#50 Wie du es schaffen kannst, intuitiv zu essen

Herzlich willkommen zurück auf meinem Blog und zurück beim Oonamaste Podcast.

 

 Es ist so schön, dass du da bist, denn es ist die erste Folge nach der Sommerpause. Es ist so viel passiert in diesen Monaten, in denen der Podcast eine Pause gemacht hat.

 

Sowohl innerlich in mir als auch äußerlich. Ich war im Sommer auf Mallorca und habe mein Yoga Teacher Training gemacht. Das gemeinsame Buchprojekt mit Soulfood Journey ist endlich erschienen, was es mich wahnsinnig berührt und unglaublich stolz macht.

 

Und ich arbeite im Hintergrund an ganz vielen wundervollen Goodies und Ideen für die Oonamasté Mitglieder. Es wird also nicht langweilig. Es gibt ganz viel, was da auch noch in Zukunft kommt.

 

Aber ich persönlich habe auch gemerkt, wie gut mir diese Pause getan hat, um frische Kraft und Energie zu sammeln. Das vergessen wir nämlich ganz oft. Und das habe ich auch in der letzten Podcastfolge erzählt, bevor ich in die Sommerpause gegangen bin, dass ich wirklich gemerkt habe, dass ich diese Pause brauche und dass wir ganz oft über diese Grenze rübergehen und uns pushen und sagen Nee, ich muss jetzt weitermachen und ich muss es noch besser machen und ich muss noch mehr machen statt zu sagen: Ich nehme mir diese Pause und nutze sie für mich.

 

Zum einen, um mich zu entspannen und auf der anderen Seite aber auch, um neue Ideen zu sammeln und neue Kreativität zu generieren und wachsen zu lassen. Das ist etwas, was man üben muss. Und deswegen bin ich sehr, sehr froh, dass ich das üben konnte, weil in dieser Zeit einfach auch so viele wundervolle Sachen passiert sind, die ich auf gar keinen Fall missen möchte. Und vor allem konnte ich mich darauf konzentrieren, wirklich kreativ zu sein, um so auch neue Podcastfolgen mit neuen, spannenden Themen und neuen Interviews aufzunehmen.

 

Die heutige Podcastfolge möchte ich gerne nutzen, um mit dir über eine Frage zu sprechen, die mir immer wieder gestellt wird.  Ursprünglich stammt diese Frage aus einem Q&A, das an die Oonamaste Member verschickt wurde. Aber ich finde dieses Thema einfach so wichtig, dass ich es gerne auch hier im Podcast für alle besprechen möchte. Und zwar geht es um intuitives Essen.

 

Wie funktioniert intuitive Ernährung? Was muss ich dafür machen, um endlich intuitiv essen zu können? Und vor allem: Schaffe ich es alleine intuitiv zu essen oder brauche ich dabei Unterstützung?

 

Und bevor wir richtig tief in das Thema einsteigen, würde ich gerne einmal über intuitives Essen an sich sprechen. Denn intuitives Essen, das wird immer so dargestellt, als wäre es A super easy und B super gesund. Als würde ich, wenn ich intuitiv esse, in meinem Körper nur unverarbeitete und grüne und gesunde und nahrhafte Lebensmittel zuführen.

 

Vor allem wird suggeriert, dass intuitives Essen sehr, sehr einfach ist. Dass man einfach nur auf seinen Körper hören muss und dann genau weiß, was der Körper braucht.

 

Das Problem mit diesem Bild von intuitiven Essen ist, dass es einfach falsch ist, weil intuitives Essen wahnsinnig viel Übung braucht und weil intuitives Essen auch nicht bedeutet, dass man überwiegend gesund ist oder dass man sich nur gesund ernährt. Ich glaube, dass gerade in Bezug auf die Essstörungen der größte Irrtum ist, dass intuitives Essen möglich ist.

