#40 Perfektionsstreben und eigene Ansprüche: Was dir hilft inneren Leistungsdruck loszulassen

Heute möchte ich mich gerne einem Thema widmen, dass mich schon sehr lange begleitet, mittlerweile nicht mehr ganz so stark, aber ich spüre, dass das immer noch da ist. Ich möchte heute mit dir über Perfektionismus sprechen, über inneren Leistungsdruck und das Gefühl, dass es eigentlich immer noch besser geht.

 

Wie du wahrscheinlich mittlerweile weißt, kommen alle Podcastfolgen, die ich hier teile aus der Mitte meines Herzens und deswegen werde ich auch heute wieder von mir und meinen eigenen Erfahrungen mit Perfektionismus und Leistungsdruck erzählen. Ich spreche darüber, wie ich für mich herausgefunden habe, woher dieses Gefühl kommt, perfekt sein zu müssen und auf der anderen zu spüren, dass es aber trotzdem nie reicht.

 

Und das Witzige war, dass während ich diese Folge für mich strukturiert habe, ich so über mich selber schmunzeln musste, weil ich natürlich den Anspruch hatte, sie perfekt zu machen und dir so viele Informationen wie möglich mitzugeben, womit wir auch gleich beim Thema wären.

 

Denn natürlich ist es so, dass meine eigenen Ansprüche immer noch sehr hoch sind und ich Dinge wirklich gut machen möchte – aber anders als früher kann ich mittlerweile viel nachsichtiger sein, wenn es vielleicht mal nicht so gut klappt und weiß auch wann es sich lohnt sich wirklich anzustrengen.

 

Heute erzähle dir wie ich in der Vergangenheit unter meinen eigenen Ansprüchen gelitten habe, was das mit meiner Essstörung zu tun hatte und wie ich diesem Druck immer noch besser zu werden mittlerweile begegne.

 

Vielleicht hast du es auch schon einmal gehört, dass ein großer Anteil von Frauen oder Männer die Essstörungen haben, gleichzeitig auch sehr perfektionistisch sind – quasi unter Perfektionismus leiden.

 

Das fängt an bei der Erledigung bestimmter Aufgaben und geht bis zum perfekten Hungern und diesem Idealbild vom perfekten Körper. Ich habe mich aufgrund meiner eigenen Vergangenheit und auch auf meinem Heilungsweg der Essstörung sehr viel mit dem Thema Perfektionismus auseinandergesetzt und möchte das, was ich mittlerweile darüber weiß, gerne heute mit dir teilen., weil diese Erkenntnis, wie Perfektionismus zum einen mit meiner Essstörung aber zum anderen auch mit meinem Selbstwert und meiner Vergangenheit zusammen hing einfach so mind-blowing war.

 

Ich glaube, dass wenn du diese Verbindung erkennst und mutig genug bist da genau hinzugucken, du verstehen kannst – welche Schritte es braucht um deinen Perfektionismus langfristig aufzulösen und einen guten Umgang mit deinen eigenen Erwartungen zu bekommen.

Deswegen erkläre ich dir anhand meiner Geschichte, wie du für dich herausfinden kannst, woher dein Streben nach Perfektion kommt und was dir dabei helfen kann, deinen inneren Leistungsdruck Stück für Stück loszulassen.

 

Ich habe für mich zwischenzeitlich eine ganz klare Abfolge entwickelt, wenn es darum geht bestimmte Dinge für mich zu bearbeiten oder mich persönlich weiterzuentwickeln. Die drei Bausteine, die ich nutze, um schwierige Themen aufzulösen sind: Wahrnehmen, Reflektieren und Handeln.

Im ersten Schritt versuche ich mich selber zu beobachten und zu gucken: Was ist eigentlich die Ausgangssituation? Wo stehe ich und wo komme ich her?

Der zweite Schritt ist dann in die Reflexion zu gehen und mich selber zu fragen: Warum verhalte ich mich so? Was sind meine Handlungsmotive?

