#34 Journaling: Wie du Schreiben für Heilung und Wachstum nutzen kannst

 

Ich möchte mit dir in dieser Folge teilen, wie dir Schreiben helfen kann, unabhängig davon ob du eine Essstörung hast oder nicht, denn ich bin der Meinung, dass Schreiben als Tool einfach so unfassbar wertvoll und wichtig ist, weil es dir hilft in gewisser Weise kurz innezuhalten und eine Außenperspektive einzunehmen. Insbesondere deswegen, weil du das Aufgeschriebene wirklich schwarz auf weiß vor dir hast und dann sogar später noch einmal in den Moment zurückgehen und feststellen kannst, wie du dich entwickelt hast und wie sich dein Mindset verändert hat.

 

Zum anderen möchte ich dich gerne in dieser Podcastfolge mit in meine Vergangenheit nehmen. Das ist eine ganz, ganz persönliche Podcastfolge, weil ich mich dazu entschlossen habe, dass ich gerne einige Tagebucheinträge aus meinen Tagebüchern mit ihr teilen möchte. Ich habe hier zwei Tagebücher liegen, eins, was ich während meiner Essstörung geführt habe. Und das andere Tagebuch ist eins, was ich geführt habe, als ich quasi auf meinen spirituellen Weg gegangen bin und als ich kurz davor war, den oonamaste-Podcast zu launchen. Ich möchte dir einfach so einen Einblick geben in meine innere Gefühlswelt, dir auch zeigen, wie wertvoll es für dich sein kann, wenn du anfängst, regelmäßig deine Gedanken aufzuschreiben.

 

Weil du langfristig deinen Entwicklungsprozess begutachten und sehen kannst, dass du einfach unfassbar viel über dich lernst. Wenn du mir auf Instagram folgst, dann weißt du vielleicht, dass ich mir für den November eine eigene Challenge gesetzt habe und dich jetzt und hier noch einmal einladen möchte mitzumachen.

 

Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag meine Gedanken aufzuschreiben und mir jeden Tag mir fünf Minuten Zeit zu nehmen, um das, was in meinem Kopf passiert, zu reflektieren. Um ehrlich zu sein, ist da aktuell ziemlich viel los und manchmal ist es einfach gut die Geister, die einem im Kopf herumschwirren aufs Papier zu verbannen.

 

Es gibt im Endeffekt zwei Arten Tagebuch zu schreiben. Du kannst Tagebuch schreiben, um täglich zu reflektieren und um dich zu fragen: „Wie geht es mir? Wie geht es meinem Körper? Was beschäftigt mich aktuell? Wofür bin ich dankbar? Was war vielleicht mein Erfolgserlebnis? Was möchte ich morgen Schönes für mich machen?“ Das heißt, du kannst bestimmte Fragen nutzen, um immer wieder einen kleinen Check-In mit dir selber zu machen und wahrzunehmen wie es dir geht und welche Themen dich beschäftigen. Oftmals ist es so, dass die Frage „Wie geht's mir?“ relativ schnell mit „gut“ oder „Keine Ahnung!“ beantwortet wird.

 

Das kennen wir ja auch, wenn wir mit Leuten sprechen und wir gefragt werden und ohne nachzudenken antworten: „Ja, passt alles.“ Und wie geht's dir wirklich? Das ist nämlich die Frage, die danach kommt. Wie geht's dir wirklich? Es ist am Anfang vielleicht auch schwierig, weil du üben musst mit dir selber in Kontakt zu kommen und wirklich zu spüren, wie es dir gerade geht. Und sich nicht mit dem erstbesten Gefühl abspeisen zu lassen, sondern wirklich in sich hinein zu spüren. „Was ist eigentlich los in mir jetzt in diesem Moment? Bin ich gestresst? Hab ich Sorgen? Bin ich vielleicht ängstlich? Wie fühlt sich mein Körper an? Ist er vielleicht verspannt oder ist er steif oder? Bin ich kurz davor meine Tage zu bekommen, fühle ich mich total unwohl in meinem Körper. Wie geht es mir körperlich und wie geht es mir seelisch?

Ich habe auch schon in einer anderen Podcastfolge darüber gesprochen, dass diese Frage „Wie gehts mir?“, in gewisser Weise so ist, als wenn du morgens auf deine Wetter-App guckst um zu prüfen ob du einen Regenschirm einpacken solltest. Muss ich eine Packung Taschentücher einpacken?

