#17 Übers Alleinsein mit der Essstörung, Bewegungsdrang und Essanfälle. Ein Notfallplan für die Krise in der Krise

Wenn man viel Zeit alleine hat, kann die Essstörung ganz schön laut werden. Besonders, wenn man gerade dabei ist sie zu heilen.

Wie überlebt man solche Tage? Mit welchen Strategien schafft man es, auch jetzt dranzubleiben? Wie geht man mit diesem gesellschaftlichen Zwang um, produktiv sein zu müssen? Was tun, wenn alle Fitnessstudios geschlossen sind? Welche Tipps helfen, um Essanfälle zu vermeiden und nicht in Negativität zu versinken?
In der heutigen Podcastfolge geht es um die Krise in der Krise. Was tun, um nicht den richtigen Weg aus den Augen zu verlieren? Darüber spreche ich heute mit dir.
Nimm diese Folge als kleinen Mutmacher, Notfallplan, Reminder für dich. Jetzt in dieser herausfordernden Zeit.

Tu es für dich – Morgenroutine
Versuche dir eine Struktur schaffen – auch wenn man nicht zur Schule geht oder im Home-Office arbeitet.
Es ist so wichtig eine Struktur, einen Tagesablauf zu haben, wenn man die ganze Zeit zu Hause ist. Und damit meine ich keinen Zeitplan. Sondern einen grobe Ablauf.

Meine aktuelle Morgenroutine: Tee, Yoga, Anziehen, mich waschen und mir die Zähne putzen. Mir hilft es den Schlafanzug ausziehen. Es ist völlig okay, gemütliche Sachen anziehen, aber im Schlafanzug sollte nicht gearbeitet werden. Denn in unserem Kopf ist Schlafanzug = Schlafmodus, müde schlapp, energielos.

Ehrlich gesagt, bin ich aktuell sogar noch ein bisschen happy, dass ich von zu Hause arbeiten kann, weil ich endlich genug Zeit habe, jeden morgen eine kurze Yogaeinheit zum Wachwerden zu machen. Such dir deine Routine. Bau dir deine Routine, die du vielleicht auch nach der Zeit zu Hause beibehalten kannst. Die dir vermittelt: Der Tag geht jetzt los.

Zum Arbeiten oder Lernen von zu Hause gehört auch Pausen einzuhalten. Also wirklich Feierabend machen. Die Pause nutzen um zu lesen, oder kurz die Augen zuzumachen. Nicht vorm Computer sitzen bleiben.

Essen & Essroutine
Gerade, wenn es um das Thema "Zuhause essen" geht, ist es so wichtig wirkliche Mahlzeiten einzunehmen. Denn besonders, wenn man zu Hause ist, tendiert man dazu zu snacken oder Mahlzeiten bewusst herauszuzögern.

Wenn man zu Hause isst, neigen viele von uns dazu keine richtigen Mahlzeiten, keinen richtigen Plan zu haben.
Bereite dich vor. Überleg dir, als kleine Routine worauf du am nächsten Tag Lust hast. Es geht nicht darum Kalorien aufzuschreiben, sondern dir ein paar feste Ankerpunkte im Tag zu geben, eine Struktur zu geben.

Kleines Beispiel: Wenn du das Frühstück unfassbar lange nach hinten schiebst, kann es sein, dass du um 13 Uhr einen Riesenhunger bekommst und mehr isst, als du eigentlich gebraucht hättest.

Auch wenn das mal der Fall ist, solltest du versuchen, dir zu vergeben und nicht zu streng zu dir selbst zu sein.

Therapiestunden online wahrnehmen und Austausch schaffen
Vielleicht hast du dich erst vor Kurzem entschieden zu einer Beratung zu gehen, die jetzt nicht stattfindet. Das kann sehr demotivierend sein.

Wir haben so Glück mit der Zeit des Internets. Versuch zu gucken, ob es andere Beratungsmöglichkeiten online gibt, ein paar davon habe ich in meinem Interview mit Shirley genannt. Vielleicht kann dein Therapeut mit dir skypen, damit du deinen Termin wahrnehmen kannst.

Und wichtig: Im Austausch mit anderen bleiben, also in Kontakt bleiben. Mit einer Person die dir Nahesteht. Eine Vertrauensperson, die du anrufen kannst, wenn es dir wirklich schlecht geht und du nicht mehr weiter weißt. Jemanden den du anrufen kannst, wenn es dir nicht gut geht. Und wenn du niemanden anrufen möchtest, den du kennst, dann ruf' eine Telefonseelsorge an.