 

Das klingt jetzt hart, weil ich weiß, dass es ganz, ganz viele gibt, die versuchen, intuitiv zu essen und versuchen, für sich einen guten Weg zu finden, auf den eigenen Körper zu hören. Aber insbesondere am Anfang des Heilungswegs und insbesondere in einem Moment, indem man jeglichen Kontakt zu seinem eigenen Körper verloren hat, ist Intuition etwas, das uns fehlt und das wir erst einmal wieder aufbauen müssen.

 

Zudem wir erst einmal wieder einen Kontakt bekommen müssen, bis wir irgendwann zu dem Punkt kommen können, dass wir intuitiv essen. Das heißt, intuitives Essen, gerade zu Beginn der Essstörung ist eine fast unlösbare Aufgabe.

Und vielleicht ist es so, dass du dir vorgenommen hast, ausschließlich intuitiv zu essen und du einfach komplett verzweifelt bist, weil es verdammt nochmal nicht funktioniert und weil du es immer wieder versuchst und immer wieder scheiterst.

 

Vielleicht weil du eine Definition von intuitiven Essen hast, die sich nicht mit dem matched, was du aktuell machst. Deswegen ist das erste und Wichtigste das, was ich gerade gesagt habe, nämlich sich darüber bewusst zu werden, was intuitives Essen eigentlich bedeutet und wie ich für mich intuitives Essen definiere.

 

Das sind nämlich zwei verschiedene Dinge. Intuitives Essen bedeutet, dass sowohl der Körper versorgt wird als auch die Seele. Das heißt, dass die Seele das bekommt, wonach die Seele verlangt. Und wenn das Pizza ist, dann ist es Pizza. Und wenn es Schokolade ist, dann ist es Schokolade. Und wenn es eine warme Suppe ist, dann ist es eine warme Suppe.

 

Es gibt diese zwei Bedürfnisse bei intuitivem Essen, die man unterscheiden muss. Das ist einmal das körperliche Bedürfnis nach Energie, nach Nährstoffen, nach Ballaststoffen, nach Vitaminen, nach ungesättigten Fettsäuren. Also quasi das gesunde Essen. Und dann gibt es auf der anderen Seite. Aber eben auch Soulfood und Soulfood hat den gleichen Stellenwert wie. Bodyfood. Wir nennen es mal Soulfood, weil Soulfood dich emotional leben lässt. Deine Seele leben lässt, deine Erinnerungen weckt.

 

Natürlich kannst du das auch mit einem Vollkornbrötchen machen oder mit einem Salat. Aber diese Momente, die geschaffen werden durch intuitives Essen, wenn du auf deinen Körper hörst, wenn du auf deine Seele hörst und das sind die Momente, die dich leben lassen und die vor allem den Unterschied machen zwischen Clean Eating und intuitive Ernährung.

 

Weil wie gesagt, Clean Eating dieses sehr gesunde, sehr gesundheitsorientierte Essen oftmals mit intuitiven Essen gleichgesetzt wird, aber intuitives Essen bedeutet nicht, dass ich den ganzen Tag nur Linsen Fussili esse oder dass ich meinem Körper nur Salat gebe, sondern intuitives Essen bedeutet, in sich hineinzuspüren und zu gucken Was braucht mein Körper? Und was braucht meine Seele? Und wie schaffe ich es, dass beides zu vereinen und vor allem sich immer wieder zu fragen Braucht mein Körper das jetzt? Was braucht mein Körper jetzt? Braucht es meine Seele, braucht es mein Herz? Oder braucht es mein Magen, brauchen meine Muskeln, mein Darm und meine Organe Nahrung?

 

Das sind zwei ganz, ganz wichtige Unterschiede. Also zu unterscheiden zwischen der eigenen Definition von intuitiven Essen und von dem, was uns vielleicht suggeriert wird, was intuitive Ernährung bedeutet und dem, was intuitive Ernährung tatsächlich ist, nämlich die Zusammenarbeit und das Gleichgewicht aus Body Food und Soulfood.

 

Warum ist es so schwierig, intuitiv zu essen? Gerade für Menschen, die eine Essstörung haben oder die dabei sind, ihre Essstörung zu heilen?