Und im dritten und letzten Schritt versuche ich dann anzufangen, mein ursprüngliches Verhalten zu verändern und in eine positive Richtung zu lenken.

 

Als ich mich also das erste Mal ernsthaft mit meinem eigenen Perfektionismus auseinandergesetzt habe, musste ich mich selber fragen, welches meine früheste Erinnerung im Zusammenhang mit innerem Leistungsdruck ist. An welche Situation kann ich mich erinnern, in der ich das Gefühl hatte perfekt sein zu müssen? Ab welchem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl nicht gut genug zu sein?

 

Bei mir ist das sogar relativ früh der Fall gewesen, ich erinnere mich, dass ich bereits im Grundschulalter sehr hohe Ansprüche an meine eigenen Leistungen hatte und mich selber damit unter Druck gesetzt habe. Ich weiß, dass es eine Situation in der dritten Klasse gab, und zwar als ich das erste Mal eine 3 in Mathematik geschrieben habe. Das ist objektiv betrachtet überhaupt nicht schlimm – aber für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen. Ich weiß noch ganz genau, wie ich nur mit Mühe meine Tränen zurückhalten konnte und absolut am Boden zerstört war. Und ich war damals 8 oder 9 Jahre alt.

 

Es gab keinen äußeren Erwartungsdruck, dass meine Eltern gesagt hätten: Du musst immer Einsen schreiben. Das war mein eigener Druck. Mein eigener Anspruch an mich, weil ich das Gefühl hatte, dass ich nicht gut genug bin. Dann erinnere ich mich an eine andere Situation, in der ich mit ungefähr 11 Jahren auf einen Kindergeburtstag eingeladen war und ich einfach nicht hingegangen bin, weil wir Minigolf spielen wollten und ich das bis zu dem Zeitpunkt noch nie gemacht hatte. Und ich so Angst davor hatte, dass ich nicht perfekt bin oder dass ich Fehler mache und die anderen Kinder über mich Lachen.

Und ich würde diese kleine Oona von damals einfach so gerne in den Arm nehmen und ihr sagen, dass sie genauso richtig ist und dass es okay ist Fehler zu machen. Dass man nicht alles perfekt können muss.

 

Aber dieses Gefühl nicht gut genug zu sein, hat sich wirklich von da an viele Jahre durch mein ganzes Leben gezogen. Das fing an bei schulischen Leistungen bis hin zu Vergleichen mit Freunden. Ich habe das schon einmal in einer anderen Podcastfolge erzählt, dass ich damals für mein Abi gelernt habe, als würde mein Leben davon abhängen. Ich hatte so unfassbare Angst, dass ich es nicht schaffe. Und dass ich quasi dadurch bloßgestellt werde, weil andere viel besser sind als ich. Genauso in meinem Studium. Ich habe wie eine Besessene gelernt, weil ich dachte, dass es eine absolute Katastrophe wäre irgendeine Klausur wiederholen zu müssen oder vielleicht sogar durchzufallen.

 

Und ja, natürlich hatte dieses Streben nach Perfektion und der innere Leistungsdruck zur Folge, dass ich ein sehr gutes Abi und einen sehr guten Bachelorabschluss gemacht habe. Aber zu welchem Preis? Genaugenommen, war nämlich auch die Essstörung ein Ausdruck meines Perfektionismus. Perfekt zu Hungern. Die Kontrolle zu behalten und die Ansprüche an mich selbst immer weiter zu steigern und nebenbei natürlich weiterhin alles zu schaffen, was andere Menschen mit Nahrung auch schaffen. Sport machen, sehr gute schulische Leistungen bringen, die perfekte Freundin sein. Funktionieren und die eigenen Bedürfnisse zurückstellen.

 

Den Preis, den ich gezahlt habe, um nach Außen perfekt zu wirken, das war nicht nur meine Gesundheit, sondern auch, dass ich jegliche Form von Spontanität und Flexibilität verloren hatte. Dass selber konstant am Limit war, weil Perfektionismus auch bedeutet, dass man seine eigenen Bedürfnisse ignoriert.

