#30 Essstörungen und Beziehungen: Über Kommunikation, Vertrauen und Ehrlichkeit

Bevor wir starten, möchte ich mich einfach kurz bei dir bedanken, weil ich besonders in der letzten Zeit so viele Nachrichten bekommen habe, die mich bestärkt haben, dass das, was ich hier mache richtig ist.

Weil auch ich Momente habe, in denen ich an mir zweifle oder das Gefühl habe, dass ich eigentlich noch mehr machen müsste. Ich bin einfach überwältigt, wenn mir Frauen aber auch Männer schreiben, dass sie den Podcast empfohlen bekommen haben oder dass sie den Podcast einer Freundin oder einem Freund gezeigt haben.

Das macht mich unfassbar glücklich und dafür möchte ich einfach noch einmal Danke sagen. Danke für den Support, danke für die Unterstützung. Danke für diese Liebe, danke dass du hier dabei bist.

In der heutigen Podcastfolge möchte ich gerne über Beziehungen und Essstörungen sprechen. Mich selbst hat meine Essstörung in drei Beziehungen begleitet und ich weiß, wie unfassbar belastend das ist. Sowohl für einen selbst, als auch für den Partner – aber auch für die Beziehung an sich. Die Kommunikation, das Vertrauen, die Ehrlichkeit. All das leidet unter der Essstörung. Und deswegen möchte ich in dieser Folge erzählen, welche Erfahrungen ich in meinen Beziehungen gemacht habe und wie du einen guten Weg für dich und ihr einen guten Weg für euch findet, um mit diesem schwierigen Thema umzugehen.

Und vor allem möchte ich dich mit dieser Folge ermutigen ehrlich zu sein, wenn du das bislang noch nicht warst. Zu dir selbst und deinem Partner. Vielleicht bietet dir diese Folge auch eine neue Möglichkeit, um deinem Partner das zu sagen, was du wirklich fühlst, wenn du bislang noch nicht darüber sprechen konntest.

Natürlich geht es dabei nicht nur um eine Liebesbeziehung, sondern auch um Freundschaften und Familienbeziehungen. Wenn du also aktuell keinen Freund oder keine Freundin hast, bin ich mir trotzdem sicher, dass du aus dieser Folge ganz viel für dich mitnehmen kannst – denn die meisten der Dinge, die ich dir heute erzähle, gelten für jede Form der Beziehung. Egal ob partnerschaftlich, freundschaftlich oder familiär.

Und eine Sache, über die ich mit dir gleich zu Beginn sprechen möchte ist Ehrlichkeit. Weil eine Essstörung oft dazu führt, dass man alles andere als ehrlich ist.
Und das ist auch nichts, was man mit Absicht macht, sondern ein Teil der Krankheit. Das Verheimlichen. Ausreden zu erfinden. Dinge zu leugnen. Den Partner auszuschließen.

In einer Beziehung zu sein während man eine Essstörung hat, bedeutet oft ein Doppelleben zu führen. Zumindest war das bei mir so.
In meiner ersten Beziehung, die ich hatte, als ich schon krank war, habe ich die Essstörung von Beginn an geleugnet. Ich war zum damaligen Zeitpunkt schon sehr dünn und habe meinem Freund, den ich kennengelernt habe, zu diesem Zeitpunkt von Anfang an erzählt, dass ich von Natur aus so bin.

Und habe dann angefangen ihn anzulügen, wenn es ums Essen ging. Ich habe mir die komischsten Geschichten ausgedacht, warum ich nicht essen kann. Und das ist ja gerade was, was zum Anfang einer neuen Beziehung total schön ist. Zeit miteinander zu verbringen. Essen zu gehen. Sich kennenzulernen.

Aber ich war von Anfang an unehrlich und habe damit die Basis für eine gute Beziehung, nämlich Vertrauen, direkt ins Wanken gebracht. Beziehungsweise ich habe dafür gesorgt, dass sich dieses Vertrauen überhaupt nicht aufbauen konnte. Und das hat eine unglaubliche Distanz zwischen uns geschaffen.

