#20 Wie Yoga die Beziehung zu meinem Körper geheilt hat

 

Es ist meine Herzensangelegenheit dich mit diesem Podcast zu motivieren, dich zu inspirieren, dir Gründe zu geben, weiter durchzuhalten und dranzubleiben und ich dir mit diesem Podcast einfach immer wieder sagen möchte: Es ist möglich die Essstörung zu heilen und es gibt ein Leben nach der Essstörung. Bleib einfach dran, es lohnt sich.

Heute gibt es eine ganz besondere Folge, die ich schon eigentlich ziemlich lange machen wollte, aber mir irgendwie immer der richtige Zeitpunkt gefehlt hat.

Und jetzt denke ich, dass das der richtige Zeitpunkt ist. Weil Yoga auch aktuell in dieser Zeit eine große Rolle in meinem Alltag spielt. Und mir unfassbar viel Gelassenheit und Vertrauen schenkt.

Vielleicht spürst du irgendwie eine Abneigung dir diese Folge anzuhören, weil es um das Thema Yoga geht. Vielleicht, weil du Vorurteile hast. Vielleicht aber auch, weil du das Gefühl hast, dass du mit Spiritualität nichts anfangen kannst oder vielleicht weil du schon mal Yoga gemacht hast und es total doof fandst.

Ich bitte dich für diese Folge über deinen Schatten zu springen. Quasi als kleine Mutprobe. Auch wenn du das Gefühl hast, dass Yoga für dich absolut nicht infrage kommt, bitte ich dich dir diese Folge anzuhören.

Weil Yoga einer der größten Gamechanger auf meinem Heilungsweg war. Weil Yoga mir geholfen hat mit meinem Körper Frieden zu schließen und Yoga so eine wundervolle Möglichkeit ist ganz viele Anteile in dir kennenzulernen und zu heilen.

Auch ich hatte maximal viele Widerstände und Vorurteile. Bei mir hat es fast sechs Jahre und bestimmt fünf Anläufe gebraucht, bis ich mir selber erlaubt habe mich wirklich auf die Yogapraxis einzulassen.

Ich möchte dir mit dieser Podcastfolge die Chance geben, schlauer zu sein, als ich es damals war. Gib dir selber diese Chance eine neue Art von Hilfe auf deinem Heilungsweg zu entdecken. Und ich garantiere dir, dass du das nicht bereuen wirst – wenn du bereit bist dich darauf einzulassen.

Bereit? Dann geht’s jetzt los.

Ganz am Anfang meiner Reise mit Yoga habe ich irgendwann mal einen Yogakurs bei Sportspaß, einem Fitnessstudio hier in Hamburg besucht. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch mitten in meiner Fitnesssucht und ehrlich gesagt weiß gar nicht warum ich damals Yoga machen wollte.

Vielleicht, weil ich eine andere Form von Sport gesucht habe oder vielleicht, weil ich insgeheim auch gehofft habe, dass Yoga mir dabei hilft die Beziehung zu meinem Körper zu heilen.

Wenn ich so zurückdenke, war eine der Vorurteile oder Überzeugungen, die ich hatte, dass alle Frauen, die Yoga machen, schlank sind. Und für mich war die logische Konsequenz, dass Yoga eine gute Art ist um viele Kalorien zu verbrennen. Und deswegen war Yoga für mich zu diesem Zeitpunkt wirklich Sport. Das hatte nichts mit dem Yogagedanken zu tun. Sondern war rein ein Mittel zum Zweck.

Erst Yoga, dann Bauch-Beine-Po. Dann HIIT-Training.

Am Anfang musste Yoga unbedingt so anstrengend wie möglich sein. Für mich kamen ausschließlich Yogastile mit möglichst viel Bewegung infrage. Die Yogastunden mussten zudem möglichst lange sein. Andererseits habe ich immer auf die Uhr geguckt, wann die Stunde endlich vorbei ist. Denn eigentlich hatte ich überhaupt keinen Spaß am Yoga. Ich habe es schlichtweg nicht gefühlt.

Beim Yoga ist es so, dass am Ende der Praxis eine Schlussentspannung stattfindet, in der man sich auf den Rücken legt und einfach nur den Körper spürt. Sich entspannt. Diese Schlussentspannung war für mich damals einfach nur verschwendete Zeit. Es war mir nicht möglich diese Entspannung aushalten. Einfach mal nichts zu tun. Ich konnte mir selber diese Ruhe nicht gönnen.