 

Bei mir hat sich das unter anderem auch noch lange nach meiner Essstörung darin geäußert, dass ich mir selber keine Ruhe gönnen konnte. Das fing schon damit an, dass ich mir selbst am Wochenende einen Wecker gestellt hab, um möglichst produktiv zu sein und viel zu schaffen. Ich habe quasi immer vier verschiedene Dinge gleichzeitig gemacht, weil ich mir selber diese Entspannung nicht erlauben konnte. Einfach mal nichts zu tun und zu sein. Auszuschlafen. Am Sonntag den ganzen Tag im Bett zu liegen oder auf der Couch zu lesen.

 

Meistens ist es so, dass Menschen, die Perfektionismus anstreben, das Gleiche auch von ihren Mitmenschen erwarten. Das ist übrigens noch ein Grund, warum es wichtig ist, deine inneren Ansprüche an dich selber loszulassen, damit du andere Menschen mit ihren Fehlern und Eigenarten akzeptieren kannst.

 

Mich hat es damals rasend gemacht, wenn meine Mitschüler bei Gruppenarbeiten Plakate nicht so gemalt haben, wie ich mir das vorgestellt habe – was zur Folge hatte, dass ich alles alleine gestalten musste. Wenn du deinen Partner ständig dafür kritisierst, wie er beim Kochen das Gemüse schneidet, dann kann es einfach passieren, dass er irgendwann keine Lust mehr hat, dir zu helfen. Been there, done that. Und deswegen ist es umso wichtiger, dass du dich mit diesem Thema auseinandersetzt, weil die Nachsicht mit dir selber, dir auch dabei helfen kann mit deinen Mitmenschen nachsichtiger zu sein.

 

Das Problem mit Perfektionismus ist, dass er von unserer Gesellschaft nicht als Problem gesehen wird. Was für ein Paradoxon. Denn für Perfektionismus wird man genauso wie für Kontrollstreben anerkannt. Wenn jemand die Kontrolle verliert, sich eine Auszeit nimmt und Fehler macht, dann wird einem wahrscheinlich niemand auf die Schulter klopfen und sagen: Das hast du aber toll gemacht.

 

Und deswegen ist das nicht nur ein persönliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Allerdings konzentrieren wir uns erst einmal auf das, was wir selber verändern können. Und wenn jeder das für sich selber in einem neuen Licht sieht, dann haben wir eine gesamtgesellschaftliche Veränderung.

Vielleicht erkennst du jetzt ganz klar in deinem Alltag, an welchen Punkten dich dein Perfektionismus einschränkt und wie sehr du eigentlich unter deinen inneren Ansprüchen leidest.

 

Die Frage, die wir uns stellen müssen, um das zu verändern ist: Warum? Warum ist das so? Woher kommt also dieser Drang perfekt zu sein? Oder dieses Gefühl immer mehr leisten zu müssen?

 

Kein Baby kommt auf die Welt und denkt:" Ich muss perfekt sein, weil ich sonst nicht geliebt werde ", sondern es gibt immer einen Grund oder einen Anlass, der dazu führt, dass man ab einem bestimmten Punkt im Leben glaubt, dass man eben nicht so gut ist wie man ist oder dass man besser sein muss.

 

Vielleicht ist es so, dass du diesen Punkt für dich ganz klar ausmachen kannst, bei mir war das zum Beispiel die Trennung meiner Eltern als ich ungefähr 6 war, oder du stellst fest, dass es unterschiedliche Ereignisse in deinem Leben gab, die diese Überzeugung, die du über dich selber hast, verursacht oder sogar verstärkt haben. Bei mir war das unter anderem auch die Tatsache, dass mein Vater auswandert ist, als ich 10 Jahre alt war und ich mir selber ganz lange dafür die Schuld gegeben habe. Und natürlich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht verstehen konnte, warum er von mir weggeht und die logische Schlussfolgerung eines 10-jahre alten Kindes ist: Ich bin schuld. Ich bin nicht gut genug. Ich muss mehr tun und besser sein um geliebt zu werden.