 

Ganz einfach, weil der Kontakt zum Körper nicht da ist. Das ist das Erste. In der Essstörung gehst du gegen jede Intuition, du gehst gegen jedes Gefühl, was dein Körper dir gibt. Du gehst gegen jedes Signal, was dein Körper sendet. Immer dagegen, immer ignorieren. Wenn dein Körper dir Hunger signalisiert, dann ignorierst du es. Wenn dein Körper dir signalisiert, dass er friert, dann ignorierst du es. Wenn dein Körper dir signalisiert, dass er Durst hat, dann ignorierst du das vielleicht auch.

 

Es gibt so viele Aspekte in der Essstörung, Ruhe, Schlaf, Nahrung, es gibt so viele Aspekte, die wir ignorieren, wenn wir unsere Essstörung füttern, d. h. die Essstörung ist der Endgegner, der zwischen uns und unseren Bedürfnissen entsteht.

 

Und deswegen sage ich auch immer, dass es so wichtig ist, auf seine Bedürfnisse zu hören bzw. das zu trainieren, weil das auch ein Schritt auf deinem Heilungsweg ist, weil das ein Schritt ist aus der Essstörung.

 

Wenn du anfängst, auf die Signale zu hören und auf die Bedürfnisse zu hören, die dein Körper hat. Aber es ist nicht nur die fehlende Verbindung zur eigenen Intuition oder zu den eigenen Bedürfnissen, die problematisch ist, wenn es um intuitive Ernährung geht, sondern auch die Tatsache, dass während der Essstörung einfach jegliches Gefühl und jegliches Verständnis für "normale Ernährung" verloren geht. Das heißt, Portionsgrößen sind nicht mehr normal. Portionsgrößen sind winzig oder eben riesengroß.

 

Je nachdem, was für eine Art von Essstörung man hat. Nahrungsmittel werden überhaupt nicht ausgewogen ausgewählt, sondern überwiegend danach ausgewählt, wie kalorienarm sie sind. Grundsätzlich geht das Verhältnis verloren, wie viel Kalorien eine Mahlzeit haben sollte. Also dieses ganze Verhältnis, diese ganze Beziehung zur Ernährung an sich.

 

Was ist gesund, was ist ungesund? Was braucht der Körper eigentlich? Das alles ist komplett verschoben und die Frage ist Wie soll ich denn anfangen, intuitiv zu essen, wenn ich nicht weiß, was normal ist? Ich kann keine normale Ernährung entwickeln, wenn mein Verhältnis zu Portionsgrößen gestört ist. Ich kann nicht entscheiden, wie viel mein Körper braucht, wenn ich nicht weiß, was eine normale Zusammensetzung einer Mahlzeit ist. Natürlich gibt es die Möglichkeit, sich das alles anzulesen und das alles zu lernen und sich damit intensiv auseinanderzusetzen.

 

Was natürlich auch ein Teil der Essstörung sein kann, dass man nämlich so wie ich damals Ernährungswissenschaften studiert, weil man das Gefühl hat, man muss es verstehen. Und was bei mir im Endeffekt passiert ist, ist, dass ich alles wusste über Ernährung. Ich wusste, wie man Ernährungspläne für Senioren schreibt. Ich wusste, wie man Ernährungspläne für Sportler schreibt. Ich wusste, was normale Portionsgrößen sind.

 

Aber aus irgendeinem Grund habe ich mich selber ausgeklammert, weil ich nie jemanden hatte, der sich individuell mit mir beschäftigt hat und geguckt hat, was mein Körper wirklich braucht. Und das ist auch das Problem an diesen allgemeinen Ernährungsplänen, die es, online oder offline zu kaufen gibt.