Ich konnte mich auch einfach nicht öffnen. Weil ich viel zu viel Angst hatte, dass er das einfach absolut nicht versteht und mich für verrückt hält.

Im Laufe der Beziehung konnte ich die Essstörung dann nicht mehr verheimlichen später war dann ihm und seiner Familie klar, was mein Problem ist und ich habe der Essstörung vollen Raum in meiner Beziehung gegeben.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits eine Mauer um mich aufgebaut und niemanden an mich herangelassen. Ich habe mich emotional komplett verschlossen was natürlich pures Gift für eine zwischenmenschliche Beziehung ist.

Jede Beziehung, die man mit einem Menschen führt, der eine Essstörung hat, ist eine Dreiecksbeziehung. Die Essstörung ist immer da. Bei mir gab es kein „Mein Freund und ich“, sondern es war immer „Meine Essstörung und ich und mein Freund“.

Meine Essstörung hatte für mich immer Priorität und hat damit die Beziehung bestimmt. Und alles beeinflusst.
Es ist sehr schwer mit jemandem zusammen zu sein, der eine Essstörung hat. Weil man als Partner nie gegen die Essstörung „gewinnen“ wird. Egal was man macht.

Diese Krankheit bestimmt alles. Und als Partner wird man quasi vor die Wahl gestellt sich unterzuordnen und sich der Diktatur der Essstörung anzupassen oder sich zu trennen. Es sei denn, man findet gemeinsam einen Weg. Und man erkennt, dass diese Situation auch eine Möglichkeit bietet, um ganz viel über sich selbst aber auch über den anderen zu lernen.

Aber dafür braucht es Offenheit. Ehrlichkeit. Kommunikation. Emotionen.

Und das Traurige gerade in Beziehungen ist, dass die Essstörung eigentlich alle Gefühle abschirmt. Ich habe zu dem Zeitpunkt meiner ersten Beziehung fast nichts mehr gefühlt. Weder positive noch negative Gefühle. Ich konnte mich nicht mehr richtig freuen. Ich habe keine wirkliche Liebe gefühlt. Aber auch keine Enttäuschung oder Trauer. Alle Emotionen waren wie in Watte einpackt. Und die Beziehung war für mich eigentlich nebensächlich. Hätte mein Freund mich damals vor die Wahl gestellt, hätte ich mich ohne zu zögern für die Essstörung entschieden.

Weil die Essstörung sehr egoistisch ist und man auch gar nicht sehen kann, wie sehr man den anderen mit dem eigenen Verhalten eigentlich verletzt. Man ist da so in seiner eigenen Bubble, dass man das, was im Außen passiert gar nicht mehr wirklich wahrnimmt. Ich habe zu diesem Zeitpunkt nur an mich gedacht. Daran wie ich noch weniger essen oder noch mehr Sport machen kann.

Ich war quasi in einer Beziehung mit meiner Essstörung und mein Freund war halt einfach irgendwie auch da. Viel später in einem Gespräch hat mein damaliger Freund mir erzählt, wie schlimm es für ihn war mich so leiden zu sehen.

Wie schlimm es war, dass ich keine Hilfe zugelassen habe. Nicht mit ihm gesprochen habe. Dass er das Gefühl hatte, dass da eine Barriere zwischen uns war – die uns voneinander emotional getrennt hat. Es gab keine Möglichkeit zu mir durchzudringen.

Versuche dich mal in deinen Partner reinzuversetzen. Wie fühlt er sich? Oder wie fühlt sie sich? Was geht in ihm oder ihr vor, wenn du bestimmte Dinge zu ihm sagst? Oder, wenn du bestimmte Dinge tust.

Ich erinnere mich noch, dass mein Freund oft Kommentare zu meinem Süßstoffkonsum und meinem Essverhalten gemacht hat und ich dadurch einfach nur noch mehr dicht gemacht habe. Ich fand es damals unmöglich, dass er mir so etwas gesagt hat. Ich habe mich angegriffen gefühlt und konnte gar nicht sehen WARUM er das zu mir gesagt hat.