 

Es kann ja auch sein, dass dir tatsächlich von Außen das Gefühl vermittelt wurde, dass du nicht gut genug bist. Vielleicht, weil du das älteste Kind in deiner Familie bist und dich nie gesehen gefühlt hast oder weil du mit anderen Geschwistern verglichen wurdest.

Vielleicht haben deine Eltern dir auch nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die du gebraucht hättest, weswegen du versucht hast so perfekt wie möglich zu sein, um geliebt zu werden.

 

Egal, welche Situation auftaucht, versuche Sie nicht zu bewerten. Es geht auch nicht darum jemandem die Schuld daran zu geben, sondern dass du für dich erkennen kannst, dass dieser Drang perfekt zu sein einen Grund hat. Und das du die Möglichkeit das, das zu verändern.

 

Diese hohen inneren Ansprüche haben auch ganz viel mit dem eigenen Selbstwertgefühl zu tun.

 

Wenn ich selber, aus welchem Grund auch immer, das Gefühl habe nicht gut genug zu sein, dann versuche ich natürlich alles, um mich selber und andere vom Gegenteil zu überzeugen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht geliebt werde, dann mache ich natürlich ganz viel, damit andere mich toll finden.

Wenn ich das Gefühl habe, dass ich perfekt sein muss, dann strenge ich mich total an, um ja keinen Fehler zu machen.

 

Das Problem daran ist, das dieser Weg nicht zur Lösung führt. Egal wie sehr du dich anstrengst, egal wie sehr du dich bemühst, DU selber wirst es nicht fühlen.

Vielleicht kriegst du die Bewunderung und Bestätigung von Außen, aber wahrscheinlich wirst du sogar denken, dass das überhaupt nicht stimmt. Weil du es nicht spüren kannst. Diese Liebe, diese Zufriedenheit, diese Genugtuung etwas gutzumachen.

 

Ich weiß, wovon ich rede. Ich konnte meine eigenen Erfolge sehr lange Zeit nicht anerkennen, geschweige denn, mich freuen. Weder über mein Abi, noch über meinen Bachelorabschluss und auch nicht über die ganzen anderen Dinge, dich ich erreicht habe. Ich habe das auch gar nicht gefeiert, weil ich das Gefühl hatte: „Das hätte ja jeder gekonnt.“ Ist natürlich Schwachsinn. Aber ich hatte nicht das Gefühl, stolz auf mich sein zu können. Und erst jetzt im Nachhinein kann ich sehen, wie viel ich da geleistet habe und wie wahnsinnig viel Arbeit das eigentlich war.

 

Du kannst verdammt stolz auf dich sein. Und du bist wertvoll ohne etwas dafür zu tun. Wenn jetzt dein erster Impuls ist, deine eigenen Erfolge kleinzureden, solltest du unbedingt weiterhören, denn ich möchte dir jetzt erklären, was dir helfen kann, um einen Weg aus deinem eigenen Perfektionismus zu finden.

Wie du vielleicht weißt, bin ich ein absoluter Fan von Glaubenssätzen. Die Auseinandersetzung mit meinen eigenen negativen Überzeugungen hat sowohl in mir als auch in meinem Leben einfach alles verändert. Zu erkennen, dass diese Gedanken, die ich über mich selber habe einfach nicht stimmen und ich positiv verändern kann, war ein absoluter Game-Changer in Bezug auf mein eigenes Selbstwertgefühl. Ich habe zu Glaubenssätzen bereits eine eigene Podcastfolge aufgenommen, in der ich ganz genau erkläre, wie ich meine negativen Glaubenssätze identifiziert habe und warum ich mit positiven Affirmationen arbeite.

 

Grundsätzlich ist es so, dass auch mein eigener Perfektionismus durch mehrere negative Glaubenssätze gefüttert wurde. Zum Beispiel: „Ich bin nicht gut genug.“ Und „Ich darf auf keinen Fall Fehler machen“… „Ich muss mich mehr anstrengen“ oder „Andere sind besser als ich“ .