Nach meiner ersten Yogaerfahrung bin ich erst einmal komplett in die Sportsucht abgetaucht, das war 2013. Und habe dann eigentlich bis Ende 2018 immer mal wieder versucht Yoga zu machen, aber war irgendwie nie wirklich bereit mich mit dem Auseinanderzusetzen, was Yoga eigentlich ist.

Ich war in verschiedenen Yogagruppen hier in Hamburg, habe mit meinem Vater Yoga gemacht, habe echt viel ausprobiert. Aber es hat irgendwie nie wirklich „klick“ gemacht. Ich habe es einfach nicht gefühlt.

Das Spannende, was beim Yoga passiert und darüber habe ich auch schon mit Yvonne in unserer Interviewfolge gesprochen, dass Yoga dich quasi von Anfang an mit deinen negativen Glaubenssätzen konfrontiert (hier geht’s zur Interviewfolge mit Yvonne).

Negative Glaubenssätze sind etwas, dass ich jetzt schon sehr oft angesprochen habe, weil sie für mich einfach so unfassbar wichtig sind.
Was für Gedanken kommen, wenn du Yoga machst? Was denkst du über dich beim Yoga?

Ich bin nicht gut genug. Die anderen können das viel besser. Ich bin schlechter als die andere. Ich schaffe das sowieso nicht“ Yvonne hat damals im Interview gesagt: „Yoga holt den ganzen emotionalen Bullshit an die Oberfläche“.

Mein Thema war immer der Vergleich mit anderen. Sowohl vom Leistungslevel, als auch vom Körper, der Flexibilität. Quasi in jedem Bereich. Ich weiß noch, dass ich in diesen Yogaraum hereingekommen bin und versucht habe so weit vorne wie möglich einen Platz zu bekommen, damit ich mich besser im Spiegel angucken kann.

Um mich mit anderen zu vergleichen. Und wenn du dich natürlich ständig mit anderen vergleichst und immer nur im Außen bist führt das dazu, dass du dich selber nicht annehmen kannst.

Dieser ganze Gedanken-Bullshit, der währenddessen an die Oberfläche kam hat dazu geführt, dass ich Yoga rigoros abgelehnt habe.


Der Moment, in dem es für mich das erste Mal richtig angekommen ist, war im Dezember 2018. Ja, das ist noch gar nicht so lange her.
Ich war damals das zweite Mal in Mexiko. Also an dem Ort, wo ich 8 Jahre vorher mein Auslandsjahr gemacht habe. Wo der Ursprung meiner Essstörung war.

Auf eine Art und Weise hat mich diese zweite Reise nochmal vollständiger von der Essstörung geheilt, quasi wie befreit.

Meine Gastschwester hat mir während dieser Zeit einen ganz anderen, neuen Zugang zum Yoga gegeben. Ich weiß nicht, woran es lag. Vielleicht, weil sie so selbstverständlich damit umgegangen ist. Oder, weil ich ihr einfach bei ihrer Meinung vertraue. Auf jeden Fall habe ich das erste Mal versucht Yoga zu verstehen. Es zu fühlen.

Ich habe übrigens zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Sport gemacht. Nach jahrelanger Sportsucht und diesem Fitnesszwang habe ich irgendwann einfach aufgehört Sport zu machen, weil ich einfach keine Lust mehr hatte und jegliche Form von Bewegung einfach so super negativ besetzt war.

Und in dieser zweiten Zeit in Mexiko hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass ich nach der Fitnesssucht ein neues Verhältnis zu Bewegung bekomme. Zuvor war Sport in erster Linie ein Mittel zum Zweck. Es ging darum, möglichst viele Kalorien zu verbrennen.

Erst durch Yoga habe ich verstanden, dass Bewegung dazu da ist, um dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun. Dass ich mich bewege, weil ich meinen Körper mag und nicht weil ich ihn damit quälen möchte.

In dieser Zeit habe ich auch das erste Mal verstanden, dass es beim Yoga um viel mehr geht als sich nur fancy auf den Kopf zu stellen.

Ich war immer davon überzeugt, dass ich nicht gelenkig genug bin um Yoga zu machen.
Aber jeder kann Yoga, weil Yoga in erster Linie Atmen bedeutet und so viel mehr ist als diese halbe Stunde auf der Yogamatte.