Weil ich aber so auf Abwehr und Verteidigung eingestellt war, konnte ich gar nicht erkennen, dass er mir einfach nur zeigen wollte, dass er sich Sorgen um mich macht. Wie würdest du reagieren, wenn du in einer Beziehung mit jemandem bist, der sich selbst mutwillig schlecht behandelt? Du würdest versuchen ihn davon abzuhalten? Oder du würdest ihm zumindest sagen, dass du das nicht gut findest. Dein Freund oder deine Freundin will dich mit den Sachen, die er oder sie sagt gar nicht angreifen, sondern dir einfach nur sagen, wie große Sorgen er oder sie sich macht. Auch, wenn du die Kommentare vielleicht als Angriff siehst. Ich kann dir relativ sicher sagen – es ist nicht so gemeint.

Ich weiß aus  Gesprächen mit Angehörigen, wie furchtbar hilflos sich viele fühlen. Weil sie nicht wissen, ob sie was sagen sollen und wenn ja was sie sagen sollen. Weil sie vielleicht auch nicht wirklich Bescheid wissen oder Angst haben das Falsche zu sagen.

Ich bin der Meinung, dass auch ein Partner oder eine Partnerin oder ein Freund Anspruch auf Hilfe hat. In einer Beziehung zu sein mit jemandem, der so krank ist, kann sehr belastend sein. Weil man sich ständig Sorgen macht. Überhaupt nicht weiß wie man helfen kann und den anderen auch gar nicht erreicht.

Es geht dabei auch gar nicht um Schuld. Und zu sagen: Du hast aber Schuld an dieser Situation. Überhaupt nicht. Sondern darum, dass auch dein Freund oder deine Freundin LERNEN muss damit umzugehen. Aber auch lernen muss sich abzugrenzen. Und vor allem lernen muss, die Krankheit zu verstehen.

Es gibt viele Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die explizit Hilfe für Angehörige anbieten. Ich kann jedem empfehlen so eine Gruppe zu besuchen und sich selber Hilfe zu holen, weil man einfach Unterstützung in so einer Situation braucht. Man braucht Unterstützung, um die Kraft zu haben den anderen zu unterstützen.

In der zweiten Beziehung, die ich während meiner Essstörung hatte, – oder eher – wegen der ich die Essstörung wieder hatte (ich bin nämlich mit Beginn der Beziehung rückfällig geworden) war ich mit jemandem zusammen, der mir konstant das Gefühl gegeben hat, dass ich nicht gut genug bin. Dass ich nicht richtig bin so wie ich bin. Dass ich nicht schön genug bin. Dass ich mich sowohl äußerlich als auch innerlich verändern muss, um geliebt zu werden. Dass ich keine Wertschätzung verdient habe. Und obwohl sich das ganz furchtbar anhört, konnte ich mich sehr lange nicht aus dieser Beziehung und nicht von dieser Person lösen.

Und warum ich finde, dass auch diese Geschichte einen Platz in der Podcastfolge verdient hat, ist – weil es bestimmte Beziehungen gibt, die dazu führen, dass du deine Essstörung nicht heilen kannst. Das kann die Beziehung zu deiner Mutter sein oder zu einer Freundin, einem Freund, deinem Partner. Aber es gibt bestimmte Arten von Beziehungen, die einen Anteil daran haben, dass wir es nicht schaffen die Essstörung loszulassen.

In meinem Fall hat mir diese Beziehung alle negativen Glaubenssätze und alle negativen Überzeugungen, die ich über mich hatte, täglich vor Augen geführt. Ich bin nicht liebenswert. Ich verdiene es nicht gut behandelt zu werden. So wie ich bin, bin ich nicht richtig. Diese Person, mit der ich damals zusammen war, hat einen Anteil in mir gespiegelt, was dazu geführt hat, dass ich komplett abhängig war.

Weil ich mir dadurch zum Teil auch die Bestätigung geholt habe, dass ich es nicht anders verdiene. Auch wenn es super schwer für mich war und sehr lange gedauert hat – ich konnte erst auf meinem Heilungsweg weitergehen, als ich mich von dieser Beziehung gelöst habe.

