öffnen.

3. Bulimie: Wie schaffe ich es nach der Bulimie ein Sättigungsgefühl zu erkennen?

Ich kann dir sagen, dass es ganz normal ist, dass du besonders nach einer Bulimie den Punkt der Sättigung nicht richtig erkennen kannst. Ich erinnere mich, dass ich immer versucht habe, genug zu essen und dann plötzlich doch mehr gegessen habe, als eigentlich ursprünglich geplant. Dann kam immer der Bulimie-Automatismus: Was kann ich jetzt noch essen? Weil ich wusste, dass ich mich sowieso erbreche.

Der erste richtige Schritt ist, dass du erkennst, dass du diesen Sättigungspunkt überschreitest. Ich weiß selber wie frustrierend es sein kann, wenn man sich vornimmt, genug aber nicht zu viel zu essen und am Ende doch wieder einen Essanfall hat und erbricht.

Deswegen ist der erste wichtige Schritt auf diesem Weg: Verzeihen. Dir selber verzeihen, wenn es nicht geklappt hat. Und am nächsten Tag wieder von vorne anfangen.

Versuche doch einfach mal dich beim Essen selbst besser wahrzunehmen. Dich zu beobachten und zu fragen: „Wie bin ich, wenn ich esse?“. Versuche einen Schritt zurückzugehen und achtsam mit dir selber zu sein. Was esse ich da eigentlich? Wie fühlt sich das an? Wie ist die Textur?

Es geht darum, das Essen wieder neu zu lernen.

Hier findest du meine Podcastfolge zum Thema: Essen wieder neu lernen

4. Gewichtszunahme: Ich will eigentlich gesund sein, aber ich habe so Angst dick zu werden.

Es ist ganz normal, dass dein Körper Zeit braucht um sich einzupendeln. Wenn er so lange zu wenig Kalorien bekommt, ist er erst einmal im Bunker-Modus und versucht alle Nährstoffe, die er bekommt zu sichern.

Das kann auch bedeuten, dass du vielleicht schneller zunimmst, als du es geplant hast. Das kann auch bedeuten, dass du mehr zunimmst, als du geplant hast. Aber genau an diesem Punkt ist es so wichtig, dass du dran bleibst und dich nicht wieder in den Hunger-Kreislauf zurückziehen lässt. Es braucht Zeit bis dein Körper sich einpendelt.

Bei mir hat es tatsächlich mehrere Monate gedauert. Ich kann dir sagen, dass diese Phase nicht ewig bleibt. Vielleicht fühlst du dich aktuell unförmig, weil du das Gefühl hast, dass die Proportionen deines Körpers irgendwie nicht zusammenpassen. Dass einige Körperteile sehr schnell und andere eher weniger zunehmen. Sieh diese Phase als eine Überbrückung. Die vorbeigeht. Auch, wenn du es vielleicht nur schwer glauben kannst. Dein Körper wird sich einpendeln. Aber das braucht Zeit.

Versuche dich in dieser Zeit auf andere Sachen zu fokussieren. Nimm die Spiegel ab. Kauf dir Klamotten, die dir passen oder vielleicht zu groß sind. In denen du dich wohlfühlst. Dich schön fühlst. Pack die Waage weg. Versuch bei Social Media wirklich auszuwählen, was dir guttut und was nicht.

5. Gehen diese essgestörten Gedanken irgendwann weg?

Du fragst mich, ob diese Gedanken irgendwann weniger werden? Ob es irgendwann andere Sachen gibt, an die du denkst. Ich kann dir sagen, dass das bei mir unbewusst passiert. Irgendwann kam ich einfach an diesen Punkt, wo ich gemerkt habe: Huch, du hast ja unfassbar lange nicht mehr über Kalorien nachgedacht. Oder daran gedacht dich zu übergeben.

Es gibt diesen Zeitpunkt an dem die Essstörung unmerklich das Gehirn, den aktuellen Gedankenkreislauf verlässt. Wo die Essstörung und alles, was damit zu tun hat nicht mehr ständig präsent ist, sondern nur noch ab und zu auftaucht.

Und wenn diese essgestörten Gedanken doch mal kommen, kannst du es als Indikator sehen, dass du aktuell vielleicht ein bisschen mehr auf dich aufpassen solltest. Den Blick nach innen richten. Gucken was dir guttut. Oder was du vielleicht erst einmal für dich tun solltest.

Auch wenn du das Gefühl hast, dass es niemals anders werden kann, wirst du irgendwann auf diese Zeit zurückblicken und denken: „Wow. Das habe ich echt hingekriegt, weil ich drangeblieben bin. Weil ich nicht aufgegeben, sondern an mich geglaubt habe“

Glaube an dich. Ich glaube auf jeden Fall an dich.

Ich hoffe, dass ich dir deine Fragen mit dieser Podcastfolge beantwortet habe, dass du für dich neue Erkenntnisse mitnehmen kannst, neuen Mut und neue Hoffnung. Alles für dich und dein Leben und die Heilung deiner Essstörung zu geben. Weil du es verdient hast.

Bis dahin sage ich dir: Du bist auf dem richtigen Weg.

Alles Liebe,
deine Oona

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