Yoga ist genauso individuell wie du. Du darfst deine ganz eigene Yogapraxis machen. Wenn du Räucherstäbchen anzünden willst, dann mach das. Wenn du beim Yoga lieber Hip-Hop hören willst und es sich für dich gut anfühlt, dann ist das völlig richtig.

Es hat ganz lange gebraucht, bis ich verstanden habe, dass es beim Yoga nur um mich geht. Um meine Art Yoga zu machen. So wie es sich für mich am besten anfühlt.

Diese Erkenntnis kam erst, als ich angefangen alleine Yoga zu machen. Mit Videoanleitung, aber ohne einen Kurs oder andere Teilnehmer.


Alleine Yoga zu machen, hat dazu geführt, dass ich gelernt habe, mich komplett auf mich zu konzentrieren. Die Augen zuzumachen. (Meine Lieblingslehrerin für virtuelle Yogakurse ist übrigens Mady Morrison. Hier findest du einen tollen Yogaflow für Einsteiger)


Es geht nicht darum: „Wie sieht mein Körper aus?“ Viel wichtiger ist die Frage: „Wie fühlt sich mein Körper an?

Yoga hat mir auf eine neue Art und Weise gezeigt, dass ich einen Körper habe, aber nicht mein Körper bin (hier geht’s zur Podcastfolge: Wer bin ich ohne die Essstörung)


Yoga hat mir gezeigt, dass mein Körper mein Freund ist, mein Verbündeter. Und dass mein Körper es möglich macht, mich überhaupt zu bewegen.

Ich finde es manchmal so faszinierend, dass wir einfach selbstverständlich aufrecht gehen können und die Balance halten. Sogar auf einem Bein stehen können und mit ein bisschen Übung nicht umfallen.

Für mich ist Yoga eine bewusste Übung um meinen Körper und die einzelnen Körperteile wirklich wahrnehmen. In jedes Körperteil hinein zu spüren. In die Füße und Fingerspitzen. Zu versuchen, Teile meines Körpers zu spüren, die man sonst kaum richtig spüren kann. Wie zum Beispiel die Wirbelsäule.

Aber natürlich gibt es auch Tage, an denen spüre ich meinen Körper nicht so gut. Dann ist das meist ist das eine Indikation, dass etwas in mir nicht stimmt. Dabei geht es meist um mein emotionales Innenleben.

Es gibt auch Tage, an denen es mir schwerfällt meinen Körper anzunehmen. Und auch das ist ein Indikator, dass etwas nicht stimmt. Unser Körperbild entsteht durch unsere seelische Verfassung.

Yoga ist mein emotionaler und körperlicher Spiegel. Fast wie eine Art Werkzeug, dass ich dazu benutzen kann um herauszufinden wie es mir geht.

Mein emotionaler Zustand spiegelt sich beim Yoga körperlich wider. Bin ich innerlich oder emotional aufgewühlt, zeigt sich das meist in einer schlechten Balance oder weniger Flexibilität. In erster Linie geht es darum, das einfach mal innerlich zu notieren: „Aha heute geht’s mir irgendwie nicht so gut.“ Oder: „Heute geht’s mir eigentlich ziemlich gut.

Ohne Bewertung oder Beurteilung.

Wenn du regelmäßig Yoga machst, kann dir das auch dabei helfen, diese Schwankungen wahrnehmen. Es gibt Tage, an denen kann ich bestimmte Yogaposen, es gibt andere Tage an denen klappt gar nichts. Obwohl ich mittlerweile im Kopfstand ziemlich sicher bin, gibt es Tage, an denen ich ständig umfalle.

Aber das ist dann halt so. Uns geht es nicht jeden Tag gleich. Unser Körper fühlt sich nicht jeden Tag gleich an. Mal ist er weicher, mal straffer. Mal beweglicher. Mal irgendwie steif.

Yoga hilft dir dabei zu lernen, diese Empfindungen in erster Linie einfach mal wahrzunehmen, ohne groß etwas verändern zu müssen. Das gilt auch für dein Äußeres. Wie sehen meine Beine eigentlich genau aus? Neugierig zu sein. Und dich dann dafür anzuerkennen, was diese Beine eigentlich alles Tolles machen können. Und dich nicht zu verurteilen, falls sie etwas Bestimmtes nicht können.