Ich habe bei den Nachrichten, die ich bekomme oft das Gefühl, dass es vielen unglaublich guttut, einfach mal alles rauszuschreiben, das irgendwie mal loszuwerden. Diese ganzen Gedanken und Sorgen nicht im Kopf einzuschließen, sondern sie mit jemandem zu teilen. Das finde ich unglaublich gut. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es mir auf meinem Heilungsweg immer geholfen hat mit jemandem darüber zu sprechen.

Es ist wichtig, dass du mit diesen Gedanken nicht alleine bleibst. Mit dem was in deinem Kopf stattfindet. Wer weiß, vielleicht ist es ja jetzt genau der richtige Zeitpunkt um sich jemanden zur Unterstützung zu suchen.

Bewegungszwang und geschlossene Fitnessstudios
Aktuell sehe ich ziemlich viele Home-Workout Videos auf Instagram. Dazu möchte dir nur sagen: "Du musst das nicht machen." Vielleicht fühlst du dich aktuell durch diese Videos unter Druck gesetzt. Vielleicht denkst du, dass du zu wenig Sport machst.

Versuch wirklich zu selektieren, was dir guttut. Wenn es aktuell mehrere Personen in deinem Instagram-Umkreis gibt, die dauernd nur Sport Videos in den Stories posten, kannst du diese Stories in den Einstellungen auf stumm schalten ohne, dass die andere Person das merkt.

Ich bin selber früher viel ins Fitnessstudio gegangen. Der Sport war mein Anker, ein wichtiger Teil meines Alltags, meiner Routine, deswegen kann ich das gut nachvollziehen, wie schlimm es aktuell sein muss, dass die Studios geschlossen sind.
Deswegen versuche diese Gefühle so wahrzunehmen. Es ist okay, wenn du aktuell verzweifelt bist. Es ist okay, wenn du aggressiv oder wütend bist, weil das Fitnessstudio geschlossen hat.

Versuche dir immer wieder klar zu machen, dass das eine temporäre Situation ist. Es wird irgendwann anders werden. Du überstehst das.

Wenn die Essstörung laut wird, dann schaffe eine Ablenkung zu, die du innerhalb deiner Wohnung ausüben kannst.
Mandala, Journal schreiben, lesen, Origami falten. Egal was. Am besten etwas mit den Händen. Denn wenn wir unsere Hände beschäftigen, können unsere Gedanken zur Ruhe kommen.

Meditation: Wenn du nicht herausgehen kannst, dann geh nach Innen
Gerade, wenn du ein Mensch bist, der viel denkt, kann ich dir Meditation als Beschäftigung sehr empfehlen. Meditation ist eine Art sich mit dir selber zu verbinden. Mit deinem Körper. Dabei bedeutet Meditation nicht unbedingt NICHTS zu denken, sondern eher sich der Gedanken bewusst zu werden, aber sie nicht festzuhalten.

Meditation ist ein tolles Tool, egal ob für fehlende Selbstliebe, innere Anspannung, Essstörungen oder als Halt in Krisen. Ich empfehle dir die
7mind Meditationsapp (*unbezahlte Werbung aus Überzeugung). Ich habe Ende 2018 selber angefangen zu meditieren und so einen Weg gefunden, Frieden mit meinem Körper zu schließen. Meditation ist ein Ritual, mit dem du dich nicht nur ablenken, sondern vor allem bei dir anzukommen kannst.

Don't challenge yourself too hard
Irgendwie habe ich gerade das Gefühl, dass auf Instagram ein unglaublicher Zwang entsteht produktiv sein zu müssen. Insbesondere auf Instagram. Statt jetzt Zuhause ellenlange To-do-Listen zu schreiben, Fremdsprachen zu lernen oder sich vorzunehmen in den nächsten 14 Tagen drei Bücher zu lesen, sollten wir uns vielleicht diese Pause einfach mal gönnen.
Diesem Zwang oder Druck produktiv sein zu müssen einfach nicht nachgeben. Genieß diese Zeit. Gönn dir diese Auszeit. Lies ein Buch, aber nur wenn du möchtest.

Allerdings ist es eine gute Idee sich selber jeden Tag ein Erfolgserlebnis zu schenken. Statt plötzlich einen umfangreichen Wohnungsputz zu starten, lieber pro Tag einen Raum, den man putzen will, definieren. Statt alle Ordner und Papiere zu sortieren, sich lieber auf ein bestimmtes Thema festlegen. Eine Aufgabe pro Tag. Ein kleines Erfolgserlebnis.

Alles wird gut. Wir werden diese Krise überstehen. Du wirst diese innere Krise für dich überstehen. Du bist auf dem richtigen Weg.

(Ps. Dieser Blogpost ist aus Zeitgründen eine gekürzte Version des Podcasts)

Alles Liebe,

deine Oona

Kommentar schreiben

Kommentare: 0