 

Wir machen mal einen Vergleich: Ein Audi fährt x km und diese Audi tankt Benzin und lädt Strom. Dann hat dieser Audi ganz bestimmte Voraussetzungen. Vielleicht wird der Audi sehr viel gefahren oder er wird sehr wenig gefahren. Und wenn ich jetzt ein VW nehme und diese Bedienungsanleitung von VW der Personen gebe, die den Audi fährt, dann ist das Auto in Kürze Schrott und das liegt einfach daran, dass wir alle unterschiedlich sind und dass wir alle unterschiedliche Bedürfnisse haben, dass unsere Körper unterschiedlich sind, dass unsere Stoffwechsel unterschiedlich sind, dass unsere Vorlieben unterschiedlich sind und dass wir sogar wenn wir in der Woche uns verschieden bewegen, uns verschieden anstrengend, dann brauchen wir eine angepasste Ernährung.

 

Und das lässt sich nicht lösen, indem wir einen standardmäßigen Ernährungsplan haben, an denen wir uns halten und uns dann wundern, warum intuitive Ernährung für uns nicht funktioniert. Was uns zum nächsten Punkt bringt und der lautet Ernährungstherapie. Ich hab schon zwei wundervolle Podcastfolgen mit Maja Seimer aufgenommen.

 

Maja Seimer ist Ernährungstherapeutin und spezialisiert auf Essstörungen. Es war einfach so ein unglaublich tolles Gespräch und vor allen Dingen war es ein Mut machendes Gespräch, weil ich selber auch damals in meiner Essstörung die Erfahrung gemacht habe, dass es natürlich auch wie in jeder Branche Spezialisten gibt, die überhaupt nicht spezialisiert sind und bei denen man am Ende rausgeht und ein unglaublich schlechtes Gefühl hat. 

 

Aber genauso gibt es natürlich auch Ernährungstherapeuten, die einen wahnsinnig guten Job machen und die Menschen und insbesondere Menschen mit Essstörungen dabei helfen können, wieder ein normales Verhältnis zu ihrer eigenen Ernährung und auch zu ihrem eigenen Körper und zu ihrer Intuition zu bekommen. Und deswegen möchte ich gerne mit dir über Ernährungstherapie sprechen, weil ich weiß, dass es einen Großteil von Frauen und Männern gibt, die sich ganz vehement entgegen Ernährungstherapie wehren, weil es immer noch dieses Bild des Ernährungstherapeuten gibt.

 

Und das existiert, weil tatsächlich Ernährungstherapeuten noch nach diesen Prinzipien arbeiten, was absolut furchtbar ist. Aber grundsätzlich ist es so, dass es immer noch sehr sehr viele Männer und Frauen gibt, die sich gegen Ernährungstherapie wehren. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass die Essstörung sehr laut ist und rebelliert und man das selber aber eigentlich gar nicht so richtig wahrhaben will und sich eher denkt Das ist meine Stimme und eigentlich will ich doch gar nicht, dass mir irgendjemand vorschreibt, was ich essen soll.

 

Und vor allen Dingen will ich nicht, dass mir jemand vorschreibt, dass ich was Ungesundes essen soll. Ich hatte damals die Argumentation, als es bei mir um eine Ernährungstherapie ging, dass ich gesagt hab: Ich will mich doch gesund ernähren. Ich will doch jetzt nicht irgendwo hingehen, wo mir jemand vorschreibt, dass ich jeden zweiten Tag Pasta essen soll, dass ich jeden zweiten Tag ein Stück Kuchen essen soll.

 

Und das war für mich die logische Argumentation, warum Ernährungstherapie vollkommener Quatsch ist. Das war der Anteil meiner Essstörung, der gesagt hat: Ich will doch gesund leben. Und vielleicht kennst du diesen Gedanken, dass du denkst, ich will keine Ernährungstherapie machen, ich will mich doch gesund ernähren und bei der Ernährungstherapie werde ich von einer fremden Person gezwungen zu essen und zwar Dinge zu essen, die für meinen Körper in Anführungszeichen schädlich sind.

 

Der Trugschluss, den wir ziehen, wenn wir uns alleine dazu entscheiden, uns intuitiv zu ernähren, ist, dass eine intuitive Ernährung automatisch gesund ist, das ist das, was ich vorhin gesagt habe. Das was passiert ist, dass wir vielleicht den Kreis der erlaubten Lebensmittel um Vollkornbrot oder Linsen Fussilis, erweitern, aber immer noch nicht in der Lage sind, ein Stück Kuchen zu essen, das nicht mit Low -Carb Mehl gebacken wurde.