Du darfst Akzeptanz und Verständnis für dich selber haben.

Du darfst verständnisvoll zu sein, wenn mal was nicht klappt. Verständnisvoll zu sein, wenn du dir deine Beine anguckst. Oder deinen Bauch. Ohne Wertung. Ohne Verurteilung. Sondern einfach nur mal wahrnehmen.

Mit Yoga kannst du üben, ganz wertungsfrei Unterschiede und Veränderungen deines Körpers wahrzunehmen. Es gibt Tage, an denen kannst du dich wie eine Brezel verknoten und es gibt Tage, an denen geht halt gar nichts. Jeder Tag ist neu. Und ich mache einfach genau das, was mein Körper heute kann. Meine regelmäßige Yogapraxis hat mir dabei geholfen, damit aufzuhören meine Leistungen ständig zu vergleichen.

Übrigens ist es auch egal, wann du Yoga machst. Hauptsache es passt für DICH.

Yoga am Morgen hilft mir mich direkt mit meinem Körper zu verbinden und genau herauszufinden: „Wie geht es mir heute? Körperlich? Seelisch?“ Yoga am Morgen gibt mir Routine und hilft mir mit einer positiven Grundeinstellung in den Tag zu starten.

Yoga am Abend hat eher eine reflektierende Wirkung. Und führt dazu, dass ich mich frage: „Wie ging es mir heute? Bin ich total erschöpft? Tut mir irgendwas weh? Bin innerlich unruhig und abgelenkt?

Und ganz wichtig ist, sich auch immer wieder zu fragen: „Was brauche ich jetzt? Oder vielleicht eher: Was brauche ich wirklich?

Oftmals antwortet unser Ehrgeiz ziemlich schnell, aber eigentlich wollen wir nur ein bisschen entspannt im Sitzen Yoga machen. Und keinen super anspruchsvollen Yogaflow.

Was brauche ich jetzt? Eine meiner Yogalehrerinnen sagt immer: „Know when you wanna challenge and know when you wanna chill out“. Bedeutet, dass es wirklich um diese Kopf vs. Körper Entscheidungen geht und wir uns immer wieder fragen müssen: „Will das mein Körper oder will das mein Ego?“

„Muss ich diese Übung jetzt wirklich machen oder ist es okay, wenn ich mich jetzt einfach ausruhe und meinem Körper diese Pause gönne?“

Du darfst dir Pausen gönnen. Du darfst dich ausruhen. Du musst nicht produktiv sein. Du darfst einfach nur sein. Liegen. Sitzen. Dich spüren. Entspannen.

Ich habe seit Anfang März eine Fußverletzung und kann viele Yogaposen, die ich früher sehr gut konnte, mittlerweile überhaupt nicht mehr machen. Aber das ist okay. Auch diese Verletzung ist für mich Teil des Lernprozesses. Seitdem ich wirklich regelmäßig Yoga mache, habe ich gelernt einfach besser im Kontakt mit mir selber zu sein.

Mich wirklich zu spüren. Mich anzuerkennen. Meinen Körper anzuerkennen. Stolz darauf zu sein, was er alles kann, wenn ich ihn darum bitte.

Mein Lieblingsritual beim Yoga ist es, mich am Ende zu umarmen und mich bei mir zu bedanken. Mich bei meinem Körper zu bedanken, dass er heute sein Bestes gegeben hat. Dass er diese halbe Stunde auf der Yogamatte möglich gemacht hat.

Ich kann dir versprechen, dass Yoga die Beziehung zu deinem Körper und dir selbst positiv verändern wird, wenn du dir die Chance dazu gibst. Wenn du bereit bist deine Vorurteile beiseite zu schieben und dich darauf einzulassen.

Ich hoffe, dass dir diese Podcastfolge gefallen hat, dass sie dir eventuell dabei geholfen hat, Vorurteile aufzulösen und du jetzt vielleicht auch Lust hast mit Yoga anzufangen.

Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen mit Yoga und deine Erkenntnisse dieser Podcastfolge auf Instagram oder als direkte Nachricht mit mir teilst.

Bis zur nächsten Podcastfolge sage ich dir:

Du bist auf dem richtigen Weg.

Alles Liebe,
deine Oona

 

 

 

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