 

Wenn du nämlich weißt, dass heute ein Tag ist, an dem du sehr nah am Wasser gebaut bist, dann kannst du im Laufe des Tages, wenn Situationen kommen, die dich aus der Bahn werfen, viel verständnisvoller mit dir sein, weil du weißt, dass deine allgemeine Verfassung heute nicht so gut ist. Und das ist okay, dieses Wissen hilft dir dabei nachsichtiger zu sein.

 

Es gibt zwei Arten ein Journal zu nutzen. Du kannst entweder morgens oder abends deine Gedanken aufschreiben. Wenn du morgens schreibst, dann bereitet dich die Frage „Wie geht's mir?“ auf deinen Tag vor. Wenn du Abends Tagebuch schreibst, dann blickst du auf den vergangenen Tag zurück und kannst nochmal reflektieren, wie es dir heute eigentlich ging.

 

Oft ist es so, dass unsere Tage so vollgestopft sind mit Aktivitäten, dass wir überhaupt gar keine Zeit haben um uns zu beobachten und zu reflektieren, welche Situationen heute eigentlich stattgefunden haben. Wie habe ich mich mit ihnen gefühlt und wie habe ich vielleicht auch reagiert? Wie verhalte ich mich? Was sind Dinge, die mich vielleicht triggern? Was sind Situationen, in denen ich mich unwohl fühle? Mit welchen Menschen fühle ich mich gut? Mit welchen Situationen fühle ich mich gut? Was sind Momente, die mir ein gutes Gefühl geben? Was hilft mir, wenn ich gestresst bin?

 

Das sind alles Fragen, die wir uns stellen können, um uns besser wahrzunehmen, denn wenn wir uns selber nicht wahrnehmen, dann können wir uns nicht entwickeln.

 

Ich merke, dass ich mich selber aus den Augen verliere, wenn ich viel zu tun habe, weil mir die Zeit fehlt um zu reflektieren. Und obwohl ich unglaublich viel mache, bleibe ich in meinen eigenen Mustern und Glaubenssätzen gefangen, weil ich mir nicht die Zeit nehme um mich zu beobachten.

 

Wenn du dir regelmäßig Zeit nimmst, um deine Gefühle wahrzunehmen, deine Gedanken aufzuschreiben, Situationen zu reflektieren, und deine eigene Reaktion zu beobachten, dann fängt dein Gehirn an, auch im Verlauf des Tages unterbewusst arbeiten. Wenn du dir zum Beispiel in deiner Reflektion die Frage nach deinem Erfolgserlebnis stellst, dann fängst du im Verlauf des Tages an, bestimmte Situationen als Erfolge wahrzunehmen, weil du quasi schon während des Tages darauf konzentriert bist, diese Frage abends zu beantworten. Auf einmal stellst du fest, dass es sehr viele Erfolgserlebnisse in deinem Leben gibt.

 

Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht, als ich mich für einen gewissen Zeitraum explizit auf meine Erfolgserlebnisse konzentriert habe. Anfangs fiel es mir so schwer meine eigenen Erfolge wahrzunehmen, was nicht in erster Linie daran lag, dass es keine gab, sondern daran, wie ich Erfolg definiert habe. Als ich anfing auch kleine Erfolge anzuerkennen, konnte ich sehen, wie viele Erfolge es eigentlich gab. Einen Spaziergang zu machen, die eigene Mutter anzurufen, etwas Schönes zu kochen. Das sind alles Erfolge und das sind alles Sachen, auf die du stolz sein kannst. Wenn du regelmäßig darüber schreibst, dann fallen dir Erfolge viel leichter auf. Genauso ist es mit Dankbarkeit, denn wenn du dir die Frage stellst: Wofür bin ich dankbar? Dann führt das dazu, dass du in deinem Alltag allgemein dankbarer wirst, weil du anfängst Dinge zu sehen, die zwar vorher da waren, aber die du einfach nicht wahrnehmen konntest, weil dein Gehirn nicht auf Dankbarkeit ausgerichtet war.

 

Ich mach jetzt seit einer Woche die Journal-Challenge, die ich den ganzen November machen werde und kann schon jetzt feststellen, wie groß die Veränderungen sind, die dadurch stattgefunden haben.

 

Zum Einen, weil ich mich selber zur Priorität mache und ich mir wirklich diese fünf Minuten Zeit nehme. Das hat etwas mit Selbstfürsorge zu tun, sich zu sagen: „Meine persönliche Entwicklung und meine seelische Gesundheit hat Priorität für mich.“

 

Jetzt in dieser Zeit, in der unser Kopf so voll ist und in der wir Angst haben, in der wir erschöpft sind, in der wir nicht mehr wissen, wie wir weitermachen sollen, grade jetzt ist es so wichtig, das rauszuschreiben. Du kannst dein Journal nutzen um dir aus einem Fragengerüst eine Reflektionsroutine zu bauen, die du dir immer wieder stellst oder die du vielleicht mal variierst.