Das bedeutet nicht, dass du dich automatisch trennen sollst , aber vielleicht beobachtest du einfach mal in welchen Momenten deine Essstörung besonders laut wird.

Sind es Kommentare, die dein Partner macht? Situationen in denen du dich nicht gut fühlst? Gibt es Momente, in denen dich die Beziehung triggert? Vielleicht hilft es auch erst einmal Abstand zu nehmen und zu gucken, wie du dich fühlst. Wie geht es dir mit dieser Distanz? Mit dem Raum für dich?

Damit du dich fragen kannst: Wann tut mir diese Beziehung nicht gut? Wann fördert sie die Essstörung?

Ich weiß, wie unglaublich schwierig es sein kann, sich diese Frage zu stellen. Vielleicht, weil du es eigentlich tief in dir weißt, dass diese Beziehung dazu führt, dass du die Essstörung als Lösungsansatz brauchst. Aber vielleicht auch, weil du Angst hast die andere Person zu verletzen.

Es ist schon sehr schwer eine partnerschaftliche Beziehung aufzulösen, noch schwieriger ist es allerdings, wenn du merkst, dass eine Person in deiner Familie oder ein langjähriger Freund dich auf deinem Heilungsweg behindert.

Aber auch diese Entscheidung musst du nicht alleine treffen. Du kannst dir Hilfe holen und über deine Zweifel sprechen. Und zwar nicht mit jemandem der die andere Person kennt – sondern mit einem Berater oder einem Therapeuten, der, der ganzen Situation neutral gegenübersteht und von dem du nicht verurteilt wirst, wenn du ganz offen über das sprichst, was dich beschäftigt.

Es ist ganz wichtig, dass du verstehst, dass du nicht in einer Beziehung sein musst, wenn sie dir nicht guttut. Egal was andere Menschen im Außen denken oder was sie von dir erwarten. Es geht darum, dass du dich zur Priorität machst und entscheidest, was du brauchst und was für dich wichtig ist.

Die dritte Beziehung in der meine Essstörung eine Rolle gespielt hat, war eigentlich sehr schön. Zu dem Zeitpunkt als ich meinen damaligen Freund kennengelernt habe, war ich symptomfrei – hatte Normalgewicht und war eigentlich auf einem richtig guten Weg. Und die ersten Monate hatten wir auch eine wirklich tolle Zeit. Und dann ist etwas passiert, was einfach alles ins Wanken gebracht hat.

Ungefähr 5 Monate nachdem wir uns kennengelernt haben ging es meinem damaligen Freund seelisch sehr schlecht.
Ich möchte hier jetzt nicht darüber sprechen, was passiert ist, aber es war etwas, dass dafür gesorgt hat, dass ich plötzlich sehr überfordert und hilflos mit dieser ganzen Situation war.

Ich wollte ihn unterstützen, aber eigentlich war das alles viel zu viel für mich. Das konnte und wollte ich ihm aber nicht sagen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich stark sein muss und die Kontrolle behalten muss um für ihn da zu sein. Und deswegen habe ich relativ schnell auf meinen altbekannten Lösungsmechanismus zurückgegriffen. Ich habe angefangen weniger zu essen, dann habe ich angefangen mich wieder heimlich zu erbrechen. Und bin fast unmerklich rückfällig geworden.

Immer wenn mein Freund zur Arbeit gegangen ist, und ich alleine war, habe ich mich erbrochen. Ich habe mich nach Restaurantbesuchen erbrochen und nach dem wir am Wochenende gemeinsam gefrühstückt haben.

Ich habe damals versucht meine Essstörung komplett vor meinem Freund geheim zu halten. Sowohl meine Vergangenheit, als auch meinen Rückfall

Was ich gemacht habe, ist dass ich ihm immer wieder nebenbei erzählt habe, wie wenig ich gegessen habe oder, dass mir schwindelig ist.

Und ich glaube, dass das zum einen ein Hilferuf von mir war, aber ich damit auch von ihm gesehen werden wollte. Dadurch dass mein damaliger Freund so am Boden zerstört war, gab es überhaupt keine Möglichkeit für mich, gesehen und wertgeschätzt zu werden. Ich bin der Meinung, dass dieser Rückfall auch eine Art war ihm zu sagen: Kümmere dich um mich. Ich bin auch noch hier.