 

Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese negative innere Überzeugung auch der Grund ist, warum du das Gefühl hast, dass du deinen Körper verändern musst. Weil das ja tatsächlich etwas ist, das wir beeinflussen können und wir das Gefühl haben, wenn ich erst mal x Kilo wiege, dann bin ich richtig so wie ich bin – das Problem ist nur, dass sich auch dieses Gefühl niemals einstellen wird, egal wie sportlich, definiert oder dünn du bist, wenn du nicht an den Kern gehst und bei deinem Selbstwertgefühl anfängst, wirst du diese Zufriedenheit und dieses Gefühl von angekommen sein, niemals spüren.

 

Denn der Kern von Perfektionismus ist ein nicht ausreichend gestärkter Selbstwert. Du hast das Gefühl, dass du nicht richtig bist so wie du bist. Oder, dass du nicht gut genug bist. Und deswegen versuchst du alles dafür zu tun, um doch genug zu sein oder geliebt zu werden. Um Perfektionismus aufzulösen, musst du anfangen dein Selbstwertgefühl zu stärken. Denn, wenn du für dich selber erkennst: „Ich darf Fehler machen und bin trotzdem okay“ oder „Ich werde geliebt, obwohl ich bestimmte Dinge nicht kann“, wenn du das für dich selber erkennst und auch spürst, dann brauchst du den Perfektionismus nicht mehr, genauso wenig wie du die Essstörung brauchst.

 

Du kannst dein Selbstwertgefühl durch positive Affirmationen stärken, aber zusätzlich auch über Selbstfürsorge. Denn die geht im Perfektionismus oft verloren. Wie schon gesagt, die Geschichte mit dem Wecker. Wer perfekt sein will, der macht einfach, ohne darauf zu hören, was ihm sein Körper oder seine inneren Bedürfnisse eigentlich sagen. Weil ich das Gefühl hatte, produktiv sein zu müssen, habe ich mir am Wochenende um 7 einen Wecker gestellt, obwohl ich eigentlich total müde war. Hör’ dir dazu gerne die Podcastfolge an, die ich zum Thema Bedürfnisse wahrnehmen aufgenommen habe, denn wenn du anfängst auf deine eigenen Bedürfnisse zu hören, sowohl körperlich, als auch seelisch, dann machst du dich selber zur Priorität. Dann gibst du dir selber Wert und fängst aktiv an, dich um dich zu kümmern. Zu dir Sorge zu tragen.

 

Denn dein Wert ist unabhängig davon wie viel du machst oder wie perfekt du etwas machst. Du bist genug – ohne irgendetwas zu tun oder zu leisten. Und bis ich das für mich verstanden und letztendlich auch gefühlt habe, musste ich mir das immer wieder sagen.

 

Ich habe mir meine positiven Affirmationen auf Post-It’s geschrieben, sie als Bildschirmschoner verwendet, sie an Spiegel gemalt. Damit ich sie immer wieder vor mir sehe, bis ich sie auch in mir spüren kann.

Wenn du also deinen negativen Glaubenssatz für dich identifiziert hast: Zum Beispiel: „Wenn ich Fehler mache, bin ich nichts wert“ dann kannst du ihn mit ein bisschen Übung zu einer positiven Affirmation verändern. Das wäre in dem Fall vielleicht: „Ich erlaube mir Fehler machen.“

Denn was passiert wirklich, wenn du einen Fehler machst? In dem Job, den ich aktuell habe, mache ich andauernd Fehler. Und das war am Anfang ein absolutes Desaster für mich, weil ich jedes Mal wieder in dieses „Ich bin nicht gut genug-Loch gefallen bin. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass ein Fehler kein Weltuntergang ist. Das ist vielleicht manchmal wirklich doof, aber das hat mir auch die Chance geboten, mit dieser doofen Situation umzugehen und daran zu wachsen.