 

Und das führt dazu, dass die Essstörung sich verschiebt. Sie verwandelt sich in eine andere Form und das Problem daran ist, dass diese Form sogar gesellschaftlich akzeptiert wird.

 

Das ist das Gefährliche daran, dass dich irgendwann niemand mehr anguckt, wenn du nur noch Dinkelnudeln isst. Eine gute Ernährungstherapie hilft dir, Essen neu zu lernen und ich vor allem Schritt für Schritt dabei zu begleiten und einen Weg zu einer ausgewogenen Ernährung zu zeigen. Und da ist eine Ernährung, in der auch Platz für Nachtisch ist.

 

Denn wir müssen uns langfristig und vor allem gerade in dieser schwierigen Zeit des Heilungswegs immer wieder aus unserer Komfortzone heraus pushen. Wir müssen immer wieder in die Konfrontation mit Lebensmitteln gehen, die uns Angst machen.

 

Wir müssen immer wieder versuchen, neue Dinge zu essen und vor allen Dingen müssen wir Dinge essen, die vielleicht nicht unbedingt nur Body Food sind, sondern eher Soulfood. Auch wenn unsere Seele vielleicht in dem Moment sagt Das kann ich nicht.

 

Dann ist es wahrscheinlich nicht unsere Seele, sondern es ist die Essstörung ,weil jeder Gedanke und jeder Widerstand, der auch in einer Ernährungstherapie kommt, ist ein Gedanke der Essstörung. Und das ist etwas, was mir sehr geholfen hat, mich immer wieder daran zu erinnern, dass wenn ich z.B. nicht hingehen wollte, wenn ich mich gesträubt habe, bestimmte Dinge auszuprobieren, wenn ich Widerstände oder Groll gegenüber meiner Ernährungstherapeutin gehegt habe, dann waren das alles Sachen, die meine Essstörung initiiert hat, weil die Essstörung natürlich unter keinen Umständen will, dass du für dich ein Weg findest, normal zu essen.

 

Und das ist etwas, woran du dich immer wieder erinnern darfst und musst, dass die Essstörung aktuell diejenige ist, die die Gedanken in deinem Kopf bestimmt, immer noch.

 

Irgendwann wird es anders und irgendwann ist sie nicht mehr da. Aber aktuell ist das vielleicht der Fall und deswegen brauchen wir jemanden, der uns dabei hilft, Essen zu lernen und wenn wir etwas neu lernen, sei es eine Fremdsprache, sei es ein Instrument, rechnen oder Auto fahren, dann brauchen wir jemanden, der es uns beibringt.

 

Wir können nicht einfach in ein Auto steigen und losfahren, ohne zu wissen, wie man Gas und Bremse bedient. Wir können es versuchen, aber wahrscheinlich nicht mit so viel Erfolg, sodass wir es irgendwann ganz aufgeben. Und das ist das Problem an intuitiver Ernährung, wenn du es nämlich alleine versuchst, dann bist du irgendwann so gefrustet, weil du unter Heißhungeranfällen leidest, weil du unter Extremhunger leidest, weil du vielleicht unter Bulimiephasen leidest.

 

Und irgendwann bist du so gefrustet, dass du denkst das bringt ja sowieso alles nichts. Ich kriege es ja nicht hin. Und dann sagt die Essstörung: Siehst du. Habe ich dir doch gesagt. Komm mal wieder schnell, schnell zurück. Hier wird schön reglementiert und du bist wieder sicher. Und das ist das Problem, wenn wir aufgeben und die Hoffnung verlieren, dann hat die Essstörung gewonnen. Wenn wir aber jemanden an unserer Seite haben, der uns unterstützt und der uns Mut macht.