Von der Bulimie habe ich zu dem Zeitpunkt nicht erzählt. Weil meine größte Angst war, dass mein Partner mich dann ablehnt oder sich vor mir ekelt. Und weil es super schwierig ist, jemandem zu erklären, warum man erst einkaufen geht um sich anschließend zu erbrechen.

Ich erinnere mich noch, dass ich irgendwann einen Essanfall hatte und mich erbrochen habe, während plötzlich spontan mein Freund an der Tür geklingelt hat. Ich habe mir einen Bademantel übergezogen und so getan, als hätte ich geduscht. Hatte ich natürlich nicht. Meine Haare waren trocken und mein Freund dachte darauf hin ich wäre fremdgegangen und würde jemanden in der Wohnung verstecken.

Das ist so krass, weil ich es eher in Kauf genommen habe, dass er denkt, dass ich ihn betrüge, als dass er von der Bulimie erfährt.

Und das war auch ein Moment in dem ich gemerkt habe, wie weit die Essstörung uns einfach von einander entfernt. Und das es langfristig nicht möglich sein wird, diese Beziehung weiterzuführen, wenn ich die Essstörung habe.  Das hatte ich ja schon in der ersten Beziehung.

Eine Sache, die alle diese drei Beziehungen gemeinsam hatten war die Unehrlichkeit. Das Lügen. Ausreden zu erfinden. Ausflüchte zu suchen. Sich nicht vertrauen zu können. Nicht ehrlich zu sein. Und da ist ja auch eine Charakteristik der Essstörung.

Aber eigentlich bildet Ehrlichkeit die Basis für jede Form der Beziehung. Und wenn du in deiner Beziehung nicht über deine Essstörung sprechen kannst, dann wird es langfristig nicht funktionieren.

Ich habe damals meinen Freund um ein Gespräch gebeten. Ich glaube ich hatte noch nie so große Angst vor einem Gespräch. Nicht vor einem Bewerbungsgespräch oder einem Trennungsgespräch.  Für mich war es ganz wichtig, dass es nichts ist, was zwischen Tür und Angel stattfindet, sondern etwas wofür man sich wirklich Zeit nimmt.
Aus eigener Erfahrung würde ich dir empfehlen, das Gespräch irgendwo zu machen, wo ihr wirklich ungestört seid und euch aufeinander konzentrieren könnt.
Und gerade bei so einem Thema ist es wichtig, dass das Handy ausbleibt.

Wenn du vielleicht Angst vor der Reaktion deines Partners hast, dann kannst du auch gemeinsam mit ihm oder ihr zu einer Beratungsstelle gehen, wo eine dritte neutrale Person dir emotionalen Rückhalt bieten kann.

Es ist wichtig, dass du verstehst, dass dein Freund, deine Freundin oder deine Mutter nicht deine Therapeutin ist. Diese Menschen können dich auf deinem Heilungsweg unterstützen, aber sie sind keine Therapeuten oder professionellen Berater und vor allem können Sie dich nicht gesund machen.

Es ist nie eine gute Idee Partnern oder Freunden diese Verantwortung aufzuladen. Das bedeutet aber nicht, dass du keine Wünsche äußern kannst, wie dein Partner dich unterstützen kann.

Überlege dir am besten vor dem Gespräch: Was könnte mein Partner tun um mir zu helfen? Vielleicht Ablenkung? Vielleicht ein Gespräch? Oder einfach nur eine Umarmung?

Wie kann mein Partner mich in einer schwierigen Situation darauf hinweisen, dass er mit bestimmten Aktionen nicht einverstanden ist? Hilft es mir  ihn besser zu verstehen, wenn er mir sagt, wie viele Sorgen er sich macht? Oder vereinbart ihr ein kleines Zeichen, wenn du essgestörte Verhaltensweisen ausleben willst?