Es ist immer so, dass wir durch die Angst gehen müssen, um zu erkennen, dass sie vielleicht nur halb so schlimm war, wie befürchtet. Du wirst es nicht dein ganzes Leben lang schaffen, keinen einzigen Fehler zu machen – deswegen versuche den Fehlern, die passieren, wirklich objektiv gegenüberzutreten. Wie fühlt sich diese Situation für mich an? Und was ist eigentlich objektiv passiert? Ist das wirklich so schlimm? Oder habe ich einfach nur die Vorstellung, weil ich es mir nicht erlaube Fehler zu machen?

Ich mache es so, dass ich dann mit einem positiven Glaubenssatz dagegen arbeite und mir sage: Ich erlaube mir Fehler zu machen. Ich wachse an meinen Fehlern. Ich bin geliebt und sicher, ganz egal was ich tue.

Und mit jedem Mal, mit dem ein Fehler passiert, wird es leichter. I promise. Auch, wenn die Fehler größer werden. Statt die ganze Zeit nach Außen die perfekte Fassade aufrechtzuerhalten und möglicherweise Fehler sogar zu vertuschen, ist es viel einfach zu sagen: „Ich kann es halt nicht besser. Ich habe es versucht. Ich habe es so gut gemacht wie ich kann. Und dieser Fehler ist eben passiert.

Ich erinnere mich noch, dass ich damals beim ersten Versuch durch meine Führerscheinprüfung gefallen bin und es mir einfach niemand geglaubt hat, weil ich sonst immer überall so gut war und bestanden habe, dass meine Eltern dachten, das sei ein Witz von mir. Durchgefallen ha-ha. Und ich weiß noch, wie ich da stand, vollkommen am Heulen, weil ich quasi meine fehlerfreie Erfolgsserie gebrochen habe. Deswegen kann es auch ganz gut sein, ab und zu mal Fehler zu machen, denn dann hast du nicht diesen Druck, dich immer noch weiter zu steigern.

Mit jedem Fehler, den du zugibst. Mit jeder Schwäche, die du offenbarst,  wirst du mehr du selbst sein, weil du aufhören kannst, dich zu verstellen. Ich habe früher ganz oft, wenn Freunde mich gefragt haben, ob ich diesen oder jeden Film oder Künstler kenne, gesagt: Ja kenne ich. Obwohl ich keine Ahnung hatte, um was es geht, weil ich dachte, dass die mich doof finden, wenn ich von dem Film oder den Künstler noch nie was gehört habe. Das führt natürlich dazu, dass du die ganze Zeit vorgibst etwas zu sein, was du eigentlich nicht bist und das macht dir dann selber noch viel mehr Stress.

Mittlerweile kann meine eigene Unwissenheit und mein „Nicht-Können“ viel besser annehmen, weil ich nicht mehr versuchen muss irgendwelche Erwartungen zu erfüllen.

Vor allem aber habe ich gelernt nachsichtig mit mir selber zu sein. Mitgefühl für mich zu entwickeln. Und das ist immer noch verdammt schwer – weil ich meine härteste Kritikerin bin. Von den eigenen Erwartungen Abstand zu nehmen und sich Fehler zu verzeihen oder Leistungen anzuerkennen, die vielleicht nicht zu 100 % perfekt sind, das ist eine echte Herausforderung. Und das übe ich bis heute. Wenn ich merke, dass ich mir wieder viel zu viel vornehme, dass ich meine eigenen Bedürfnisse ignoriere oder es noch besser machen will – dann versuche ich einfach einen Gang zurückzuschalten.

Aber dafür muss man sich dessen natürlich auch bewusst werden. Über Meditation, das Beobachten des eigenen Verhaltens, das Aufschreiben der Gedanken – immer mal wieder einen Schritt zurücktreten, um zu entschleunigen. Grundsätzlich macht es auch Sinn, wenn man etwas verändern möchte, die Außenperspektive einzunehmen und sich einfach mal vor Augen zu führen: Was WIRKLICH los ist. Was die EIGENTLICHE Situation ist. Auch im positiven Sinne.