 

Und das ist jemand, der Ahnung hat.Jemand, der spezialisiert ist auf Essstörungen, das ist ganz wichtig.

 

Wie gesagt, es gibt viele Ernährungstherapeuten und es gibt auch viele Leute, die vielleicht mal ein zweiwöchiges Coaching gemacht haben und sich Ernährungscoach nennen. Aber wenn du jemanden aussuchst, dann ist es wichtig, dass der Erfahrung hat und dass der Erfahrung mit Essstörung hat, dass der spezialisiert ist und dass der dich versteht und dich nicht zwingt, bestimmte Dinge zu essen, sondern mit dir daran arbeitet und guckt: Warum ist es denn so schwierig, das für dich zu essen? Und wie können wir das lösen? Was gibt es vielleicht für Zwischenschritte, die wir machen können, damit es einfacher wird?

 

Wie gesagt, die Essstörung zerstört jedes Gefühl für Portionen, Kalorien oder gute Lebensmittel und deswegen brauchen wir jemanden, der uns dabei hilft, es wieder zu lernen.

 

Dass die Essstörung ziemlich daneben findet, ist völlig normal. Bevor wir anfangen können, intuitiv zu essen, brauchen wir eine Referenz, an der wir uns orientieren können. Wie soll ich eine Portionsgröße intuitiv bestimmen, wenn mein Verhältnis zu Portionsgrößen gestört ist? Wie soll ich wissen, wie viel Nahrung mein Körper wirklich braucht, wenn ich seine Signale jahrelang ignoriert habe? Das, was wir in der Ernährungsberatung oft als Mästen wahrnehmen, das ist in Wahrheit der Weg in die Normalität. Das ist doch viel zu viel für eine Portion - klassisches Argument der Essstörung, die versucht die einzureden, dass eine Kartoffel völlig ausreichend ist.

 

Erst wenn wir lernen und aktiv üben, was unser Körper tatsächlich braucht. Erst dann können wir anfangen, in ihn hineinzuhorchen, ob und was unser Körper heute braucht. Wie bereits erwähnt, es gibt in jedem Fachbereich solche und solche Therapeutinnen und Beraterinnen und deswegen ist es umso wichtig, dass man sich Zeit nimmt, um die professionelle Unterstützung zu finden, die zu dem eigenen Weg passt.

 

Es ist so, dass ein kostenloses Probe Gespräch bei jeder seriösen Ernährungsberatung möglich sein sollte und wenn du im Anschluss feststellst und das gilt übrigens nicht nur für Ernährungsberatung, aber wenn du im Anschluss feststellst, dass die Chemie nicht stimmt und du dich nicht wohl fühlst, dann hast du das Recht zu wechseln und nach jemandem zu suchen, der besser zu dir und deinen Bedürfnissen passt.

 

Und das Wichtigste ist: Vertrauen. Vertrauen nicht nur in dich selbst und in deinen Weg, auf dem du bist, sondern vor allem Vertrauen zu deiner Ernährungsberaterin, zu dieser professionellen Unterstützung, die du hast.

 

Denn wahrscheinlich wird es am Anfang so sein, dass deine Ernährungstherapeutin zum Feind wird, weil sie diejenige ist, die versucht, die Regeln der Essstörung zu brechen. Und besonders dann ist es einfach unglaublich schwer und kräftezehrend und man braucht ein vertrauensvolles Verhältnis mit der anderen Person, die einen professionell unterstützt und betreut, um diese Dinge zu kommunizieren. Um zu sagen Ich merke, dass das, was du mir gerade sagst, ist es sehr, sehr schwierig für mich ist. Und ich möchte aber einen Weg finden, um damit umzugehen.

 

Und wie gesagt, wenn du dich nicht wohl fühlst, dann kannst du so eine Behandlung abbrechen und kannst diese Behandlung woanders fortführen.

 

Aber wichtig dabei ist, dass du spürst ist es wirklich nur die Chemie, die bei uns nicht stimmt? Oder aber ist es die Essstörung, die mir einredet, dass die Chemie nicht stimmt und dass das nicht das ist, was ich brauche, weil ich ja eigentlich in der Essstörung viel, viel besser aufgehoben bin?