Auch wenn es vielleicht am Anfang besser klingt, aber es wird dir nicht helfen wenn dein Partner die Essstörung still schweigend akzeptiert. Es ist wichtig darüber zu sprechen.  Wie könnt ihr Regeln am besten festlegen? Zum Beispiel wenn es ums Essen geht. Oder um Kommentare die deinen Körper betreffen.

Ich glaube, dass es für einen Partner auch super hilfreich sein kann, zu wissen, welche Kommentare verletzen. Was sollte ich vielleicht lieber nicht sagen?
Du siehst gesund aus zu Beispiel. Oder: Ich finde es toll, dass du so schnell zugenommen hast. Oder: Endlich isst du wieder richtig.

Das wirkt für Außenstehende vielleicht sogar wie ein Kompliment, aber für jemanden der gerade auf dem Heilungsweg ist, fühlt sich das einfach wie eine Ohrfeige an.  Aber darüber muss man sprechen. Woher soll der andere das sonst wissen?

Vielleicht hilft es auch dieses Gespräch ebenfalls bei einer Therapeutin zu führen. Denn jemand der fachlich so gut aufgestellt ist, kann euch einfach noch einmal ganz anders helfen und auch neue Tipps geben.
Communication is key. Reden hilft. Und zwar immer wieder.

Abschließend möchte ich gerne noch ein paar Fragen beantworten, die mich zu dem Thema erreicht haben:

  • Was kann man machen, wenn der Partner es einfach nicht versteht?  Ich glaube es ist völlig normal, dass dein Partner dich nicht versteht. Um es zu verstehen muss man es nachvollziehen können und eine Essstörung ist alles andere als logisch oder nachvollziehbar.  Ein Außenstehender kann die Essstörung nicht verstehen. Auch hier glaube ich, dass es wichtig ist immer wieder miteinander zu sprechen. Frag deinen Partner was er nicht versteht und versuche ihm zu erklären was in dir vorgeht.
  • In welchem Maße soll ich den Partner mit einbeziehen?  Wie bereits erwähnt, glaube ich, dass es wichtig ist ehrlich zu sein und miteinander zu sprechen. Allerdings ist dein Partner nicht dein Therapeut. Er kann dich unterstützen, aber er ist nur bis zu einem bestimmten Grad dafür verantwortlich dir zu helfen. Besonders, wenn man zusammen wohnt führt kein Weg daran vorbei, als den Partner miteinzubeziehen.
  • Wie kann ich mit der Angst umgehen, nicht mehr attraktiv zu sein, wenn ich zunehme?  Die Angst, dass du nicht mehr attraktiv bist, ist deinem Kopf. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass ich tatsächlich mit der Gewichtszunahme attraktiver für meinen Freund geworden bin. Das hat er mir auch gesagt. Und zwar nicht nur, weil mein Körper sich verändert hat, sondern vor allem auch, weil ich plötzlich viel lebendiger und witziger war. Wir fokussieren uns immer so auf unser Äußeres, wenn es um die Gewichtszunahme bei der Essstörung geht. Aber es gibt einfach unfassbar vieles Positives, was durch diese Veränderung stattfinden kann. Ihr könnt gemeinsam essen gehen, kochen, Fernsehabende mit Snacks machen. Du hast Energie um Zeit mit deinem Freund zu verbringen. Du hast Platz im Kopf für neue Ideen. Du kannst plötzlich wieder Emotionen wahrnehmen. Du nimmst nicht nur Gewicht zu. Du nimmst Lebensfreude zu. Und das ist so viel attraktiver als alles was man sich sonst vorstellen kann.

Ich hoffe, dass dir die heutige Podcastfolge gefallen hat und dass du für dich ganz viele neue Erkenntnisse und Denkanstöße mitnehmen konntest. Teile sie gerne mit Menschen, bei denen du glaubst, dass ihnen diese Podcastfolge hilft.

 

Ich freue mich wie immer auf dein Feedback und deine Nachricht via Instagram oder über das Kontaktformular auf meiner Website.

Bis zur nächsten Podcastfolge sage ich dir: Du bist auf dem richtigen Weg.

 

Alles Liebe, deine Oona

 

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