Dass du dich einfach mal hinsetzt und aufschreibst, was du alles schon geschafft hast. Welche Krisen du überwunden hast, welche Herausforderungen du gemeistert hast, welche Erfolge du für dich feiern kannst.

Du kannst du dich dafür feiern, was du alles schon geschafft hast. Es geht nicht darum zu sagen: Ja, aber der hat ja viel mehr geschafft. Oder diese Ziele, die meine Freundin erreicht hat, sind ja viel größer. Nein.

Bleib’ bei dir. Richte die Aufmerksamkeit auf dich. Und komm vom Außen ins Innen. Hör’ auf dich zu Vergleichen. Denn wenn wir uns vergleichen, dann tun wir das immer nur mit diesem einen Aspekt oder diesem einen Erfolg des anderen Menschen und alles andere fällt quasi hinten über. Wenn wir uns vergleichen, können wir gar nicht gut abschneiden, weil wir gar nicht wissen, was bei dem anderen vielleicht nicht geklappt hat.

Wenn du aufhörst dich zu vergleichen, dann stärkst du damit automatisch deinen Selbstwert. Und wenn du ein starkes Selbstwertgefühl hast, dann brauchst du nicht mehr perfekt sein, weil du selber spüren kannst, dass du so richtig bist wie du bist. Und das bist du. Das sind wir alle. Wir können das nur nicht erkennen.

Zusammengefasst sind die wichtigsten Dinge, die du brauchst und üben kannst, um diesen inneren Leistungsdruck loszulassen

1. Sich der negativen Glaubenssätze bewusstwerden und sie in positive Affirmationen umwandeln
2. Den Fokus auf Selbstfürsorge und die eignen Bedürfnisse legen
3. Blick von Außen nach Innen richten – Hör auf dich zu vergleichen
4. Verständnis und Mitgefühl mit sich selber entwickeln
5. Spontanität, Flexibilität und Freiheit zulassen – Ungewissheit zulassen und lernen die Kontrolle abzugeben
6. Sich für das, was man alles schon erreicht und geschafft hast x
7. Sich so zeigen wie man ist – mit allen vermeintlichen Fehlern oder Mängeln

Denn Dinge nur perfekt zu machen oder es erst gar nicht zu versuchen ist auch eine Art Schutz, sich verletzlich oder mit Fehlern zu zeigen.

Mein Ziel für dieses Jahr ist es Alles auszuprobieren – es gibt so viele Dinge, die ich bislang nicht gemacht habe, weil ich verdammt Angst hatte, sie nicht perfekt zu können. Weil ich Angst hatte, dass andere über mich lachen werden, wenn ich einen Fehler mache. Dieses Jahr werden Fehler gemacht. Ich möchte Kite Surfen ausprobieren, ich möchte versuchen Skateboard zu fahren, komplizierte Kartenspiele spielen, die ich erst nach dem 4. Mal erklären ansatzweise verstehe – ich möchte sagen: Ich kann das nicht, aber ich probiere es einfach mal. Und ich möchte, dass mir jemand dabei hilft.

Denn perfektionistisch zu sein, bedeutet oft Dinge alleine schaffen zu wollen oder auch zu müssen, um nicht auf andere Menschen angewiesen zu sein. Aber du musst nicht alles alleine schaffen. Du darfst dir Unterstützung holen, du darfst nach Hilfe fragen und du wirst auch geliebt, wenn du Fehler machst. Denn durch Fehler wachsen wir. Nur weil du einen Fehler machst, heißt das nicht, dass du schlechter oder unwichtiger bist. Du tust genug und du bist wertvoll auch, wenn du einfach mal nichts tust. Du bist genauso richtig wie du bist. Also lass und dieses Jahr gemeinsam nutzen, um die Kontrolle abzugeben, wild und spontan zu sein und Dinge zu probieren, bei denen wir sogar vielleicht schon wissen, dass wir Fehler machen werden. Never a failure, always a lesson.

Du bist auf dem richtigen Weg.

Alles Liebe,
deine Oona

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