 

Deswegen Watch out for the eating disorder telling you things that are not true, weil das kann die Essstörung ganz besonders gut und Sachen zu erzählen, die einfach nicht stimmen.

 

So, um das alles noch einmal zusammenzufassen. Das erste und wichtigste ist, dass du verstehst, was intuitive Ernährung bedeutet und vor allem, wie du intuitive Ernährung für dich definierst. Das zweite und wichtige ist, dass du verstehst, dass intuitive Ernährung sich sowohl aus Bodyfood als auch aus Soulfood zusammensetzt, was bedeutet, dass wir aus unserer Komfortzone rausgehen müssen und dass wir diesem Soulfood den gleichen Raum einräumen müssen, wie wir das bei Bodyfood tun und das können wir nur, indem wir aus unserer Komfortzone gehen.

 

Indem wir immer wieder neue Dinge ausprobieren oder indem wir vielleicht auch lernen auszuhalten, dass man mehrere Soulfood Snacks am Tag hat oder dass man vielleicht sogar an zwei Tagen hintereinander Pasta ist.

 

Auch wenn es sich vielleicht im ersten Moment nicht "gesund" anfühlt. Ist das auch ein Teil, um intuitiv zu essen, dass man lernt, dass es okay ist, auch an zwei Tagen hintereinander was Ungesundes zu essen, ohne es vielleicht durch einen Fastentag zu kompensieren, sondern dass man einfach sagt Okay, das ist das, was mein Körper gerade brauchte. Und ich gebe meinem Körper das, was er verlangt. Ich gebe meiner Seele das, wonach sie verlangt.

 

Das dritte Wichtige ist, dass intuitives Essen nicht möglich ist, zumindest nicht am Anfang.

 

Denn intuitives Essen am Anfang der Essstörung ist ein hoffnungsloses Unterfangen, weil Heißhungerattacken auftreten, weil Portionsgrößen gestört sind, weil das allgemeine Verhältnis zur Ernährung gestört ist.

 

Und deswegen brauchen wir jemanden, der uns dabei hilft, Essen neu zu lernen, der uns an die Hand nimmt und der uns zeigt Guck mal, so sieht eine Portionsgröße aus. Oder der uns sagt Hey, guck mal, wie wäre es denn, wenn wir diese Mahlzeit so und so gestalten? Das funktioniert nur, wenn wir jemanden haben, dem wir vertrauen können. Das funktioniert nur, wenn wir jemanden haben, der auf Essstörungen spezialisiert ist und der wirklich die Professionalität hat, um uns auch mit den ganzen Begleiterscheinungen zu unterstützen.

 

Das heißt Verdauungsprobleme, das heißt die ganzen psychischen Probleme, das heißt die Gewichtszunahme, das heißt Wassereinlagerungen. Das alles gehört zur Ernährungsberatung. Das alles gehört zur Ernährungstherapie. Und deswegen ist es einfach wahnsinnig wichtig, dass die Chemie stimmt, weil mit dem Vertrauen zur Ernährungsberatung steht und fällt dieses ganze Projekt und je mehr du deiner Ernährungstherapeutin vertrauen kannst, desto bessere Fortschritte wirst du machen.

 

Wir brauchen zuerst eine Struktur, um dann im nächsten Schritt zu üben: Was braucht mein Körper eigentlich gerade? Wie es meinem Körper? Was möchte mein Körper, diese ganzen Sachen? Das ist aber was, das kommt erst, nachdem wir gelernt haben, was der STANDARD ist. Und nicht zu vergessen: Jeder Mensch ist komplett unterschiedlich. Wir haben alle unterschiedliche Bedürfnisse. Wir haben alle unterschiedliche Voraussetzungen und dementsprechend ernähren wir uns auch unterschiedlich.