 

Du kannst Schreiben auch nutzen, um deinem Herzen Platz zu machen, um deiner Seele Platz zu machen.

 

Ich hab mich früher immer geärgert, weil ich mir meine Tagebücher angeguckt habe und feststellen musste, dass ich einfach immer nur Tagebuch geschrieben habe, wenn es mir schlecht ging, weil ich mich doch auch an die schönen Dinge erinnern wollte. Aber  mittlerweile habe ich für mich festgestellt, dass es bei einem Tagebuch nicht darum geht, schöne Erinnerungen festzuhalten. Zumindest nicht so, wie ich das mache. Das  Journal ist ein Hilfsmittel, um in schwierigen Situationen nicht unterzugehen, weil ich einem Tagebuch völlig ungefiltert mein ganzes Herz ausschütten kann nicht dafür bewertet  werde. Besonders in der Zeit der Essstörung hat es mir sehr geholfen, Tagebuch zu schreiben, weil ich mich teilweise mit meinen Gedanken und Ängsten so alleine gefühlt habe und  gar nicht wusste, wie ich das schaffen soll. Diese Dinge in ein Tagebuch zu schreiben, sorgt dafür, dass bei dir im Kopf Prozesse angestoßen werden und dass du anfängst dich aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

 

Sobald du Gedanken  aufgeschrieben hast,  arbeiten die oft unterbewusst noch in dir weiter und du fängst an, im Verlauf des Tages oder am nächsten Tag darüber nachzudenken und ganz automatisch zu reflektieren. Schreiben ist so heilsam, weil du die Gedanken aus  deinem Kopf aufs Papier bringst und sie quasi vom Papier wieder in einer anderen Form in deinen Kopf zurückbringen kannst. In einer Form, die reflektiert ist und in einer Form, in der du was über dich selber lernen kannst.

 

Der Hauptpunkt beim Schreiben ist, dass du  unfassbar viel über dich selber lernen kannst und dafür  musst du keine spezielle Routine einhalten.

 

Ich hatte mal ein Tagebuch, da waren täglich sechs oder sieben Fragen vorgegeben. das hat mich teilweise so unter Druck gesetzt, weil ich das Gefühl hatte, ich muss jetzt da irgendetwas reinschreiben. Teilweise war ich total gestresst, wenn ich an einem Tag mal nichts Schönes für mich gemacht hatte, weil dieses Feld dann leer blieb. Deswegen habe ich krampfhaft versucht  irgendetwas zu finden, was ich da reinschreiben konnte. Schlussendlich hab ich mit diesem Tagebuch aufgehört, weil es gar nicht mehr darum ging, wirklich meine Gedanken aufzuschreiben oder zu reflektieren, sondern nur noch irgendwas auszufüllen, damit das Buch am Ende voll ist.

Ich habe festgestellt, dass es für mich eigentlich am besten ist, wenn ich ein leeres Buch habe, in das ich reinschreiben kann, was ich möchte.

 

Du kannst das Tagebuch so nutzen, wie es für dich richtig ist, so wie du es brauchst. Du musst kein spezielles Buch kaufen oder irgendwelche Schnörkel malen

Es reicht, wenn du einfach das aufschreibst, was gerade in deinem Kopf ist, wenn die Frage einfach ist: Wie geht's mir?  Denn alles andere macht nur Druck und führt dazu, dass du keine Lust mehr hast Tagebuch zu schreiben.

 

Ich hoffe, dass dir dieser kleine Einblick in meine emotionale Welt gefallen hat und dass du jetzt verstanden hast, warum Schreiben so unfassbar hilfreich sein kann, weil du durchs Schreiben heilen und wachsen kannst. Es ist völlig egal in welches Buch du schreibst oder welchen Stift du benutzt. Es geht einfach nur darum, dass es dir hilft.

 

Falls du es nicht sowieso schon machst, freue ich mich, wenn du die kommenden drei Wochen mit mir zusammen an der Journal Challenge im November teilnimmst alle Infos dazu findest du auf Instagram.

 

Ich hoffe, dass wir uns bei der nächsten Podcastfolge wiederhören und sage dir bis dahin: Du bist auf dem richtigen Weg.

 

Alles Liebe,

deine Oona

 

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