 

Und es ist zwar sinnvoll zu lernen, wie viel ein Mensch normalerweise braucht, aber um dann im nächsten Schritt intuitiv zu essen, geht es darum, sich als Mensch individuell anzugucken und vor allem und das Wichtigste aufzuhören, sich zu vergleichen.

 

Alle "What i eat in a day" Videos blockieren und das meine ich. Ich weiß, wie verführerisch das sein kann. Blockiere diese Videos. Schau dir diese Videos nicht an, weil sie geben dir ein falsches Gefühl von Ernährung und vor allen Dingen geben sie dir ein falsches Gefühl von intuitiver Ernährung. Last but not least und das ist quasi das, was ich ja immer sage: Es ist verdammt viel Übung.

 

Und genauso wie ich rechnen neu lernen muss, genauso wie ich eine neue Sprache lernen muss, muss ich essen lernen. Und das heißt, ich muss aktiv Zeit investieren, um das zu lernen. Das heißt, ich setze mich hin, ich treffe mich mit meiner Ernährungstherapeutin.

 

Ich konzentriere mich zu 100 % auf das Essen. Ich konzentriere mich zu 100 % auf meinen Körper und es geht nicht darum, dass wir das jeden Tag machst, weil das ist unglaublich anstrengend. Aber dass du dir bewusst Zeit nimmst, um achtsam zu essen. Ich hab auch schon eine Meditation für achtsames Essen gemacht, die kannst du gerne anhören und mit mir gemeinsam essen, wenn du das möchtest.

 

Es geht darum, dass du übst und dass du dran bleibst. Und vor allem, dass du nicht zu streng zu dir bist. Sei nicht zu streng zu dir. Es dauert Jahre, bis intuitive Ernährung funktioniert, und ich habe so lange geglaubt, dass ich intuitiv esse, bis ich viel viel später festgestellt habe: Okay, ne. An dem Punkt habe ich noch lange nicht intuitiv gegessen, was nicht bedeutet, dass es nicht möglich ist.

 

Ich habe mittlerweile eine fantastische, intuitive Ernährung, in der sowohl Süßigkeiten als auch gesunde Lebensmittel als auch zweimal Pizza an zwei Tagen hintereinander möglich sind und mein Körper nicht das Gefühl hat, dass es ihm schlecht damit geht und ich mich noch nie so wohlgefühlt habe. Also, es ist möglich, aber es braucht einfach Zeit und vor allem braucht es Verständnis.

 

Und wenn es mal nicht klappt, dann ist das überhaupt nicht schlimm. Es ist nicht schlimm, wenn es nicht klappt. Und du musst dich nicht steinigen. Du musst dich nicht bestrafen dafür, wenn es nicht klappt. Einfach das Whiteboard abwischen und am nächsten Tag nochmal von vorne anfangen und sagen Okay, ich probier's jetzt einfach nochmal. Und ich weiß, dass du das schaffen wirst. Ich weiß, dass du das schaffen wirst, denn du bist auf dem richtigen Weg und du kannst so stolz auf dich sein, auf das was du bis jetzt alles erreicht hast, erinnere dich, wie weit du schon gekommen bist.

 

Du bist so unglaublich weit gekommen und du kannst so unfassbar stolz auf dich sein. Und ich hoffe, dass dir diese neue Podcastfolge gefallen hat, dass du daraus ganz viel für dich mitnehmen konntest, dass du vielleicht jetzt mehr Hoffnung hast, dich mit Ernährung zu beschäftigen, vielleicht sogar den Mut hast, dir eine Ernährungstherapeutin zu suchen.

 

Und wenn du mehr über solche Themen erfahren möchtest, dann komme sehr gerne zu Steady, werde Oonamaste Member. Dann beantworte ich wie gesagt die Q&A's mit den Fragen sowie diese Frage heute, die war ursprünglich aus einem Q&A und dann kam es zusätzlich noch den Weekly Mindful Reminder, das ist eine wöchentliche Sprachnachricht von mir mit kleinen Aufgaben und Achtsamkeitsübungen.

 

Du bist auf dem richtigen Weg.

 

Alles Liebe,

deine Oona

 

 

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